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CD-Besprechung

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Works for Piano solo by Dora Pejačević, Sophie Westenholz & Ethel Smyth

Kaleidos KAL 6355-2

1 CD • 61min • 2020

01.10.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Man lernt nie aus als immer neugieriger Musikliebhaber. Die Pianistin Kyra Steckeweh gibt dieser Neugier reichlich Nahrung mit ihrer CD, die Klavierwerke dreier Komponistinnen präsentiert, deren Namen nahezu nie im normalen Musikleben auftauchen. Diesen Pianistinnen hat sie auch einen mit dem Opus-Klassik-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm gewidmet: eine Pionierin der Pianistinnen.

Eine mecklenburgische Zeitgenossin Mozarts

Sophie Westenholz (1759-1838) war Sängerin, Klavier- und Glasharmonikaspielerin, Dirigentin und auch Komponistin. Gern führte sie Werke ihres Zeitgenossen Mozart auf. Geboren wurde sie in Neubrandenburg und lebte meist in Schwerin und auf Schloss Ludwigslust, wo sie als Sängerin, Klavierspielerin und Leiterin der Hofkapelle amtierte. Zahlreiche Konzertreisen führte sie durch Deutschland. Elf Klavierwerke sind von ihr überliefert.

Die Sonate c-Moll beginnt und endet stürmisch und virtuos, dazwischen steht ein harmlos-heiterer Adagio-Satz. Mit großer Eleganz, Sorgfalt, kräftigem Brio spielt Steckeweh diese Sonate voller Empfindungen, überraschenden Wendungen und rauschenden Läufen. Zum ersten Mal erscheint diese Sonate auf einer CD.

Sonate mit Herzklopfen

Ethel Smyth (1858-1944) ist eine der interessantesten Frauen ihrer Zeit: Mit einem Hungerstreik erzwang sie von ihrer englischen Familie, dass sie in Deutschland Komposition studieren durfte. Dort lernte sie Johannes Brahms, Elisabeth von Herzogenberg und Peter Tschaikowski kennen. Ihre Werke wurden von Bruno Walter geschätzt und von George Bernard Shaw gefördert. Später kämpfte sie als Sufragette und wurde mit autobiografischen Werken berühmt, in denen sie ihr stürmisches Leben erzählt. Sie liebte Frauen mehr als Männer und war häufig in komplizierte Beziehungen verstrickt.

Als sie die Sonate cis-Moll, genannt Geistinger-Sonate, komponierte, war sie heftig verliebt in die Schauspielerin Marie Geistinger, die damals sehr bekannte „Königin der Operette“. Nach dem ersten Treffen mit Marie Geistinger komponierte sie diese Sonate, die wie Programmmusik wirkt, so sehr, dass auch das Treppensteigen und ihr Herzklopfen vor der Tür beschrieben wird. Und in der Tat herrscht hier ein großer Leidenschaftswille, ein dauernder emotionaler Aufschwung, geradezu Dauer-Herzrasen. Mit großer Lust wirft sich Kyra Steckeweh in diesen Liebessturm und wühlt sich geradezu in die Liebeswirren hinein.

Ein weiblicher kroatischer Mozart

Dora Pejačević wurde 1885 in eine kroatische Adelsfamilie geboren, wuchs auf dem Familienschloss in Našice auf, bekam eine gründliche musikalische Ausbildung, war literarisch sehr interessiert und hatte berühmte Bekannte wie Karl Kraus und Rainer Maria Rilke. Bis zu ihrem Tode 1923 lebte sie nach dem 1. Weltkrieg zumeist in München. Sie hinterließ ein umfangreiches Œuvre, fast die Hälfte davon ist für Klavier geschrieben. Wegen ihrer raffinierten Harmonik wird sie dem Fin-de Siècle-Stil zugerechnet und oft mit Rachmaninow verglichen. „In ihrer Heimat ist Dora Pejačević mindestens so bekannt wie Mozart“, schreibt Kyra Steckeweh im Booklet.

Der inneren Erregtheit, „großen Expressivität und Spannung“ (so Steckeweh im Booklet), die die Sonate b-Moll op. 36 prägen, die auch im eigentlich ruhigeren Andante nachzittern, spürt Steckeweh sehr anteilnehmend nach, das unruhige Energisch-Resolute im Rondo gestaltet sie mit großer Kraft. Man würde es allen drei Klaviersonaten wünschen, dass sie öfter auf den Programmen der Pianisten stehen.

Rainer W. Janka [01.10.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dora Pejačević
1Klaviersonate b-Moll op. 36 00:21:40
Sophie Westenholz
4Klaviersonate c-Moll 00:19:16
Ethel Smyth
7Klaviersonate Nr. 2 cis-Moll 00:19:38

Interpreten der Einspielung

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