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CD-Besprechung

gutingi 258

1 CD • 80min • 2015

04.09.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wenn doch das Protokoll für das obligatorische Klavier-Rezital nicht so starr wäre! Streng chronologisch zeigt Andrei Banciu mit fünf ausgewachsenen Werken auf einer mit 80 Minuten Spielzeit randvollen Produktion, dass er zwischen der Spätklassik Joseph Haydns und der Hochmoderne Leos Janáceks eine breite Palette von Stilarten beherrscht. Eine stärkere Fokussierung auf vielleicht nur zwei Komponisten oder eine verbindende Idee hätte dieses Porträt jedoch noch weitaus schärfer profilieren können.

Nach Meinung des Rezensenten hätten dies Franz Schubert und Johannes Brahms sein sollen. Denn so versiert und idiomatisch der gerade einmal dreißigjährige Rumäne auch Haydn, Mendelssohn Bartholdy und Janácek vorstellt, tritt das Besondere seines Spiels doch besonders gut bei diesen Werken hervor, die gerne im Pedal ertränkt werden. Für den Kopfsatz, besonders aber für das sich so hymnisch verbreitende Andante der A-Dur-Sonate D 664 op. 120 Schuberts bedeutet das, dass nicht nur die Melodiestimme aussingt, sondern auch und gerade die Begleitfiguren geradezu kontrapunktisch präsent gehalten werden. Gerade im Andante wird die verträumte Atmosphäre nie zerrissen, das Pianissimo ist überaus intim, und doch hat jeder Ton einen perkussiven Kern, wie immer in Andrei Bancius Spiel. Dazu ist das Pedal geradezu asketisch kontrolliert. So erlaubt Banciu der Musik, in größter Transparenz und plastischer Deutlichkeit zu erscheinen. Es wäre interessant gewesen zu hören, was Banciu aus einer der quasi metaphysisch gestimmten spätesten Sonaten Schuberts macht.

Auch die Vier Klavierstücke op. 119 des spätesten Johannes Brahms werden, übrigens unterstützt durch die direkte Klangtechnik, mit beachtlicher Distinktheit, angenehm trocken und damit außergewöhnlich energisch, bisweilen gar widerspenstig, präsentiert. Hier zerfließt nicht ein komponierender Pessimist – der Brahms letztlich war – in schwermütiger Kontemplation, sondern äußert sich eine geradezu triumphale Konstruktionskraft: die moderne, ja, vielleicht sogar avantgardistische Seite dieser späten Miniaturen. So fröhlich etwa hat man das dritte der Intermezzi „Grazioso e giocoso“ kaum je gehört. Auch in diesem Fall sei festgehalten, dass Banciu entsprechend für die übrigen Sammlungen des späten Brahms ab op. 116 interpretatorisch etwas tun könnte. Es sollten diesem Album weitere folgen – eine größere Empfehlung kann man kaum geben.

Dr. Michael B. Weiß [04.09.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Klaviersonate Nr. 60 C-Dur Hob. XVI:50 00:15:52
Franz Schubert
4Klaviersonate Nr. 13 A-Dur D 664 op. posth. 120 00:17:58
Felix Mendelssohn Bartholdy
7Fantasia fis-Moll op. 28 (Sonate écossaise) 00:12:38
Johannes Brahms
10Intermezzo h-Moll op. 119 Nr. 1 00:04:04
11Intermezzo e-Moll op. 119 Nr. 2 00:05:08
12Intermezzo C-Dur op. 119 Nr. 3 00:01:43
13Rhapsodie Es-Dur op. 119 Nr. 4 00:05:23
Leoš Janáček
14Im Nebel (vier Klavierstücke) 00:16:59

Interpreten der Einspielung

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