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CD-Besprechung

Komponistinnen

Kyra Steckeweh

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2 CD • 1h 30min • [P] 2019

25.03.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Vier Komponistinnen, vier Lebensschicksale und eine mutige Interpretin von heute: Mit Konsequenz widmet sich Kyra Steckeweh auf ihrer Doppel-CD der Musik und der sozialen Wirklichkeit von Komponistinnen. Sie will damit in erster Linie deren Musik von beachtlicher Qualität rehabilitieren. Dass dies auch Schlaglichter auf die soziale Situation von Komponistinnen in ihrer Zeit legt, ergibt sich als Begleiteffekt.

Kyra Steckeweh, die heute in Freiburg an der Musikhochschule lehrt, spielt mit großer Empfindung und aus einer tiefen inneren Ruhe heraus. Ihr ist auch an den Geschichten hinter der Musik gelegen, an Bildern, die daraus hervor gehen. So ging dieser CD-Veröffentlichung ein ambitioniertes Filmprojekt zusammen mit dem Berliner Filmemacher Tim van Beveren voraus, in dem die Schöpferinnen der hier aufgenommenden Musik portraitiert wurden.

Komponistin mit Charakterstärke

Den Anfang macht die französische Komponistin Mel Bonis, die im kleinbürgerlichen Milieu groß wurde, eigentlich Melanie hieß, diesen Vornamen aber ändern ließ, damit sie nicht jeder sofort als komponierende Frau erkannte. So eng die Verhältnisse oft waren, so riesig war das Talent der auf dieser CD portraitierten Tonschöpferinnen. Mel Bonis kämpfte für einen Studienplatz am Pariser Konservatorium. Als sie sich in einen seelenverwandten Studienkollegen verliebte, wurde die ersehnte Heirat von den Eltern verhindert, welche die Tochter in eine andere Ehe hineinzwangen. Wie hungrig sie dennoch blieb, sich auszudrücken demonstriert Kyra Steckewehr hier in einem Zyklus von Charakterstücken.

So zeitlos, so frei, so offen entfaltet sich unter Kyra Steckewehs Händen diese Tonsprache voller französischer Eleganz, die manchmal ganz zart den Impressionismus vorweg zu nehmen scheint, aber wo auch die Subjektivität der Romantik lebt und vor allem viele aufgestaute Emotionen frei werden. Diese Komponistinnen wollten leben! Kyra Steckewehr lässt deren Musik und auch die anderer Kolleginnen auf diesem Tonträger befreit im Heute atmen.

Begabte Schwestern

Lili Boulanger kennt man kaum noch, wohl aber deren jüngere Schwester Nadja, für die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts alle Wege offen standen und die eine der einflussreichsten Musikpädagoginnen wurde. Auch Lili war mit großem Talent gesegnet. Das beweist jener hellwache Esprit, welche den geneigten Hörer heute anspringt, wenn Kyra Steckeweh einen großen Variationenzyklus zum Leuchten bringt. Kompositorisch auf der Höhe der Zeit war diese Frau, deren Stern durch einen krankheitsbedingt sehr frühen Tod allzu früh verglühte, allemal.

Auch im 19. Jahrhundert war eine komponierende Frau selbst in gebildeten Kreisen nicht vorgesehen. Felix Mendelssohn-Bartholdy selbst sprach sich gegen eine Drucklegung der Werke seiner Schwester Fanny Hensel aus. Erst kurz vor ihrem Tod fasste diese den Mut, einige ihrer vielen Werke zu publizieren. Dass es die Musik der verkannten Schwester ohne weiteres mit der Strahlkraft und Eloquenz der Schöpfungen ihres gefeierten Bruders aufnehmen kann, das demonstriert Kyra Steckweh in der großen Klaviersonate g-Moll, die sie organisch fließen lässt, dabei auch viele Räume aufzeigt für imaginäre Geschichten.

Klug gewählt ist die Kombination dieser Komponistinnen, in dem Kyra Steckeweh auch eine Antithese aufstellt: Emilie Mayer hingegen konnte sich in der weltoffenen Kultur Berlins künstlerisch entfalten. Entsprechend entspannt in sich ruhend, aber auch von schwelgerischer Lebenslust durchdrungen wirkt es, wie Kyra Steckweh auch in dieser Sonate eine Botschaft transportiert, die über die komponisten und gespielten Noten weit hinaus geht.

Stefan Pieper [25.03.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mélanie Bonis
1Femmes de Légende
Lili Boulanger
8Thème et variations
CD/SACD 2
Fanny Mendelssohn-Hensel
1Klaviersonate g-Moll
Emilie Mayer
5Klaviersonate d-Moll

Interpreten der Einspielung

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