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CD-Besprechung

Gerard Souzay
Liederabend 1960

Gerard Souzay<br />Liederabend 1960

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 20.04.12

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SWRmusic 93.717

1 CD • 56min • 1960

In den 60er Jahren, in denen der Rezensent seine ersten prägenden Musik-Erlebnisse hatte, gehörte der französische Bariton Gérard Souzay (1918-2004) zum Olymp der Gesangsgrößen, wurde als berufener Interpret nicht nur des französischen, sondern auch des deutschen Liedes oft mit Dietrich Fischer-Dieskau verglichen oder sogar gegen ihn ausgespielt (die beiden Sänger schätzten sich übrigens gegenseitig sehr!). Trotz einer ansehnlichen Schallplatten-Hinterlassenschaft (vor allem bei Decca und Philips) scheint mir der Ruhm des Franzosen heute ein wenig verblasst. Da kommt die Veröffentlichung eines Liederabends von den Schwetzinger Festspielen 1960, wo er mit Kompositionen von Schubert, Strauss, Ravel und Martin hervortrat, sehr gelegen, um an einen singulären Sänger und Interpreten zu erinnern.

Souzays heller lyrischer Bariton, der über tenorale Höhe verfügte, aber auch in der Tiefe ausreichende Resonanz besaß, war ein äußerst flexibles Instrument, mit dem der Sänger noch die feinsten Nuancen der Texte und der Musik ausgestalten konnte. Er war ein Meister des Pianogesangs und der Technik des messa di voce, doch standen diese Fähigkeiten immer im Dienste des Ausdrucks und der zu vermittelnden Liedinhalte.

Der Schwetzinger Liederabend begann mit 8 Titeln von Franz Schubert, von denen die ersten vier im Archiv des SWR unauffindbar blieben. Souzay bleibt hier gegenüber seinen Studio-Aufnahmen in puncto Textverständlichkeit hinter seinen eigenen Standards zurück. Die zu weiche Artikulation der Konsonanten, die Verfärbung einiger Vokale und wohl auch die klangtechnisch nicht optimale Ausbalancierung von Stimme und Klavierbegleitung lassen etwa in dem ohnehin rätselhaften Lied Der Zwerg einige Textpassagen im Ungefähren.

Bei den griechischen und hebräischen Liedern von Maurice Ravel ist Souzay dann ganz in seinem Element, besser kann man das nicht singen. Und auch in den vier abschließenden Titeln von Richard Strauss kann er sich mit den besten Sängern deutscher Provenienz messen. Anders als im Falle Fischer-Dieskaus trat bei Souzay der Opernsänger deutlich hinter dem Liedinterpreten zurück. Er hat nur eine Handvoll Partien gesungen und auch diese nicht sehr häufig. Ein Gastspiel als Don Giovanni bei den Münchner Opernfestspielen war für seine Bewunderer eher enttäuschend. Das mag auch mit der eher klein dimensionierten Stimme und der geringen Bühnenerfahrung zusammen gehangen haben. Denn welche dramatischen Potentiale in ihm stecken, zeigt Souzay bei dieser Gelegenheit in den Sechs Monologen aus Jedermann von Frank Martin. Ursprünglich wollte der Schweizer Komponist eine Oper auf diesen Text Hofmannsthals schreiben, doch dann begnügte er sich mit diesen Solo-Ausschnitten, die er dem Bariton Max Christmann widmete. Die erste Version mit Klavierbegleitung entstand 1943, sechs Jahre später erstellte Martin eine Orchesterfassung, die häufiger aufgeführt wurde, unter anderem mit Fischer-Dieskau unter der Leitung des Komponisten. Souzay gestaltet die sechs Gesänge mit großer emotionaler Dringlichkeit und – anders als bei den Schubert-Liedern – mit gemeißelter Diktion. Und Dalton Baldwins intensive und imaginative Klavierbegleitung vermag ein Orchester zu ersetzen.

Das Booklet enthält zwar einen sehr sachkundigen Beitrag von Thomas Voigt über die künstlerische Eigenart des Sängers, aber leider – wie auch die früheren Publikationen der historischen SWR-Reihe – keine Werkeinführungen, keine Liedtexte und nicht einmal die Namen ihrer Autoren. Da darf man bei weiteren Veröffentlichungen ruhig noch ein paar Euro für die Ausstattung zulegen, der künstlerische Wert der Aufnahmen rechtfertigt den Aufwand.

Ekkehard Pluta [20.04.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Der Zwerg op. 22 Nr. 1 D 771 00:06:20
2 Blumenlied D 431 00:01:49
3 Seligkeit D 433 00:02:06
4 An die Musik op. 88 Nr. 4 D 547 00:02:51
5 F. Martin Sechs Monologe aus Jedermann 00:18:40
11 M. Ravel Chanson de la mariée (aus: Cinq mélodies populaires grecques) 00:07:31
12 Là-bas, vers l'église (aus: Cinq mélodies populaires grecques)
13 Quel galant m'est comparable (aus: Cinq mélodies populaires grecques)
14 Chanson des cuielleuses de lentisques (aus: Cinq mélodies populaires grecques)
15 Tout gai! (aus: Cinq mélodies populaires grecques)
16 L' énigme éternelle (aus: Deux mélodies hébraïques) 00:06:41
17 Kaddisch (aus: Deux mélodies hébraïques)
18 R. Strauss Heimkehr op. 15 Nr. 5 00:02:34
19 Ständchen op. 17 Nr. 2 00:02:20
20 Ruhe, meine Seele! op. 27 Nr. 1 00:03:22
21 Zueignung op. 10 Nr. 1 00:01:37

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gérard Souzay Bariton
Dalton Baldwin Klavier
 
93.717;4010276025115

Bezug über Direktlink

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