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CD-Besprechung

Konzertmeister Ferenc Kiss

Portrait

Bella Musica BM312473

1 CD • 80min • 1953, 1983, 1987, 1991, 1996, 2009

11.08.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der Geiger Ferenc Kiss blickt auf eine reiche künstlerische Vita zurück – als Konzertmeister in vielen Weltklasse-Orchestern und noch mehr als Solist, dessen großer, lyrischer Ton gepaart mit unbestechlicher Musikalität jedes Sujet, das er anpackt, zu etwas Besonderem macht. Eine neue Porträt-CD beleuchtet das reichhaltige Wirken dieses Musikers in verschiedenen Stationen. Mehr noch: In zwei Bonus-Tracks hat sogar der Vater von Ferenc Kiss das Wort, ohne den vieles beim Sohn wohl nicht denkbar gewesen wäre.

Zeitgenössisches zum Beginn

Das „forderndste“ Werk direkt am Anfang dieses Programms legt die souveräne Neugier des ungarischen Geigers im Umgang mit der Gegenwart offen. John Buckleys Sonata for unaccompanied Violin war erst vier Jahre vor der vorliegenden Interpretation aus dem Jahr 1987 komponiert worden. Kiss lässt sich virtuos auf alle Klangabenteuer dieses fast siebzehnminütigen rezitativischen Monologs ein. So unangestrengt und rhetorisch ausformuliert wirkt es, wie Ferenc Kiss diesen Parforceritt durch Doppelgriffkombinationen und akrobatische Bogentechnik meistert. Ganz andere Farben leuchten in John Williams Titelmelodie aus dem Film „Schindlers Liste“. Wieder einmal hatte ein erfolgreicher Film einem Musikstück einen Bekanntheitsgrad beschert, von dem das meiste Konzertrepertoire nur träumen kann. Der Zugriff von Ferenc Kiss wirkt so ehrlich, wie es hier nur möglich ist. Ohne grelles Pathos dosiert sein Spiel den lyrischen Ton und versteht sich vor allem auf eine feinsinnige Balance mit dem französischen Orchestre Symphonique du Collège Rameau. Ein besonders behutsames gegenseitiges Gespür zwischen dem Solisten und den beteiligten Orchestern ist kein Zufall, eben weil Ferenc Kiss auch als Konzertmeister im Orchester erfahren ist.

Als Interpret jeder musikalischen Rolle gewachsen

Diese Voraussetzungen kommen auch den beiden Mozart-Interpretationen zu Gute. Vor allem das Violinkonzert KV 219 wirkt wie eine leichtfüßige Sternstunde voller Effektreichtum, der – natürlich! – im dritten Rondo-Satz seinen Höhepunkt erfährt, wo der Komponist aus seiner Vorstellung von türkischer Musik jede bisherige Formkonvention sprengt. Johan Svendsens Romanze in G-Dur beginnt mit einer guten Portion nordischer Schwermut, mündet dann aber in ein emotionales Gefühlspanorama. Auch hier wird Ferenc Kiss der Rolle, um die es geht, interpretatorisch voll gerecht – zusammen mit dem Frankfurter Rundfunkorchester wird der Himmel auf Erden gezaubert, ohne dass es je zu süßlich wird. Diese Qualität bleibt bestehen, wenn es danach sogar noch nostalgischer und schwelgerischer wird und zwar in Walter Jurmanns Filmmusik aus dem Schachtfetzen Ich will dich Liebe lehren.

Vater und Sohn im Gleichklang

Soweit Ferenc Kiss junior. Das letzte Wort in dieser Retrospektive hat der Vater, der nicht nur denselben Vornamen trägt, sondern auch dieselbe Sprache auf demselben Instrument verkörpert. Dabei wirkt dessen Spiel noch geerdeter, wo der Sohn im direkten Vergleich vielleicht stärker auf filigranen Feinsinn abonniert ist. Die tiefe menschliche Wärme im Ton ist aber der gemeinsame Nenner. Die heutige Aufnahmetechnik hat den Schallplattenaufnahmen mit Kammermusikperlen von Boris Saveljev und Moritz Moszkowski aus den 1950er Jahren zu einer beeindruckenden Klarheit verholfen.

Stefan Pieper [11.08.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
John Buckley
1Sonata for Unaccompanied Violin 00:16:44
John Williams
2Thema aus Schindlers Liste für 00:04:00
Wolfgang Amadeus Mozart
3Konzert Nr. 5 A-Dur KV 219 für Violine und Orchester 00:29:10
6Adagio E-Dur KV 261 00:08:59
Johan Severin Svendsen
7Romanze op. 26 für Violine und Orchester 00:07:35
Walter Jurmann
8Tränen in der Geige (Violinsolo aus dem Film "Ich will dich Liebe lehren") 00:05:29
Boris Saveljev
9Valse 00:04:23
Moritz Moszkowski
10Guitare op. 45 Nr. 2 00:03:25

Interpreten der Einspielung

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