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CD-Besprechung

Vaughan Williams – Complete Symphonies

Vaughan Williams – Complete Symphonies

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 25.07.08

Naxos 8.506017

6 CD • 6h 35min • 1992, 1993, 1996, 2002, 2003

„Behold, the Sea!” Wieder einmal reißen sie mich dahin, die gewaltigen Wogen, mit denen Ralph Vaughan Williams zu Walt Whitmans Worten seine erste Sinfonie entfesselt. Dieses Mal aber sind es nicht, wie sonst und so oft, der Chor und das Orchester des London Philharmonic in der legendären Einspielung von Sir Adrian Boult, sondern das Pendant aus Bournemouth unter dem weit weniger bekannten Paul Daniel. Und fast will es mir vorkommen, als gingen Gischt und Gezeiten höher in dieser Naxos-Aufnahme, die mir bei ihrer Erstveröffentlichung irgendwie entgangen ist („man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, was da ist, kennenlernen wollte,” erkannte Robert Schumann). Na, jetzt habe ich sie ja, im neuen Karton zusammen mit den fünf anderen CDs aus Bournemouth, deren größter Teil in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter Kees Bakels produziert wurde und schon damals bedeutendes Interesse auslösen konnte. Was damals noch fehlte, war neben der 2002 aufgenommenen Sea Symphony die Vierte, die Paul Daniel dann 2003 mit der ersten Norfolk Rhapsody und der Suite Flos Campi gekoppelt hat.

Dabei ist als erstes zu bemerken, daß Sir Adrian und seine Interpretation der mächtigen Meeres- Sinfonie endlich eine sehr ernsthafte Konkurrenz erhalten haben. Dem noblen Stil aus den sechziger Jahren begegnet hier eine Darstellung von unerwartetem Temperament, in dem die vier oratorischen Sätze nicht nur so klingen, als säßen Poseidon oder Okeanos mit ihrem jeweiligen Gefolge höchstselbst an den Pulten; auch die symphonische Konzeption ist derart gestrafft, daß die sonst gern in leicht unterkühlten Quantitäten verabreichten Leidenschaften des Komponisten mit aller Wucht über uns hereinbrechen. Falls jemand noch immer nicht glauben sollte, daß VW, wie ihn unsere insularen Nachbarn liebevoll nennen, ein ganz Großer war, der kann sich hier eines Bessern belehren lassen (oder schweige für immer!). Die Ausführenden, darunter der vorzüglich ausgewählte, genau zu dieser unverwechselbaren Art englischer Gesangslinien passende, strahlend hohe Bariton von Christopher Maltman, wissen zweifellos, was sie ihrem Landsmann schuldig sind...

Der prächtige Einstieg war dann die Aufforderung, die Box gleich komplett zu goutieren – immerhin lag einige Zeit zwischen dem letzten Hören der mir schon bekannten Produktionen und der neuen Begegnung, und da kann mancherlei geschehen. Was sich freilich im konkreten Falle zu einem noch merklicheren Enthusiasmus auswuchs, insbesondere bei den „entlegeneren” Stücken: Der orchestrale Swing im Kopfsatz der sechsten Sinfonie muß, wenn er so enthemmt ausgelebt wird wie in dieser fünfzehn Jahre alten Interpretation aus Bournemouth, zwangsläufig zu dem kapriziösen Saxophonscherzo führen; die nur scheinbar sperrige Achte (welch geniales Werk!) und die bis zum letzten Takt so enorm kraftvolle Neunte fesseln nicht nur durch ihren klingenden Einfallsreichtum, sondern künden darüber hinaus von emotionalen Schichten, deren Glut man uns gern hinter „steifer Oberlippe”, Bowler und Understatement verheimlichen will.

Als Paket betrachtet, ist diese Präsentation eine wertvolle, mitunter auch überlegene Ergänzung des Katalogs und sicher eine sehr annehmbare Gesellschaft für Sir Adrian. Wer dessen „Klassiker” sein eigen nennt, wird sich über die Alternative nicht grämen, und wer sie noch nicht alle (oder bislang überhaupt noch keinen Zugang zu Ralph Vaughan Williams’ Sinfonik) hat, macht nichts verkehrt, wenn er/sie damit beginnt. Tiefschürfende Informationen wird man aus den bekanntermaßen dünnen Begleitheften nicht ziehen; aber was sagen schon Worte, wo selbst Walt Whitmans herrliche Gedichte fast nebensächlich sind, wenn die Fluten der Musik sie davontragen...

Rasmus van Rijn [25.07.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Vaughan Williams Sinfonie Nr. 1 für Soli, Chor und Orchester (A Sea Symphony) 01:13:54
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 2 00:48:27
5 Overture to the incidental music for Aristophanes' The Wasps 00:09:28
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 3 (Pastoral Symphony) 00:37:30
5 Sinfonie Nr. 6 e-Moll 00:33:42
CD 4
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 4 f-Moll 00:32:10
5 Norfolk Rhapsody Nr. 1 e-Moll 00:10:14
6 Flos campi für Chor, Viola und Orchester (Suite) 00:20:10
CD 5
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 5 D-Dur 00:38:16
5 Sinfonie Nr. 9 e-Moll 00:29:54
CD 6
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 7 (Sinfonia antarctica) 00:40:38
6 Sinfonie Nr. 8 d-Moll 00:28:41

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Joan Rodgers Sopran
Christopher Maltman Bariton
Bournemouth Symphony Chorus Chor
Bournemouth Symphony Orchestra Orchester
Paul Daniel Dirigent
Kees Bakels Dirigent
Lynda Russell Sopran
Paul Silverthorne Viola
 
8.506017;0747313601738

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