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CD-Besprechung

Challenge Classics CC72323

1 CD • 67min • 2008

20.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Friedrich Wilhelm Marpurg (1718-1795), gehörte zur deutschen intellektuellen Elite der Aufklärung, war mit Geistesgrößßen wie Lessing und Winckelman befreundet und sein Urteil als Musikschriftsteller hatte Gewicht, seine Kritischen Briefe über die Tonkunst waren ein Medium, mit dem er sich leidenschaftlich an den geistigen Auseinandersetzungen über die Musik seiner Zeit beteiligte. Geschult unter anderem an der spitzen Feder Voltaires, liebte Marpurg das pointierte Urteil und fällte ein solches auch über den Wiener Lautenisten und Komponisten Karl Kohaut (1726-1784): Dieser sei zwar ein guter und bekannter Lautenist, seine Komposition aber tauge nicht viel. Ähnlich apodiktisch pflegte sich bis vor kurzem der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki in seinem Metier zu äußern – nun legt Gunar Letzbor mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria eine CD mit einem breit gefächerten musikalischen Programm aus der Feder Karl Kohauts vor und bietet so Gelegenheit zu einer unparteiischen Würdigung dieses Haydn-Zeitgenossen.

Ein charmantes Lautentrio, das Joseph Haydn zugeschrieben wird, eröffnet das Programm der CD, dann folgen Kompositionen Karl Kohauts: Ein Divertimento, ein Kontrabass- sowie ein Lautenkonzert und abschließend eine Sinfonie. Das Divertimento und die Konzerte sind hübsche Werke, die durch besonders in Wien beliebte melodische Anleihen bei der Volksmusik bestechen, das beste Stück der CD ist allerdings die Sinfonie in f-Moll, die in der Spur Carl Philipp Emmanuel Bachs wandelt und mit lebendigem Licht- und Schattenspiel aufwartet. Zweifellos kam Kohaut bei den elitären Sonntagsakademien des Barons van Swieten, an denen er regelmäßig teilnahm, mit der affektreichen Musik des Bach-Sohnes in Berührung. Im Salon van Swietens traf er mit den führenden Musikern Wiens zusammen, unter anderem mit Mozart, der für den Baron Bearbeitungen von Oratorien Händels anfertigte.

Als Lautenist war Kohaut Meister einer sterbenden Kunst, und er war sich dieser Tatsache auch bewusst: 1780 verfügte er in seinem Testament, man möge „seine Lauten und andere Instrumente, fürnehmlich aber seine musikalischen Manuskripte solange aufheben, bis sich jemand findet, der sie zu schätzen und zu nutzen weiß." Nahezu ein Vierteljahrtausend später haben sich in Gunar Letzbor und Hubert Hoffmann zwei kundige Musiker gefunden, die Karl Kohaut aus seinem Dornröschenschlaf aufgeweckt haben.

Detmar Huchting [20.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Trio F-Dur Hob. IV:F2 für Violine, Laute und Bass 00:18:32
Karl Kohaut
4Divertimento primo für 2 Violinen, Laute und Bass 00:11:38
8Concerto in D 00:10:42
11Concerto B-Dur 00:14:37
14Sinfonia f-Moll 00:11:15

Interpreten der Einspielung

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