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CD-Besprechung

British Music for Strings II

Granville Bantock • Christopher Wilson

cpo 5555 395-2

1 CD • 77min • 2020

21.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es mag vor allem dem Einfluss des neuen Künstlerischen Leiters und Chefdirigenten des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim, Douglas Bostock, zu verdanken sein, dass sich das Orchester nun zum zweiten Mal mit einer ausgezeichneten Aufnahme der britischen Musik widmet. Denkt man an britische Komponisten, so fallen den meisten – leider und zu Unrecht – kaum mehr Namen als John Dowland, Henry Purcell und Edward Elgar ein. Nachdem bereits im Oktober vergangenen Jahres eine erste Aufnahme mit Streicherwerken aus der Feder britischer Komponisten bei cpo erschien, haben das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim und Douglas Bostock nun die zweite Aufnahme der Serie herausgebracht. Diese beinhaltet Werke der beiden Komponisten Christopher Wilson (1874-1919) und Sir Granville Bantock (1868-1946). Wilson galt als ein Musterschüler an der Londoner Royal Academy of Music. Durch ein Stipendium war es ihm möglich, zu Studienzwecken nach Köln, Berlin und Paris zu gehen. Während seines Studienaufhalts erhielt Wilson Einblicke in die Opernwelt und machte nach seiner Rückkehr nach England in der Londoner Theaterwelt Karriere. Dabei untermalte er vor allem die Stücke Shakespeares mit Musik. Während seines Aufenthalts in Paris entstand die Suite für Streichorchester, die die Pforzheimer hier eingespielt haben. Mit den sechs tänzerischen kurzen Sätzen, die an die Suitenform Bachs angelehnt war, war diese Suite 1901 etwas Neues. Bei dem vermutlich Bach’schen Vorbild wundert es auch nicht, dass das Werk sehr harmonisch und klassisch klingt. Das Ensemble unter der Leitung von Bostock setzt das sehr unterhaltsame Werk leichtfüßig um und spielt dabei ausgesprochen grazil und transparent.

Eine wirkliche Neuentdeckung für Freunde der britischen Musik

Etwas tiefgründiger als Wilsons spielerisches Jugendwerk klingt dann doch Bantocks Serenade In the Far East. Bantock machte sich im späten 19. Jahrhundert einen Namen, als er in Liverpool ein Orchester aufbaute, das sich vornehmlich der Pflege britischer Musik widmete. 1912, auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, entstand als Auftragswerk die Serenade, die das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim hier eingespielt hat. Sie basiert auf dem Entwurf zu einem Streichquartett. Der Beiname des Werks bezieht sich auf eine Reise Bantocks nach Amerika, wo er Volksweisen hörte, die er nun in dem viersätzigen Werk zitiert. Obschon auch bei dieser Aufnahme ein eher überschaubar besetztes Kammerorchester agiert, wird die Serenade mit der gewünschten Klangfülle und Tiefe umgesetzt. Bantock selbst zeigte sich nach der Uraufführung, die er selbst dirigiert hatte, überrascht über die eigentlich eher symphonischen Klänge seines Stücks. Mit unverwechselbaren Klängen beschließt das Südwestdeutsche Kammerorchester unter Bostock seine CD mit britischen Werken. Bantock, der seinerseits schottische Wurzeln hatte (und übrigens mit Überzeugung auch den Tartan seines Clans trug), ließ die doch sehr charakteristischen Melodien der schottischen Weisen immer wieder auch in seine Werke einfließen. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist seine Streichersuite Szenen aus den schottischen Highlands. Zu den hier verwendeten Melodien schrieb Bantock selbst: „Es handelt sich dabei um eine Gruppe typisch schottischer Melodien, die lediglich für Streicher gesetzt sind, meiner Meinung nach aber die atmosphärische und ethnische Umgebung ihrer Heimat darstellen.“ Wie sehr dies stimmt, wird bereits im ersten Satz klar, den das Ensemble hier energisch umsetzt. In der folgenden Totenklage überzeugen vor allem die Solisten, während im Folgesatz das ganze Orchester wieder handfest und virtuos zum Tanz auffordert. Während der vorletzte Satz mit der Melodie eines traurigen Wiegenlieds richtig zu Herzen geht, ist das abschließende Reel Devil among the Tailors ein echter Rausschmeißer, den die Pforzheimer pfiffig, wenn auch punktuell fast zu genau im Takt umsetzen. Man darf sich auf jeden Fall auf die nächsten Neuentdeckungen britischer Musik freuen.

Verena Düren [21.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Christopher Wilson
1Suite for String Orchestra 00:24:53
Granville Bantock
7Serenade for String Orchestra (In the Far West) 00:32:17
11Scenes from the Scottish Highlands (Suite für Streicher) 00:19:15

Interpreten der Einspielung

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