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CD-Besprechung

Hans Gál

Das Lied der Nacht

cpo 555 186-2

2 CD • 2h 17min • 2018

14.01.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Hans Gál (1890-1987) teilt das Schicksal vieler jüdischer Komponisten seiner Generation: Unter Hitler von den Spielplänen verbannt, nach dem Krieg dann mit dem Verdikt des Rückständigen belegt und endgültig aus dem Bewusstsein der Musikfreunde verschwunden. Seine dritte Oper Das Lied der Nacht kam erst vor kurzem wieder ans Licht. Es ist das große Verdienst des Osnabrücker Theaters, es durch eine engagierte und qualitätvolle Interpretation als zu Unrecht vergessenes Meisterwerk kenntlich gemacht zu haben.

Am 24. April 1926 kam die Oper am Stadttheater Breslau erstmals heraus, genau einen Tag vor der posthumen Uraufführung von Puccinis Turandot an der Mailänder Scala. Eine merkwürdige Koinzidenz, denn es gibt auffällige Parallelen in den Sujets, die reiner Zufall sein mögen. Auch in Gáls Oper steht eine Prinzessin im Mittelpunkt, die sich der Vermählung verweigert. Der Librettist Karl Michael von Levetzow siedelt die Handlung in einem märchenhaften sizilianischen Königreich an. Seit Monaten ist der Thron verwaist, Chaos und Bürgerkrieg drohen. Die junge Prinzessin Lianora wird von allen Seiten bedrängt, einen Mann zu nehmen, der die Regierung übernimmt und wieder Ordnung schafft. Sie aber weist alle Kandidaten ab, da sie Ekel empfindet vor dem „fremden Tier“ namens Mann. Sie will lieber ins Kloster gehen, doch die Äbtissin rät ihr, sie solle in ihre „Nacht“ hören, das bedeutet: sich zu ihrer Sexualität bekennen. Seit längerem ist sie der Stimme eines namenlosen Sängers verfallen, die jede Nacht an ihr Ohr dringt. Ihn ist sie schließlich bereit, als Gatten zu akzeptieren. Doch als sie ihn dem Volk als neuen König präsentieren will, muß sie in ihm ihren Bootsmann Ciullo erkennen. Der Skandal ist perfekt. Ciullo entzieht sich dem Volkszorn, indem er sich ersticht. Lianora geht schließlich doch noch ins Kloster.

Gáls Musik, die bei ihrem ersten Erscheinen als modern empfunden wurde, wirkt aus heutiger Sicht eher traditionsverhaftet, aber zeigt dabei durchaus eine eigene Handschrift. Der Romantizismus wird nie schwülstig. Brahms, nicht Wagner war Gáls musikalische Leitfigur. Dabei beweist er aber gerade in dieser Oper einen ausgeprägten Theatersinn. Das zweite Bild vor allem enthält hochkarätige Musik. Mit einer reichen instrumentalen Farbpalette und subtiler Harmonik wird der Zauber einer sommerlichen Mondnacht beschrieben, die Stimmen der Liebenden vereinen sich und bleiben zugleich in Distanz - eine neue Variante von Tristan und Isolde.

Die Aufführung in Osnabrück versteht es, diesen Klangzauber zu lösen, was zuvörderst ein Verdienst des jungen und hochbegabten Dirigenten Andreas Hotz ist, der das Osnabrücker Symphonieorchester zu sensiblem, die Stimmungen fein ausdifferenzierendem Spiel anleitet. Unter den Sängern ragt die chinesische Sopranistin Lina Liu als Lianora hervor, deren ausdrucksstarker Zwischenfachsopran Klangqualität mit prägnanter Textgestaltung verbindet. Der Tenor Ralph Ertel bietet eine musikalisch und technisch tadellose Leistung, allerdings fehlt ihm für den Part des namenlosen Sängers das vokale Charisma. Das restliche Ensemble macht dem Osnabrücker Haus durchaus Ehre. Es handelt sich bei dieser cpo-Veröffentlichung übrigens nicht um den Mitschnitt der Premiere, die im Deutschlandfunk gesendet wurde, sondern um eine unter Studio-Bedingungen im Europasaal der Osnabrückhalle produzierte Aufnahme vom März vergangenen Jahres.

Ekkehard Pluta [14.01.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Gál
1Das Lied der Nacht op. 23 (Dramatische Ballade in drei Bildern) 02:17:07

Interpreten der Einspielung

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