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CD-Besprechung

Cantata

per flauto

TYXart TXA15060

1 CD • 73min • 2015

02.08.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Die 25-jährige deutsche Blockflötistin Tabea Debus zählt zu den erfolgreichsten Solistinnen ihrer Generation. Die vorliegende CD mit dem sprechenden Titel "Cantata per Flauto" setzt nicht allein auf die gesanglichen Qualitäten der Blockflöte, sondern bietet auch ein breites Spektrum an Werken, die direkt oder indirekt mit der menschlichen Stimme in Verbindung stehen, u.a. die instrumentale Wiedergabe originaler Vokalmusik wie etwa Purcells Evening Hymn oder van Eycks Diminutionen über Come again nach John Dowlands bekanntem Lied aus seinem First Booke of Songs and Ayres.

Wie so oft in Produktionen Alter Musik beruft man sich auch hier im Booklet explizit und wortreich auf barocke und vorbarocke Quellen, die stets die enge Verbindung von Vokal- und Instrumentalmusik sowie zur Rhetorik, der Klangrede, hervorheben.

Tabea Debus und ihr Ensemble spielen sehr professionell – aber warum hinterließ die CD bei mir dennoch keinen nachhaltigen Eindruck? Nun, zum einen liegt es am meines Erachtens nicht wirklich überzeugenden dramaturgischen Konzept, einem Potpourri von Barock-, Renaissance und zeitgenössischer Musik, der nur oberflächlich durch das Label „gesanglich“ zusammengekittet ist. Man mag dies verschmerzen, denn ganz offensichtlich handelt es sich hier um eine Präsentations-CD, die Debus’ musikalische Bandbreite in den Fokus stellen möchte. Als solches ist das in Ordnung, wenn auch nicht sonderlich originell. Was aber einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt, ist die Diskrepanz zwischen technischem Können und musikalischer Realisierung. Das meiste ist (an den Maßstäben Historischer Aufführungspraxis gemessen) „richtig“, aber dennoch wirkt es „gemacht“. Manifest wird dies bereits im langsamen Satz der eröffnenden Hasse-Sonate, dem es an klangfarblicher Vielfalt und Innigkeit des Ausdrucks mangelt. Debus verfällt hier zuweilen in den unter Blockflötisten weit verbreiteten Manierismus, sog. klangfarbenverändernde Piano-Griffe zu benutzen, jedoch ohne sie klanglich vorzubereiten. Auch die Ecksätze der Hasseschen Cantata wirken mit der (inzwischen leider ebenso weit verbreiteten) Tendenz zu einem Dauer-Sputato alles andere als cantabel.

Charavgi (Morgendämmerung) der zeitgenössischen griechischen Komponistin Calliope Tsoupaki gehört zu den häufig gespielten Werken des modernen Blockflötenrepertoires. Ob zu Recht, möge dahin gestellt sein, denn der Komponistin gelingt es nicht, mit ihrem (zugegeben) reiz- und stimmungsvollen Material ökonomisch umzugehen, was nach einiger Zeit ermüdend und vorhersehbar wirkt. Um ein Drittel gekürzt, wäre es ein attraktives Werk.

Auch in Jacob van Eycks Dowland-Adaption Come again vermisse ich bei Tabea Debus einen klanglich souveränen Umgang mit der Dynamik und Alternativgriffen. Wirklich überzeugend wirkt Debus’ Spiel in Domenico Sarros d-Moll-Konzert. Hier findet sie zu einem echten flauto dolce-Klang. Schön, der quasi arios-rezitativische Adagio-Satz und die originellen Verzierungen des Schlusssatzes. In Thorsten Töpps a due (2005) für Tenor-Blockflöte und Violoncello mit seinen interessanten Klangspielen, Luftgeräuschen und Flageoletten, Klangverschmelzungen und -verfremdungen fügt sich Tabea Debus klanglich sensibel mit ihrer vorzüglichen Cello-Partnerin Lea Rahel Bader in das Gesamtbild ein. Telemanns bekanntes C-Dur-Konzert wiederum hinterlässt keinen einheitlichen Eindruck: Zwar geschmackvoll und interessant verziert und lebendig gespielt, aber klanglich sicher alles andere als Telemann entsprechend. Debus spielt (wie inzwischen viele namhafte Solisten) Instrumente des kürzlich verstorbenen Schweizer Blockflötenbauers Ernst Meyer, die weniger durch klangliche Süße und Vielfalt als durch schiere Lautstärke glänzen. Telemanns (wie übrigens auch Bachs) originale Blockflöten-Partien nutzen auffällig oft und ausladend das höchste Register, das auf Debus’ Instrumenten nur mit Gewalt anzusprechen scheint. Wenig charmant und nicht sehr cantabel auch die Schlussnummer der CD, Henry Purcells An Evening Hymn aus Harmonia Sacra, 1688.

Alles in allem höre ich in dieser CD noch ein viel zu starkes (und auch unnötiges!) Schielen auf den Blockflöten- und Alte-Musik-Mainstream. Im Moment ist es eben angesagt, schnell und laut zu spielen – olympisch gleichsam. Aber ich hoffe, dass Tabea Debus im Laufe der Zeit einen eigenen Weg finden wird.

Heinz Braun [02.08.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Adolf Hasse
1Sonate B-Dur für Blockflöte und B.c. 00:10:56
Calliope Tsoupaki
4Charavgi für Altblockflöte 00:08:53
Jacob van Eyck
5Der Fluyten Lust-hof 00:07:50
Domenico Natale Sarro
6Concerto d minor 00:05:58
Adam Jarzebski
9Diligam Te Domine (Diminutionen über Nasce la pena mia von Alessandro Striggio) 00:05:32
10Venite Exultemus (Diminutionen über Io son ferito ahi lasso von Giovanni Pierluigi da Palestrina) 00:05:43
Thorsten Töpp
11a due für Tenorblockflöte und Violoncello (Doppelporträt) 00:07:45
Georg Philipp Telemann
12Concerto C-Dur TWV 51:C2 für Altblockflöte, Streicher und B.c. 00:16:26
Henry Purcell
16An Evening Hymn (Harmonia Sacra 1688) 00:03:58

Interpreten der Einspielung

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