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CD-Besprechung

cpo 777 334-2

1 CD • 71min • 2006

08.01.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das auf CD erschreckend unterrepräsentierte Schaffen des phänomenalen schwedischen Komponisten Anders Eliasson (Jg.1947) findet mit dieser Produktion eine verdiente neue Würdigung. Das Konzert für Violine, Klavier und Orchester wurde 2005 beendet und geht auf eine Anregung von Ulf Wallin und Roland Pöntinen zurück, die hier auch die Solopartien übernommen haben. Das gewichtige Werk ist vergleichsweise klein besetzt; das Fehlen von Trompeten, Posaunen und Tuba kommt der Farbigkeit und Balance der Komposition sehr zugute. Von der Solo-Besetzung her knüpft es an das Doppelkonzert von Mendelssohn an. Die drei unmittelbar aufeinander folgenden Sätze wahren oberflächlich die Traditionen des klassischen Solo-Konzertes, enthalten beispielsweise ausgeprägte Kadenzen, doch das Material wird mit der von Eliasson bevorzugten Metamorphose-Technik beständiger Verarbeitung unterzogen. Das Werk wirkt dadurch ungemein facetten- und ereignisreich, doch zugleich hat es einen ganz eigenen, persönlichen Ton, der ihm große innere Geschlossenheit verleiht.

Mit dem Beginn der fast vierzigminütigen, zweiteiligen Sinfonie für großes Streichorchester betritt der Hörer dann eine völlig andere Welt. Das vom Ostbottnischen Kammerorchester und seinem Leiter Juha Kangas in Auftrag gegebene und 2003 uraufgeführte Stück wirkt aufgrund zahlreicher Selbstzitate und Anklänge fast wie eine tagebuchartige Selbstreflektion, eine "Musik hinter der Musik", die Bezug nimmt insbesondere auf das großartige Oratorium Dante Anarca, auf die Ostacoli, auf Desert Point und auf den Canto del Vagabondo – Seelenmusik von gewaltiger Größe und zugleich eigenartiger Fremdheit. Derartiges hat die skandinavische Musik seit Sibelius nur sehr selten hervorgebracht.

Das Schwedische Rundfunkorchester war bei den Aufnahmen im Mai 2006 in Topform. Der junge Dirigent Johannes Gustavsson läßt die Musik beeindruckend fließen und gestaltet sehr lebendig, wenn auch sein Musizieren nicht ganz die Intensität Juha Kangas erreicht. Der Klang im Doppelkonzert wirkt natürlich und präsent, so, wie ich die Berwaldhalle auch in eigener Erinnerung habe. Für die Streichersinfonie wurde jedoch ein kaum mehr akzeptables Maß an künstlichem Nachhall unterlegt. Man hat den Eindruck, die Aufnahmen seien in zwei völlig verschiedenen Räumen entstanden. Die konventionelle Aufstellung der Streicher bewirkt außerdem, daß die zweiten Geigen wie üblich ins Hintertreffen geraten und die Räumlichkeit des Klanges nicht gerade überragend wirkt: Ausgesprochen schade!

Dr. Benjamin G. Cohrs [08.01.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anders Eliasson
1Konzert für Violine, Klavier und Orchester 00:32:57
4Sinfonia per archi 00:38:25

Interpreten der Einspielung

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