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CD-Besprechung

cpo 777 480-2

1 CD • 56min • 2006

05.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Neben Johann Strauß war der aus Dalmatien stammende Franz von Suppé der wichtigste Exponent der Wiener Operette, die in ihren Anfängen noch deutlich unter dem Einfluß von Jacques Offenbach stand. Das Vorbild spürt man auch in der ursprünglich einaktigen Pique Dame überall, die mit der gleichnamigen Novelle Alexander Puschkins nicht das geringste zu tun hat. Ursprünglich hieß das Stück Die Kartenschlägerin, doch nachdem es in Wien nur mäßigen Erfolg hatte, schrieb es Suppé noch einmal um und brachte es unter dem neuen, griffigeren Titel 1864 in Graz mit mehr Glück heraus.

Die Handlung spielt in Köln, der Geburtsstadt Offenbachs. Im Mittelpunkt steht die Wahrsagerin Judith, die ihrem Adoptivsohn Emil, einem mittellosen Komponisten, zur Verbindung mit seiner geliebten Hedwig verhilft, indem sie alle ihre Künste einsetzt, um den Nebenbuhler, den nur an ihrem Geld interessierten Vormund Fabian, zu entlarven.

Das ist kein besonders origineller Plot, aber er reicht hin, um Suppés reiche musikalische Phantasie zu entzünden. Um schmissige Rhythmen und einschmeichelnde Melodien nicht verlegen, annektiert und parodiert er im Stile Offenbachs die große Oper seiner Zeit. Besonders Verdi hat es ihm angetan, der hier mit Trovatore, Ballo in maschera, Traviata und sogar Macbeth gegenwärtig ist. Eine „Orgie” genannte Tanzszene im 2. Akt bezieht sich auf Meyerbeers Robert le Diable. Ein Kartenterzett der drei Frauenstimmen, zehn Jahre vor Bizets Carmen, ist ebenfalls bemerkenswert.

Das Herzstück dieser Operette ist jedoch die fulminante Ouvertüre, auf deren Material Suppé im Stück noch häufig zurückgreift. Michail Jurowski geht sie mit dem Rundfunkorchester des WDR so launig und urmusikantisch an, dass man beim Hören sofort Lust auf mehr bekommt. Tatsächlich halten die Musiker das hohe Niveau des Anfangs auch in der Begleitung der Sänger durch. Die ganze Aufführung hat Pfiff.

In der Grazer Uraufführung sang den Part der Judith die damals 20jährige Amalie Materna, die später Bayreuths erste Brünnhilde und Kundry wurde. Es ist fraglich, ob man ihrer Nachfolgerin Anjara Ingrid Bartz eine ähnliche Entwicklung voraussagen kann. Sie führt jedoch mit veritablen Azucena-Tönen ein insgesamt solides, wenn auch nicht überragendes Sänger-Ensemble an, in dem auch der hohe, Operetten-erprobte Bariton Tom Erik Lie einige Punkte machen kann.

Auf die gesprochenen Dialoge wurde in der konzertanten Kölner Aufführung offenbar verzichtet. Man hätte den Text aber gerne im Booklet gelesen, um der Handlung noch besser folgen zu können.

Alexander Dreyssig [05.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz von Suppé
1Pique Dame (Operette in einem Akt)

Interpreten der Einspielung

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