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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann: Kapitänsmusik 1738 TWV 15:11

cpo 2 CD 777 386-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 01.02.11

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cpo 777 386-2

2 CD • 2h 08min • 2007

Die 57 nach französischer Terminologie „Kapitäne“ genannten Hauptleute der Hamburger Bürgerwache – so hieß bis 1810 das Bürgermilitär der Hansestadt – wurden für ihren verantwortungsvollen Dienst alljährlich am 1. Donnerstag nach dem Bartholomäustag (24. August) von der Stadt mit einem Festmahl geehrt. Die musikalische Ausgestaltung dieser Bankette gehörte zu den Amtspflichten des Hamburgischen Musikdirektors; Georg Philipp Telemann schrieb in diesem Amt ungefähr 30 so genannter Kapitänsmusiken, von denen neun zur Gänze erhalten geblieben sind. In diesen Werken offenbart sich die ganze Virtuosität Telemanns als Komponist: Einerseits sind sie Repräsentationsmusiken einer selbstbewussten Republik, entfalten auf der anderen Seite aber auch theatralische und unterhaltsame Reize. Mit geistlich betrachtendem Inhalt pflegte ein Oratorium die Feierlichkeiten zu eröffnen, während weltliche Aspekte die Serenata bestimmen, mit der das Festbankett musikalisch geschmückt wurde. Im Jahr 1738 stellen allegorische Figuren wie Hammonia, die Verkörperung Hamburgs, sowie die Wahrheit, die Andacht, das Vertrauen, die Gerechtigkeit und die Unachtsamkeit (um zu zeigen, wie man nicht denken soll) die moralischen und patriotischen Betrachtungen des Oratoriums an, während in der Serenata die Elbe, der Kriegsgeist, der Friede, die Zaghaftigkeit, der Neid, der Schutzgeist Deutschlands und ein Chor der Helden ein Bild der gegenwärtigen politischen Situation entwerfen: Hamburg musste als Teilstaat des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zusehen, wie sich das Glück des Kaisers im Krieg gegen die Türken, in den er durch ein Bündnis mit dem russischen Zar hereingeraten war, in schwere Bedrängnis wendete. Entsprechend martialische Töne schlagen Dichter und Musik an, obwohl es letztlich immer nur darum geht, schnell wieder zu einem gedeihlichen Frieden zu gerlangen – an nichts konnte dem international agierenden Handelsplatz Hamburg mehr gelegen sein als an einer stabilen Welt.

Telemann durfte sich nach dem Erfolg seiner Reise nach Paris vom Herbst 1737 bis zum Mai 1738 seines internationalen Renommées als führender deutscher Komponist sicher sein, und so legte er sich auch für diese feierliche Gelegenheit, bei der nicht nur die politische Elite Hamburgs sondern auch die Gesandten der europäischen Mächte zugegen waren, ins Zeug und schuf ein dramatisches Meisterwerk, füür dessen Aufführung er offensichtlich noch auf Gesangskräfte der Hamburger Oper am Gänsemarkt zurückgreifen konnte, die just in diesem Jahr 1738 aufgelöst wurde.

Bei cpo sind seit 1991 mittlerweile fünf von Telemanns Kapitänsmusiken erschienen, die Entstehungsjahre 1724 bis 1755 spinnen einen roten Faden durch eine lange Zeit seiner Wirksamkeit in der reichen Hansestadt. Die Vielfalt der Leiter der jeweiligen Einspielungen ist beeindruckend und liest sich wie ein „who is who“ der deutschen Alte Musik-Szene – von Wolfgang Helbich, der 1991 das Oratorium der Kapitänsmusik von 1730 seiner Aufnahme des Lateinischen Magnificats in C-Dur anfügte, führt die Reihe über Ludger Rémy, Michael Schneider und Manfred Cordes, um jetzt (hoffentlich vorläufig) mit Hermann Max zu enden. Max ist für das farbige Werk genau der richtige Mann, mit einer weiten Skala von temperamentvoll bis innig gestaltet er die dramatischen Akzente, passend zu dem abwechslungsreichen Stück tritt also auch die Interpretation nie auf der Stelle. Leider werden im Beiheft die einzelnen Sänger nicht den einzelnen Rollen zugeordnet, so dass sich nur für den Kenner des Timbres der einzelnen Solisten mit Sicherheit ausmachen lässt, welcher Sopran für gelegentliche Intonationstrübungen verantwortlich ist. Die mögen allerdings der Live-Atmosphäre der beiden Aufnahmetermine geschuldet sein, an denen diese Aufnahme entstanden ist, das Vergnügen an den im übrigen hochkarätigen Leistungen der Besetzung mindern sie kaum.

Detmar Huchting [01.02.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.Ph. Telemann Kapitänsmusik 1738 TWV 15:11

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Veronika Winter Sopran
Cornelia Samuelis Sopran
Jan Kobow Tenor
Immo Schröder Tenor
Ekkehard Abele Bass
Gregor Finke Bass
Rheinische Kantorei Chor
Das Kleine Konzert Orchester
Hermann Max Dirigent
 
777 386-2;0761203738625

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