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CD-Besprechung

Franz Schubert Klavierwerke Vol. 7

hänssler CLASSIC 98.569

1 CD • 66min • 2008

15.02.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Gerhard Oppitz ist mit seinem Schubert-Projekt unter dem editorischen Schutzschirm des Labels Hänssler bei Folge sieben angelangt. Die Werkfolge dieser im Juli 2008 im oberpfälzischen Neumarkt produzierte Einspielung ist insofern auffällig, als sie neben der verhältnismäßig vertrauten a-Moll-Sonate (D 537) das selten zu hörende, sehr früh entstandene Schwesterstück D 279 enthält. Zudem dienen die beiden Dreisätzer sozusagen als ausführliche Rahmenhandlung für eine Auswahl selten beachteter Einzelminiaturen, von den ein artiges, liebenswertes Adagio (D 178) mit knapp sieben Minuten Spieldauer das umfangreichste ist.

Oppitz' Hand- und Fußhabe (gemeint ist damit auch die Pedalbehandlung) der etwas bockig thematisierten Sonate in a-Moll ist für mein Empfinden um Nuancen lebendiger, liebevoller ausgeleuchtet als in der hartherzigen, bisweilen widerwillig anmutenden Darstellung Benedetti Michelangelis. Auch das mittlere Allegretto quasi Andantino erklingt um Spurenelemente weicher, humaner intoniert – und dies in Vorahnung des Finalsatzes der Sonate in A-Dur (D 959), bei dessen Thematisierung sich Schubert der Vorlage aus D 537 bedient (freilich in einer Metamorphose in Richtung vermehrter Geschmeidigkeit und Eleganz).

Die allen schweren Tiefsinns unverdächtige Startsonate D 279 nimmt Oppitz etwas muskulöser als der feinnervige, besonders in den höheren Lagen silbrig abtönende Wilhelm Kempff. Während Kempff sich im trauten Freundeskreis einer „Schubertiade" musikalisch auszusprechen scheint, hält es Oppitz mehr mit geplanten, vorbereiteten Gestaltungsentscheidungen an der unauffälligen Schnittstelle zur Wohlgelauntheit. Ingrid Haebler hatte den unschuldigen Dreisätzer deutlich gesitteter gegeben, bei aller gebotenen Elastizität auch mit strafferer Akzentuierung der einzelnen Elemente und – daraus resultierend – der überwölbenden Form. Alfred Brendel nun, der die a-Moll-Sonate für mein Empfinden in einer Mischung aus Verdunkelung und hellen Momenten, dabei vorsichtig, doch auffallend drängend in der Themenpointierung entfaltet – dieser promovierte Schubert-Interpret also hat sich zu einer Darstellung der C-Dur-Sonate nie entschließen wollen. Und auch die hier beachtete a-Moll-Sonate hat er erst später seinem größeren Philips-Projekt (6747 175 /8 LP) mit Klavierwerken der Jahre 1822 bis 1828 gewissermaßen CD-gerecht nachgereicht.

Eine Aufnahme mit Gerhard Oppitz, wenn man sich um eine Schlussformel bemüht, die gelungen ist und es nahe legt, ein wenig über Schuberts Musik, über seine Rezeption auf Tonträgern und über verschiedene Darbietungsvarianten nachzudenken. Irritierend, ja unbefriedigend bleibt auch bei dieser Folge die hallige, wenig fokussierte Aufnahmeästhetik. Wenn die dafür Verantwortlichen die Aura eines Flügels zur Schubert-Zeit hervorrufen wollten, dann ist es ihnen auf Kosten eines natürlichen, wahrhaftigen Klavierklanges des modernen Instruments gelungen. Ich kann mich mit dem Ergebnis nicht anfreunden.

Vergleichsaufnahmen: D 279: Pirner (Farao Classics B 108039), Kempff (DG 2740 132/LP), Nakajima (Colosseum SM 1472), Klien (Vox VXDS 110/LP; D 537: Brendel (Philips 410606-2), Haebler (Philips 456 367-2), Benedetti Michelangeli (DG 457 762-2), Klien (Vox VXDS 110/LP, Damgaard (Classico 245-49), Haefliger (Avie AV 0041), Schuch (Oehms OC 593), Itoh (fontec FOCD 9428), Kempff (DG 2740 132 /LP), Nakajima (Colosseum SM 1472), D 29: Kirschnereit (Berlin classics 0300302); D 178: Itoh (fontec FOCD 9428).

Peter Cossé † [15.02.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Klaviersonate C-Dur D 279 00:19:02
4Andante C-Dur D 29 00:03:40
5Adagio G-Dur D 647 00:06:47
6Klavierstück A-Dur D 604 00:06:15
7Adagio E-Dur D 612 00:05:07
8Klaviersonate a-Moll D 537 00:24:59

Interpreten der Einspielung

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