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CD-Besprechung

Jiang Yi Lin

Masques

Jiang Yi Lin

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.02.15

Solaris Records SOL14101

1 CD • 73min • 2014

Auf den ersten Blick erstaunt die Werkzusammenstellung, die der 26jährige Pianist Yi Lin Jiang für sein Debütalbum erkoren hat. Auf den zweiten Blick – das heisst bei genauerem Hinhören – erweist sich durchaus eine gewisse Schlüssigkeit in der scheinbar kunterbunten Abfolge zwischen Schubert und Debussy, zwischen Liszt und Skrjabin. Denn keineswegs zufällig wird als Überschrift „Masques“ angeboten. Es sind freilich Masken vielfältiger Art – Stücke, die das Wort bereits im Titel führen, aber auch Werke, in denen Verstecktes, Verborgenes in die Musik eingeflossen ist. Zum Beispiel in Franz Schuberts Drei Klavierstücken D 964 aus dem Todesjahr des Komponisten – Zeugnisse der Trauer und der Vereinsamung. Von hier gibt es einen beträchtlichen Sprung zu Franz Liszts sogenannter Dante-Sonate, dem infernalischen Finale des Italien-Jahrganges in den Années de pèlerinage.

Eine derartige Kombination fordert vom Interpreten ein gerütteltes Maß an Einfühlung und Agilität. Der aus Shanghai stammende Pianist Yi Lin Jiang, der freilich in München zur Welt gekommen ist und in Deutschland seine musikalische Schulung erhalten hat, gerät nicht in die Gefahr, das Auseinanderstrebende über den gleichen Leisten zu schlagen. Im Gegenteil, er zeigt sich so entschlossen beweglich, dass man bisweilen nicht ohne Mühe nach seinem „eigenen Ton“ fahndet. Vielleicht auch hat er sich noch zu wenig von zwei dominanten Ausbildern lösen können, von Heinz Kämmerling und Ewa Kupiec (denen er im Beiheft liebevoll huldigt). Übrigens: Jiang hat die fernöstliche Heimat keineswegs ganz vergessen – die 3-Minuten-Miniatur Herbstmond über dem ruhigen See seines Landsmannes Lü Wencheng beschwört auf Debussy-Spuren eine poetische Landschaft in der Gegend von Shanghai.

Das Hauptstück der CD steht am Anfang: der dreiteilige Zyklus Masken von Karol Szymanowski. Eine verdienstvolle Tat, denn die Musik des eigenwilligen Polen hat bei uns im Westen immer noch nicht die Anerkennung gefunden, die sie verdient. Yi Lin Jiangs Einsatz ist gerade in diesem Fall ein unbedingter. Szymanowski erzählt in der Schlüsselschöpfung seiner mittleren Schaffensphase (1916) von drei Figuren, die ihr wahres Gesicht verstecken: Sheherazade, Tristan und Don Juan. Das alles ist nicht nur pianistisch extrem herausfordernd, sondern auch verwirrend in seiner Assoziationenfülle: vom lockenden Orient zu einer keltischen Legende und von dort zur spanischen Welt des ewigen Verführers. Wie der junge Pianist solch schillernde Facetten brillant beschwört, ist beeindruckend und zumindest hier fast schon der Note 10 würdig.

Bezug über: /www.jiangyilin.com/de

Mario Gerteis † [09.02.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Szymanowski Shéhérazade op. 34 Nr. 1
2 Tantris le bouffon op. 34 Nr. 2
3 Sérénade de Don Juan op. 34 Nr. 3
4 A. Scriabin Masque op. 63 Nr. 1
5 C. Debussy Masques L 105
6 F. Schubert Klavierstück es-Moll D 946 Nr. 1 (op. post.)
7 Klavierstück Es-Dur D 946 Nr. 2 (op. post.)
8 Klavierstück C-Dur D 946 Nr. 3 (op. post.)
9 F. Liszt Après une lecture de Dante S 161:7 (Fantasia quasi Sonata)
10 L. Wencheng La lune d'automne au-dessus du lac tranquille

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yi Lin Jiang Klavier
 
SOL14101;0608938494931

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