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CD-Besprechung

Sylvain Cambreling

Berlioz

Sylvain Cambreling

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 03.12.09

SWRmusic 93.241

1 CD • 76min • 2002-2007

Die Frisur wie der Ausbruch des Vesuv, eine feuerspeiende Fantasie und Lust am Fabulieren, die – sehr zum Leidwesen der Wissenschaft – nicht einmal vor autobiographischen Schnörkeln und Erfindungen halt machte, wenn’s der tieferen Wahrheitsfindung diente: Hector Berlioz wird sich nie auf jenen handzahmen frühromantischen Salonrevoluzzer reduzieren lassen, der uns in dieser Aufnahme entgegentritt. Dieser Harold ist kein Kind des wilden Byron, der Orgien, wilde Träume, Brigantentreiben und höchste Passionen erlebt, sondern ein Pauschaltourist, der sich von einem Reiseführer die Stätten und Stationen erklären läßt, die nämlichem Harold weiland Wonne und Wahnsinn bescherten, und der schon beim kleinsten Anzeichen gewalttätiger Episoden schreckhaft bzw. politisch korrekt zusammenzuckt.

Unschön sind diese Urlaubserinnerungen ja durchaus nicht vorgetragen: Jean-Eric Soucy an der Solobratsche gibt einen feinen, geruhsamen Protagonisten, das SWR Sinfonieorchester spielt mit vielem Geschmack und Wohlklang, klingt vor allem dort, wo Harold träumen soll, lieblich und mild. Doch die Explosionen, die ausgekosteten Leiden und Leidenschaften, der federnd-wundersame Marschtritt der Pilger oder die Orgie de brigands, „wo der Rausch des Weines, des Blutes, der Freude und des Zorns zusammenwirken, wo der Rhythmus bald zu stolpern, bald wild vorwärts zu drängen scheint, wo wie aus metallenem Munde Flüche geschleudert werden und Gotteslästerungen auf flehende Stimmen antworten, wo man lacht, trinkt, schlägt, zerbricht, tötet, schändet und sich schließlich amüsiert,“ kurzum all das, was Hector Berlioz selbst im Finale seiner Sinfonie haben und hören wollte – das müßte um ein vielfaches elementarer, gräßlicher, schauriger dargestellt sein, damit es sich desto radikaler von den schönen Seiten der Partitur abhöbe und uns als grelles, tief gekerbtes Relief entgegenträte. Eine noch so hübsche Postkartensammlung verfehlt des faszinierend verrückten Pudels Kern ...

Rasmus van Rijn [03.12.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Berlioz Harold en Italie op. 16 (Sinfonie mit konzertierender Viola)
2 Marche hongroise (aus: La Damnation de Faust op. 24)
3 Ballet des Sylphes (aus: La Damnation de Faust op. 24)
4 Menuet des follets (aus: La Damnation de Faust op. 24)
5 Chasse royale et oraqe (aus: Les Troyens)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jean-Eric Soucy Viola
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchester
Sylvain Cambreling Dirigent
 
93.241;4010276021957

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