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CD-Besprechung

Caprice Brillant

Catherine Gordeladze Piano

Antes BM319306

1 CD • 76min • 2019

09.07.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Capriccios oder Capricen sind musikalische Formate, in denen sich Komponisten die Freiheit nehmen, zu sich selbst zu kommen – losgelöst von allen Zeitkonventionen oder von den Vorgaben irgendwelcher Auftraggeber. Die Tonschöpfer nahmen sich ganz unterschiedliche Freiheiten: Mal ging es um die subjektive Innenschau, wie im Falle von Johann Sebastian Bachs nachdenklich-tiefschürfendem Capricio auf die Abreise des geliebten Bruders. Natürlich geht es um satztechnische Freiheiten und Finessen aller Coleur. Es werden auch mal Fenster zum Jazz aufgestoßen, wie es Nikolai Kapustin in seinem berühmten Capriccio lustvoll zelebriert.

Vielschichtige Gesamtschau

Die Pianisten Catherine Gordeladze hat auf ihrer neuen CD eine vielschichtige Gesamtschau auf dieses, sich gerne zwischen alle Stühle setzende Format gewagt. Um es vorweg zu nehmen: Unter den Händen dieser aus Georgien stammenden, heute in Deutschland lebenden Interpretin lebt ein hellwaches, zugleich ernsthaft nachforschendes, extrem souveränes Potenzial.

Bachs Capriccio BWV992 überrascht durch diese, getragene, persönlich-subjektive Diktion, vor allem, wenn Catherine Gordeladze dies einfühlsam heraus arbeitet und sich vor zu viel Extrovertiertheitet hütet. Nikolai Kapustins Capriccio ist ein beliebtesm zugleich vehementes Statement gegen willkürliche Grenzziehungen zwischen „U- und E-Musik“. Diese Pianistin erweist sich hier wie der Fisch im Wasser, wird zur echten Jazzpianistin mit hervorragender Gabe, dramaturgisch die einzelnen Abschnitte von Swing, Ragtime, Boogie Woogie in konturenscharfen Rhythmus- und Dynamikwechseln auszudifferenzieren.

Experimentierfreudiges Spieltemperament

So viel Spieltemperament und energische Konsequenz nähren höchste Erwartungen in Bezug auf ein weiteres einschlägiges Bravourstück: Beethovens Rondo Capriccio auch genannt Die Wut über den verlorenen Groschen. Mit straffem Tempo geht es sofort hinaus auf die Überholspur. Perkussiv prasseln die Tonrepetitionen, blitzen Motive auf, aus denen sich die ausgelassene aufsteigende Melodie herausschält. Regelrecht zeitgenössisch wird es, wenn Catherine Gordelaze bewusst unkonventionell verschiedene Dissonanzreibungen grell heraus stellt. War Beethoven vielleicht doch ein verkappter Jazzer? Auf jeden Fall ist der Jubilar des Jahres 2020 mit diesem genial-unterhaltsamen Stück seiner Zeit voraus – was diese Interpretin erfahrbar macht.

In noch vielen weiteren Facetten entfalten sämtliche hier präsentierte Komponisten mannigfaltigen, virtuosen, empfindsamen wie experimentierfreudigen Ideenreichtum. Auch Leopold Godowski, Muzio Clementi, Moritz Moszkowski, Alfred Jaell und Franz Liszt verleiht diese universell begabte Pianistin eine starke, immer wieder überraschende Stimme. Ebenso kein Wunder ist, dass sich Catherine Gordeladze und Felix Mendelssohn-Bartholdy als ideale Kombination in Sachen musikalischer Eloquenz erweisen. Spektakulär ist der Drive, den die Georgierin dem Scherzo aus den Trois Fantasieies ou Caprices op. 16 entlockt...

Stefan Pieper [09.07.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Capriccio über die Abreise des geliebten Bruders B-Dur BWV 992 00:09:43
Leopold Godowsky
7Capriccio (Le Caquet, nach François Dandrieu aus Freie Bearbeitungen alter Meisterstücke Band II Nr. 11) 00:02:34
Nikolai Kapustin
8Capriccio op. 71 00:09:55
Muzio Clementi
9Capriccio Nr. 1 B-Dur op. 17 00:07:39
Ludwig van Beethoven
10Rondo a capriccio G-Dur op. 129 (Die Wut über den verlorenen Groschen ) 00:06:08
Felix Mendelssohn Bartholdy
11Trois Fantaisies ou Caprices op. 16 00:12:04
Moritz Moszkowski
14Caprice espagnol op. 37 00:07:31
Alfred Jaëll
15Caprice Brillant sur La Traviata op. 63 (nach Giuseppe Verdi) 00:05:11
Franz Liszt
16Réminiscences de "Lucia di Lammermoor" 00:07:14
17Ungarische Rhapsodie Nr. 8 fis-Moll (Capriccio) 00:08:03

Interpreten der Einspielung

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