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CD-Besprechung

Trio Montserrat

German Counterpoint

Aldilà Records ARCD 014

1 CD • 70min • 2020

13.03.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mehrheitlich vollkommen unbekannte Werke sind es, die auf dieser CD versammelt sind, eingespielt von Joel Bardolet (Violine), Miquel Córdoba (Viola) und Bruno Hurtado (Cello) als Trio Montserrat. Dies gelingt den Musikern derart, dass die Musik nachvollziehbar wird in ihrer überzeugenden Tonsprache. Sie erklingt als „emotionale Intelligenz“, als Inbegriff von Tonalität, und deren unverbrauchte Kraft erweist sich hier durch mehrere Glanzpunkte des Streichtriorepertoires des 20. Jahrhunderts einmal mehr als von historisch größerer Reichweite als im zurückliegenden Jahrhundert mancherorts (Wiener Schule, Darmstädter Nachkriegs-Ideologie) angenommen.

In manchen Augenblicken ist es auf dieser CD so, als höre man der Musik begnadeter Komponisten selbst zu, als lauschte man einem „unbewegten Beweger“, der, weil er selbst nicht störend ins Gewicht fällt, frei ist für allseitige Bewegungen und Empfindungen...

Die Facetten dieser Höhe wirken gleichermaßen „empfunden“ strukturell und „formgeführt“ – sei es im Ernst (Tr. 7), lyrisch leicht (Tr. 8), in einem magischen Adagio (Tr. 9), welches nicht im Tiefsinn verharrt, sondern Flügel entwickelt zum Abheben, späterhin humorig (Tr. 10) oder einfach nur herrlich (Tr. 11).

Kompositorische Meisterschaft

Allein die kompositorische Meisterschaft und ganz und gar umwerfende Ausdruckskraft der in den 1930ern entstandenen Musik Heinz Schuberts, aber auch das Streichtrio (Rhapsodie und Notturno) des Kaminskischülers R. Schwarz-Schilling aus dem Jahr 1983 bilden die tiefe Rechtfertigung dieser CD. Die kontrapunktischen Finessen des Draeseke-Schülers Paul Büttner nehmen die Zuhörenden für sich ein, so dass sich das Prädikat „äußerst wertvoll“ anböte oder andere Superlative für hohe kammermusikalische Qualität. Die Interpreten zu loben käme einem ‚Eulen nach Athen Tragen’ gleich: Aufeinander hörend, aufeinander eingespielt, formstark und über weite Strecken proportioniert gestaltend und doch mit einer Spontaneität, wie man sie sich von einer Kammermusikbesetzung wünscht (gewiss gehört die Gattung Streichtrio zu den für die Musizierenden anspruchsvollsten).

Großartige Wiederentdeckung

Die ersten zwanzig Minuten der CD dienen geistigen Einschwingungsvorgängen in kontrapunktischem Gold: W.A. Mozarts Arrangements dreier Bach-Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier, vom Arrangeur (1782) jeweils mit langsamen Einleitungen versehen. Am Ende der CD bieten die Musiker in der 70. Spielminute noch einen pädagogisch wertvollen „Zeitlupen“-Blick in die „hochverdichtete Harmonik“ Heinz Schuberts. Hiermit geben sie den Zuhörenden zum Beispiel auch die Möglichkeit, darüber nachzusinnen, ob Arnold Schönberg nicht recht hatte, wenn er klingende Vertikale und die Horizontale als einen im Grunde einheitlichen Raum auffasste, welcher außerhalb der chronologischen Zeit steht. Doch auch ohne so eine „transrationale“ oder paradoxe Überlegung: Heinz Schuberts Trio gehört für mich zu den großartigsten Entdeckungen der letzten Jahre.

Und die Einrahmung des Ganzen durch die Booklet-Ausführungen des Ideengebers und Produzenten Christoph Schlüren? Seine nunmehr über Jahrzehnte bewährte, phänomenologisch fundierte Kompetenz, wohltuende Klarheit und seine den umfänglichen Begleittext immer wieder durchwärmende gedankliche Beseelung vereinen kognitive Meisterschaft, Informationsrelevanz und Geschichtsbewusstsein mit menschlichem Ethos.

Dr. Matthias Thiemel [13.03.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Adagio und Fuge KV 404a (nach J.S. Bach BWV 853) 00:08:32
3Adagio und Fuge KV 404a (nach J.S. Bach BWV 583) 00:06:09
5Adagio und Fuge KV 404a (nach J.S. Bach BWV 882) 00:05:38
Paul Büttner
7Triosonate für Streichtrio (Kanons mit Umkehrungen im doppelten Kontrapunkt der Duodezime) 00:16:16
Heinz Schubert
14Kammersonate für Streichtrio 00:21:12
Reinhard Schwarz-Schilling
17Streichtrio 00:10:11

Interpreten der Einspielung

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