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CD-Besprechung

Rautavaara

Lost Landscapes
Works for Violin and Orchestra

Ondine ODE 1405-2

1 CD • 58min • 2021

23.04.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Einojuhani Rautavaara (1928-2016) gilt innerhalb der erstaunlichen Zahl finnischer Komponisten mit Weltgeltung als der wahrscheinlich bedeutendste nach Jean Sibelius. Nach neoklassizistischen Anfängen und der fast unausweichlichen Beschäftigung seiner Generation mit dem Serialismus – sehr intensiv zwischen 1957 und 1965 – wurde Rautavaara ab etwa 1970 zur Symbolfigur einer neo-romantischen Strömung. Zwar spielten immer wieder auch Reihen in seiner Musik eine gewisse Rolle, aber tonale Bezüge und oft üppiger Schönklang – speziell in der Orchestermusik – faszinieren seitdem die Hörerschaft; vieles erinnert dabei an Alban Berg.

Spätwerke für Violine und Orchester

Neben 8 Symphonien und mehreren Opern fußt Rautavaaras internationaler Erfolg nicht zuletzt auf etlichen Solokonzerten. Nach einer lebensbedrohlichen Aortendissektion 2004 erholte sich der Komponist zwar wieder, kehrte allerdings nicht mehr zu den ganz großen Formen zurück. Trotzdem ging er auf die zahlreichen Anfragen gerade berühmter Geigerinnen ein; und so finden sich in seinem Spätwerk drei weitere Werke für Violine und Orchester, die hier erstmals gemeinsam auf einer CD zu hören sind. Die Fantasia von 2015 ist Anne Akiko Meyers gewidmet. Das zwölfminütige Stück folgt erwartungsgemäß einer eigenen Logik und überzeugt durch musikalischen Tiefgang und exquisite Instrumentierung, ohne sich emotional zu echauffieren.

Serenaden in der Orchestrierung Kalevi Ahos

Auf Anfrage Hilary Hahns entstanden die beiden Serenaden, deren Orchestrierung Rautavaara aber bis zu seinem Tod nicht mehr vollenden konnte. Dies übernahm posthum sein ehemaliger Schüler Kalevi Aho (Jg. 1949), mittlerweile einer der produktivsten Komponisten Finnlands. Die erste Serenade – nur mit Streicherbegleitung – greift auf zwei Chorsätze der 1970er zurück, die zweite endet heiter-optimistisch. Autobiographische Züge tragen die vier Lost Landscapes: Die ursprüngliche Fassung für Violine & Klavier (2005) wurde von Midori aus der Taufe gehoben; 2015 schrieb der Komponist diese Version mit Streichorchester. Die Stücktitel bezeichnen für Rautavaaras Entwicklung prägende Orte aus seiner Jugend – fast schon hemmungslos retrospektiv und nostalgisch. Manche Momente wirken hier beinahe so schnulzig wie Korngolds Violinkonzert, natürlich herrlich anzuhören und extrem dankbar für die Solistin.

Delikate Serenität in ausgezeichneten Händen

Außerdem hören wir auf der CD als Ersteinspielung noch die letzte vollendete Schöpfung des finnischen Meisters: In the Beginning (2015), eine Art Ouvertüre, jedoch vielleicht schon mit einer geöffneten Tür zu einer neuen Dimension. Fesselnde Neo-Romantik, die auf oktatonischen Skalen beruht. Der niederländischen Violinistin Simone Lamsma gelingt eine durchaus eindringliche Darbietung mit klanglich völlig überzeugender Beherrschung des Instruments. Sie scheut dabei keineswegs die offensichtlich vorhandene Sentimentalität von Rautavaaras Spätwerk, behält dabei aber Geschmack und die nötige Distanz. Das Malmö Symphony Orchestra unter seinem texanischen Chef Robert Trevino begleitet delikat und einfühlsam, bewahrt bei In the Beginning das Mystische, erzeugt ein geheimnisvolles Leuchten, spannend und luzid zugleich. Die Einspielung ist technisch exzellent, das Booklet informativ, ohne sich aufzublähen; eine für Ondines umfassende Rautavaara-Diskographie absolut konsequente Veröffentlichung.

Martin Blaumeiser [23.04.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Fantasia für Violine und Orchester 00:12:34
2In the Beginning 00:05:01
3Sérénade pour mon amour (vollendet von Kalevi Aho) 00:08:30
4Sérénade pour la vie (vollendet von Kalevi Aho) 00:06:24
5Lost Landscapes (Fssg. für Violine und Orchester) 00:24:03

Interpreten der Einspielung

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