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CD-Besprechung

cpo 777 388-2

2 CD • 2h 18min • 2008

18.06.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das gibt es doch nicht! Mehr als 150 Jahre mussten vergehen, um diese frühe Oper Charles Gounods, die bei näherer Betrachtung zu seinen besten gehört, aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. Ein Intendantenwechsel an der Pariser Opéra war ausreichend, um das Stück, das bei seiner Premiere im Oktober 1854 großen Erfolg hatte und in den folgenden Aufführungen hohe Einnahmen brachte, aus dem Verkehr zu ziehen. Künstlerische Gründe gab es dafür nicht, offensichtlich fand man die Verquickung von Schauerromantik und religiösen Motiven, die noch in Meyerbeers Robert le Diable goutiert worden war, in der Ära Napoleons III. nicht mehr schicklich.

Hier wie dort schrieb Eugène Scribe das Libretto. Die blutende Nonne geht auf ein Kapitel des damals viel gelesenen Romans The Monk (1796) von Matthew Gregory Lewis zurück, einer klassischen Gothic Novel. Die Handlung variiert die Geschichte von Romeo und Julia. Rodolphe und Agnès, Kinder verfeindeter Familien, dürfen sich nicht heiraten und wollen gemeinsam fliehen. Sie soll sich dabei als die blutende Nonne verkleiden, die einst von ihrem Verführer ermordet wurde und nun in der Gegend als Gespenst herumspukt. Am vereinbarten Treffpunkt erscheint dann aber nicht die Braut, sondern das echte Gespenst, das sich mit Rodolphe vermählt, der seinen Irrtum zu spät bemerkt. Sie will ihn nur unter der Bedingung freigeben, dass er sie rächt und ihren Mörder tötet. Rodolphe stimmt zu und muß dann erfahren, dass dieser sein eigener Vater ist.

Wenn man bedenkt, wie viele Anläufe selbst große Opernkomponisten wie Bellini und Donizetti nehmen mussten, bis sie ihren eigenen Stil fanden, so ist man überrascht, wie dem Kirchenmusiker Gounod gleich beim zweiten Versuch mit der Gattung ein Treffer gelang. La Nonne Sanglante ist an keiner Stelle das Werk eines Anfängers, vielmehr steht der Meister von Faust und Roméo et Juliette schon fertig vor uns, ja, die späteren Werke scheinen geradezu auf diesem verstoßenen Frühwerk aufzubauen, das alle Ingredienzien einer Grand Opéra einschließlich Ballett enthält: Kantilenenschmelz in den Liebes- und Verzweiflungsgesängen der Protagonisten, leichtfüßigen Witz in den Couplets des Pagen, schwungvolle Walzer- und Marschrhythmen bei den Festgelagen, düstere Orchesterfarben in den Gespensterszenen. Dabei rutscht die Musik nie ins Pompöse ab. Diese Oper müsste eigentlich eine Repertoirechance auf unseren Bühnen haben.

Osnabrück kann auf diese Ausgrabung stolz sein, die sie in einer alles andere als provinziellen Aufführung präsentiert hat. Hermann Bäumer schöpft die orchestralen Möglichkeiten der Partitur voll aus und leitet das Bühnengeschehen mit dramatischem Feuer und zugleich ruhigem Atem. Die Sänger sind durchweg respektabel, der C-Tenor Yoonki Baek als Rodolphe mehr als das. Auch die Sopranistinnen Natalia Atmanchuk (Agnès) und Iris Maria Kotzian (Arthur), die Mezzosopranistin Eva Schneidereit (Nonne) und der Bassist Frank Färber (Eremit) empfehlen sich hier für größere Bühnen. Das Hören macht durchweg Lust aufs Sehen.

Ekkehard Pluta [18.06.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles Gounod
1La Nonne Sanglante (Oper in fünf Akten)

Interpreten der Einspielung

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