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CD-Besprechung

Recordare Venezia

Recordare Venezia

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.04.17

Klassik Heute
Empfehlung

LAWO LWC1114

1 CD • 65min • 2016

Die 1985 in Oslo geborene Blockflötistin und Cembalistin Ingeborg Christophersen ist mit ihrer beeindruckenden Liste an Preisen und Auszeichnungen sowie zahlreichen prominenten Konzertauftritten inzwischen eine feste Größe der Alte-Musik-Szene Norwegens und weit darüber hinaus.

Im Fokus ihrer neuesten CD „Recordare Venezia“ mit dem Ensemble Barokkanerne steht Barockmusik aus der italienischen Lagunenstadt, die zur damaligen Zeit zu den wichtigsten und stilbildenden europäischen Musik- und Kunstzentren gezählt werden muss. Viele der bedeutendsten Komponisten, Musiker und Bildenden Künstler der Renaissance und des Barocks wirkten in Venedig: Es ist die Stadt Tizians und Canalettos, die künstlerische Heimat Claudio Monteverdis, Biagio Marinis, Antonio Vivaldis und Baldassare Galuppis, um nur einige wenige zu nennen. Selbst das künstlerisch so grell-bunte Zwanzigste Jahrhundert ließ sich von der einzigartigen Aura dieser Stadt inspirieren: hier spielt Benjamin Brittens späte Meister-Oper Death in Venice (nach der gleichnamigen Novelle Thomas Manns).

Der Titel der CD beinhaltet ein Wortspiel: „Erinnere dich, Venedig!“ könnte man den Titel aus dem Lateinischen übersetzen, aber auch die englische Bezeichnung der Blockflöte (recorder) klingt darin an – und er Name ist Programm: Dramaturgisch geschickt fungieren drei virtuose Blockflötenkonzerte bzw. -sonaten Antonio Vivaldis als tragende Säulen zu Beginn, in der Mitte und zum Schluss, zwischen denen sich weitere Kompositionen des Früh-, Hoch- und Spätbarocks gruppieren – eine schillernde Vielfalt von Formen, Stilen und Stimmungen entfaltet sich hier vor dem Hörer.

„Recordare Venezia“ ist also keine reine Blockflöten-CD, obschon das Instrument einen zentralen Stellenwert in der Aufnahme einnimmt. Ingeborg Christophersen und den Barokkanerne geht es ganz offenbar um mehr: Zu den Blockflötenwerken gesellen sich auch einige reine Streicherwerke (wie etwa die Kompositionen Galuppis, Castellos, Legrenzis und Marinis Passacaglio) bzw. interessante Mischungen, die die Blockflöte in der kammermusikalischen Kombination mit Violine oder Fagott präsentieren.

Die Eckpfeiler des Programms bilden zwei der beliebtesten Blockflötenkonzerte Antonio Vivaldis. Zunächst Il Gardellino (Der Distelfink) aus Vivaldis 1728 in Amsterdam erstmals veröffentlichter Sammlung von sechs Flötenkonzerten op. 10. Ursprünglich zwar nicht für die Blockflöte gedacht, bietet sich aber der flauto dolce als besonders geeignetes Instrument für dieses Konzert an, war die Blockflöte von jeher immer auch mit der Imitation von Vogelgesang konnotiert (etwa in Opernarien und Kantaten).

Besonders gefällt mir Christophersens natürliche Musikalität, ihre differenzierte Artikulation und lebendige Ornamentik, die niemals in Manierismen verfällt; ebenso das elegant fließend-schwingende Tempo des Mittelsatzes. Hervorhebenswert scheint mir aber vor allem der wunderbare, ausgezeichnet balancierte Gesamtklang des Ensembles. Alles Gesagte trifft gleichermaßen auch auf das die CD beschließende Flautino-Konzert RV 444 zu, das brillante Virtuosität mit fein ausgekosteter Klanglyrik verbindet.

Einmal mehr weiß Christophersen in Vivaldis für beide Soloinstrumente haarsträubend virtuoser Triosonate RV 86 für Blockflöte, Fagott und B.c. zu überzeugen: ihr sonorer Klang, die Noblesse und dezente Eleganz ihrer Verzierungen verleihen der Interpretation etwas ganz Besonderes.

Von den restlichen Werken der CD seien besonders Uccellinis berühmte Bergamasca für Blockflöte, Violine und B.c. ob ihrer ansteckenden Spielfreude erwähnt; desgleichen Dario Castellos aufregende Sonata nona, eine Musik, die von starken Kontrasten, abrupten Affektwechseln, Motivverzahnungen und einer sehr differenzierten Instrumentation lebt. Auch Baldassare Galuppis um 1740 entstandenes, fein gearbeitetes g-Moll-Concerto hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Das zweisprachige Beiheft (Norwegisch und Englisch) beinhaltet ausführliche Werkkommentare sowie weitere Informationen zu den Komponisten und Interpreten. Ingeborg Christophersen und das Ensemble Barokkanerne entführt den Hörer in dieser vielgestaltigen und faszinierenden Aufnahme in das barocke Venedig – mit all seinem Glanz und seiner Pracht, aber auch der charakteristischen morbiden Tristezza. Eine Empfehlung für alle Freunde der Barockmusik!

Heinz Braun [11.04.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Vivaldi Konzert Nr. 14 D-Dur op. 10 Nr. 3 RV 428 für Flautino, Streicher und Continuo (Il gardellino) 00:09:07
4 B. Marini Passacalio a quattro op. 22 (Per ogni sorte di strumento musicale diversi generi di sonate, da chiesa, e da camera) 00:06:19
5 M. Uccellini Aria Quinta sopra la Bergamasca 00:03:53
6 D. Castello Sonata IX in G (à 3. 2 soprani e fagotto) 00:07:23
7 G. Legrenzi Sonata seconda op. 10 Nr. 2 (La Cetra, a 4) 00:04:31
8 A. Vivaldi Sonata a due a-Moll RV 86 00:11:50
12 B. Galuppi Concerto Nr. 1 in G 00:08:22
15 G.P. da Palestrina Pulchra es amica mea (arr. Giovanni Bassano) 00:03:50
16 A. Vivaldi Concerto C-Dur RV 444 für Blockflöte, Tiefe Streicher und Basso continuo 00:09:13

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Barokkanerne Ensemble
Ingeborg Christophersen Leitung
 
LWC1114;7090020181264

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