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CD-Besprechung

British Music for Strings I

cpo 555 382-2

1 CD • 71min • 2020

09.12.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Auf dem Titelblatt dieser Veröffentlichung von Douglas Bostock und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim steht eine römische I, was erwarten lässt, dass hier eine mehrere Folgen umfassende Anthologie britischer Musik für Streichorchester in Angriff genommen wird. Ein solches Vorhaben wäre in der Tat löblich, denn die entsprechende Literatur ist reichhaltig und bietet außerdem noch genügend Möglichkeiten, Schätze zu heben, die bislang keine angemessene diskographische Repräsentation gefunden haben.

Repertoirebereicherung

Das Programm zu vorliegender Scheibe scheint Bostock geradezu in diesem Sinne zusammengestellt zu haben, denn gleich zwei Werke erscheinen hier (soweit mir bekannt) erstmals auf CD. Die 1943 entstandene Symphony for Strings von Gordon Jacob ist eine echte Repertoirebereicherung. Das 22-minütige Werk, dessen Verlauf sich von einem zerklüfteten Kopfsatz über ein introvertiertes Adagio mit Solo-Violine und ein lebhaftes, streckenweise fugiertes Finale erstreckt, steht mit seiner modal getönten Melodik und der Vorliebe für kontrapunktischen Satz gleichermaßen in der Tradition der „pastoralen“ Folkloristen wie der „Tudor Renaissance“. Eine Entdeckung anderer Art stellt Swinnerton's Dream dar: So heißt (nach dem Widmungsträger des Originals) Edward Elgars wohlbekannte Orgelsonate op. 28 in Hans Kunstovnys Übertragung für Streichorchester aus dem Jahr 2006. Es ist erstaunlich, wie gut sich das Werk in dieser Gestalt ausnimmt, zumal der Bearbeiter nur wenig selbst hinzugefügt hat. Man kann Kunstovny nur wünschen, dass die von ihm dem Repertoire hinzugewonnene Streichersymphonie bei allen Ensembles auf Interesse stößt, die Elgars Serenade und Introduction and Allegro schätzen. An den Beginn der Vortragsfolge hat Bostock mit Hubert Parrys English Suite ein Werk gestellt, das sich seiner eingängigen Melodien und kunstvollen Schlichtheit wegen bei Streichorchestern in aller Welt anhaltender Beliebtheit erfreut.

Gute Voraussetzungen – blasse Umsetzung

Mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester steht Bostock ein ausgezeichnet disponierter Klangkörper zur Verfügung. In technischer Hinsicht müssen die Musiker keine Herausforderungen scheuen, sie spielen sauber und folgen diszipliniert ihrem Kapellmeister. Würde dieser sich doch nur nicht mit bloßen Referaten des Notentextes zufrieden geben! Anders kann ich es mir nicht erklären, dass die Wirkung der Aufführungen angesichts so guter Voraussetzungen so schwach bleibt. Es fehlt einfach weitgehend an einer sorgfältigen Herausarbeitung der melodischen Linien. Die drei eingespielten Kompositionen zeugen in jedem Takt für die kontrapunktische Beschlagenheit ihrer Verfasser, auch dort, wo diese „einfach“ schreiben. Nehmen wir die Suite Parrys, der offensichtlich die Orchestersuiten Händels mit ihren volkstümlichen Tanzsätzen als Vorbilder dienten: Wie bei Händel finden sich schlichte, aber kontrapunktisch perfekte Bässe, die gegenüber der jeweiligen Oberstimme ein melodisches Eigenleben führen. Das lohnt sich hervorzuheben! Vor allem in der Sarabande hätte man gut darstellen können, wie Bass und Melodie einander durch Auf- und Abbau von Dissonanzen gegenseitig vorantreiben und auf diese Weise lange Spannungsbögen entstehen. Bostock lässt dagegen nur allzu oft von der einen Taktzählzeit zur nächsten musizieren; die Stimmen laufen nebeneinander her, scheinbar ohne voneinander Kenntnis zu haben – bei solcher Herangehensweise würde auch Händel blass wirken. Dieser Mangel bei der Darbietung melodischer Verläufe wird besonders dann spürbar, wenn Sequenzen oder rhythmisch gleichmäßig gestaltete Passagen erklingen (etwa im Intermezzo und Finale der Sonate Elgars).

Somit muss man zusammenfassend über diese CD leider sagen, dass die Qualität der Ausführung bei weitem nicht an die der Idee heranreicht. Alle vorgestellten Kompositionen wirken seltsam leichtgewichtig, schwunglos und schwach konturiert. Es liegt nicht an Parry, Elgar und Jacob.

Norbert Florian Schuck [09.12.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles Hubert Hastings Parry
1An English Suite 00:23:26
Edward Elgar
8Orgelsonate G-Dur ("Swinnerton's Dream", Bearb. für Orchester Hans Kustovny) 00:25:01
Gordon Jacob
12A Symphony for Strings 00:22:29

Interpreten der Einspielung

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