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CD-Besprechung

Campanella musica C 130199

1 CD • 59min • 2012

02.04.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Welchen Grund der Oboist Hansjörg Schellenberger hatte, Haydns Quartettfassung der Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze Mozarts wunderbares Oboenquartett KV 370 voranzustellen? Nimmt er damit nicht Haydns so tief empfundener Musik einen Großteil ihres sakralen Charakters? Der Mitschnitt eines Konzerts vom Karfreitag 2012 aus der Katholischen Pfarrkirche Aschau im Chiemgau vermag darauf keine Antwort zu geben. Allerdings: Das schmerzvolle Adagio des Mozart-Quartetts offenbart ebenso tröstliche Züge und könnte somit als Vorwegnahme des Grundtons der Passionsmusik Joseph Haydns verstanden werden. Eine weitere Frage drängte sich mir mit Blick auf das Arrangement der Sieben letzten Worte auf: Bringt das Ersetzen der 1. Geige durch die Oboe einen Gewinn oder Verlust an Intimität mit sich? Auch hierauf weiß ich keine Antwort, muss aber Schellenberger beipflichten, wenn er in seinem Einführungstext davon spricht, dass die „andere Farbe der Oboe der Musik noch eine Ausdrucksdimension hinzugibt“. Doch der Reihe nach.

Hansjörg Schellenberger, Daniel Giglberger (Violine), Hariolf Schlichtig (Viola) und Wen-Sinn Yang (Violoncello) gehen Mozarts serenadenhaftes Oboenquartett KV 370 leichtfüßig, kultiviert und – besonders im dunkel verhangenen Adagio – mit einem feinen Klangsinn an. Auch weiß sich Schellenberger mit Eleganz in Szene zu setzen. Trotzdem zieht dieses Kleinod ohne nennenswerten Nachhall vorüber. Haydns zwischen musikalischer Barockrhetorik und subjektiver Reflexion, will heißen tiefer persönlicher Religiosität pendelnde Meditationsmusik muss es also richten. Der Komponist selbst gibt einen Hinweis darauf, vor welchem Problem er bei der Niederschrift dieses Oratoriums ohne Worte stand, gleichzeitig aber auch darauf, was von den Ausführenden erwartet wird: „Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten.“ Die Herausforderung besteht also darin, sieben nur wenig kontrastreiche Klangcharaktere (samt Introduktion und abschließendem Erdbeben) derart zu gestalten, dass sie sich voneinander abheben. Haydns Hauptaugenmerk galt der allgemeinen Affektdarstellung und den harmonischen Entwicklungen zwischen Schmerz, Trauer, Trost und Verheißung auf das Paradies. Leider vermittelt mir der vorliegende Konzertmitschnitt aber den Eindruck, als spiele eine nuancierte Affektdarstellung oder Textausdeutung seitens der Interpreten eine nur untergeordnete Rolle. Hansjörg Schellenberger und seine Mitstreiter bringen die Sieben letzten Worte bestimmt, ruhig und nach innen gerichtet zum Klingen; Berührendes oder Bewegendes teilt sich mir allerdings nicht mit. Einzig das zentrale vierte Adagio über die Worte „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ weiß mit Eindringlichkeit und einigen fast schon berückenden Momentaufnahmen zu überzeugen.

Abschließend noch ein Wort zum Klang dieser Aufnahme – und ich zitiere Hansjörg Schellenberger: „Da wir für diese CD live das Konzert am Karfreitag, den 6.4.2012 mitgeschnitten haben, und die Kirche naturgemäß zu dieser Jahreszeit sehr kalt war, sind geringfügige Intonationstrübungen insbesondere bei der Oboe eben diesen Umständen geschuldet.“ Tatsächlich lassen sich intonatorische Auffälligkeiten nicht von der Hand weisen. Diese hatten aber keinerlei Einfluss auf meine Bewertung dieser Produktion.

Christof Jetzschke [02.04.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Quartett F-Dur KV 370 für Oboe, Violine, Viola und Violoncello 00:13:29
Joseph Haydn
4Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz op. 51 Hob. XX:1b for String Quartet 00:44:09

Interpreten der Einspielung

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