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CD-Besprechung

cpo 777 920-2

2 CD • 1h 29min • 2014

30.01.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das einaktige Singgedicht Feuersnot, sein zweites Bühnenwerk, war für Richard Strauss in doppelter Hinsicht eine Art Befreiungsschlag: eine Abrechnung mit seiner Heimatstadt München, von der er sich schlecht behandelt fühlte, und eine Emanzipation von dem künstlerischen Übervater Richard Wagner. Durch seine Anstellung als Kapellmeister an der Königlichen Hofoper in Berlin und zwischenzeitliche Erfolge als Komponist symphonischer Dichtungen hatte er die nötige zeitliche und räumliche Distanz, um den Misserfolg seines Opernerstlings Guntram zu verarbeiten. In dem Autor Ernst von Wolzogen, dem Begründer des literarischen Kabaretts „Überbrettl“, fand er einen Librettisten, der ihm neue Facetten musikalischen Humors zu entlocken verstand.

Die Handlung spielt in einem karikaturistisch verzerrten mittelalterlichen München, in dem die Kleingeister und Heuchler das Sagen haben. Der von ihnen verspottete junge Gelehrte Kunrad, der offenbar über magische Künste gebietet, entzieht ihnen kurzerhand das Licht und verkündet: „All Wärme quillt vom Weibe, all Licht von Liebe stammt – aus heiß-jungfräulichem Leibe einzig das Feuer euch neu entflammt“. Er verspricht nicht zu viel. Als sich ihm die stolze Diemut nach anderthalb Spielstunden endlich hingibt, beginnt München wieder zu leuchten.

Defloration zur Energiegewinnung – zweifellos eine originelle Idee, die aber im prüden Preußen der wilhelminischen Zeit gar nicht goutiert wurde. Die Premiere konnte deshalb nicht in Berlin stattfinden, so dass Strauss nach Dresden ausweichen musste, wo die Oper am 21. November 1901 unter der Leitung Ernst von Schuchs herauskam. Das war der Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit.

Ein Repertoirestück ist Feuersnot nie geworden, aber in München hat man sich nach dem Tod von Strauss des Werkes immer wieder angenommen. Eine Aufführung von 1958 unter Rudolf Kempe liegt als Mitschnitt bei Orfeo vor, 1980 kam das Stück am Nationaltheater, 2003 am Gärtnerplatztheater heraus. Eine Schallplattenaufnahme mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Heinz Fricke und den Protagonisten Bernd Weikl und Julia Varady entstand 1984.

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung zum Strauss-Jahr, der jetzt von cpo vorgelegt wird, steht da in einer guten Tradition und ist sehr dazu angetan, neues Interesse an diesem Werk zu wecken, das spielerisch mit Zitaten umgeht, schöne Ensembles im Buffa-Stil enthält, aber auch mit vollem Orchestereinsatz spätromantisch aufbranden kann. Auch beim komponierten Liebesakt kurz vor Schluß der Oper ist Strauss in seinem Element. Ulf Schirmer und die Musiker des Münchner Rundfunkorchesters sind spürbar mit bester Laune bei der Sache, und die überträgt sich schon nach kurzer Zeit auch auf den Hörer. Markus Eiche in der zentralen Rolle des Kunrad, die sich in gewisser Weise auch als Selbstporträt des Komponisten versteht, bringt mit seinem schlanken, hellen und tenoral strahlenden Bariton die besten Voraussetzungen für die hoch liegende Partie mit und gestaltet den langen Monolog höchst eloquent. Diese textliche Prägnanz ist der Diemut von Simone Schneider nicht nachzurühmen, die hier allerdings mit ihrem blühenden lyrischen Sopran – nach Intermezzo – ein weiteres Mal ihre Eignung für Strauss-Partien unter Beweis stellt. Die übrigen Solisten, der Chor des Bayerischen Rundfunks und der Kinderchor des Gärtnerplatz-Theaters bilden ein homogenes Ensemble.

Ekkehard Pluta [30.01.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Strauss
1Feuersnot op. 50 (Singgedicht in einem Akt)

Interpreten der Einspielung

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