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CD-Besprechung

The Welte-Mignon Mystery Vol. VII Arthur Schnabel today playing his 1905 interpretations

Tacet 146

1 CD • 63min • 2006

28.11.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Was die Bedeutung und die Aufnahmen Schnabels anbelangt, habe ich den Mund nie gehalten. Die geradezu automatisierte, wie abonnierte Begeisterung und Bewunderung vor allem für die Beethoven-Einspielungen des Pianisten ist mir stets zu chorisch, zu wenig differenziert vorgekommen. Und oft werden ja Werturteile von großen Autoritäten gerne übernommen, ohne sie durch die eigene, kritische Wahrnehmung überprüft zu haben. Ich möchte damit Schnabels geistige, seine musikphilosophische Leistung nicht in Frage stellen, aber die hier aus dem Jahr 1905 zusammen getragenen Aufnahmen bestätigen meine leisen Zweifel, das heißt: sie reklamieren einen Interpreten des wechselvollen Tastengriffs, einen Augenblicksgestalter von großer Momentanautorität im Bereich der sinngebenden Zeichnung, nicht aber einen Virtuosen von allererster Prägnanz und Zuverlässigkeit. Ich erinnere hier an die frühen Einspielungen etwa von Horowitz, Busoni oder Backhaus. Natürlich sind die Aufnahme- und Übertragungsprobleme der Rollentechnik zu berücksichtigen, nämlich was die posthume Einstellung des Zeitmaßes (des Tempos) und anderer Parameter anbelangt, so daß – trotz der ausgefeilten Nachjustierungstechnik von „historischen Aufnahmen einer historischen Interpretation“ – nur Annäherungswerte an die damalige Klang- und Artikulationswirklichkeit gewährleistet sind.

Von Interesse ist das Repertoire Schnabels bei dieser Gelegenheit allemal , denn „wienerische“ Tanz- und Seelenohrwürmer, Kleinigkeiten von Chopin und Webers Aufforderung zählen ja nicht unbedingt zu jenen literarischen Facetten, mit denen Schnabel seinen Nachruhm zementieren konnte. Allein aus diesem Grund werden die Schnabel-Verehrer weltweit zugreifen. Wer sich im Vorfeld der Kaufentscheidung nicht bis in die Weiten des Begleitheftes zu wagen traut, dem sei verraten, dass es sich bei Josef Strauß’ Walzer op. 164 um die Dorfschwalben handelt. Damit verrate ich auch, dass die Titelei auf der Coverrückseite etwas kurzatmig und uneinheitlich ausgefallen ist – wie etwa im Bereich von Opus-Zahlen und Angaben zum Deutsch-Verzeichnis bei Schubert.

Peter Cossé † [28.11.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Strauß
1Dorfschwalben aus Österreich op. 164 (Walzer) 00:08:17
Franz Schubert
2Impromptu As-Dur op. 90 Nr. 4 D 899 Nr. 4 00:07:32
Josef Lanner
3Altwiener Walzer 00:05:54
Franz Schubert
412 Walzer op. 77 D 969 (Valses nobles) 00:07:39
Johannes Brahms
5Intermezzo C-Dur op. 119 Nr. 3 (aus: Vier Klavierstücke op. 119) 00:01:31
Frédéric Chopin
6Etüde f-Moll op. 25 Nr. 2 00:01:19
Carl Maria von Weber
7Aufforderung zum Tanz op. 65 (orchestr.: Berlioz) 00:10:45
Johann Sebastian Bach
8Englische Suiten Nr. 1-6 00:02:54
Frédéric Chopin
9Etüde Ges-Dur op. 10 Nr. 5 (Schwarze-Tasten-Etüde) 00:01:43
10Nocturne g-Moll op. 15 Nr. 3 00:04:54
Franz Schubert
11Drei Klavierstücke D 946 op. posth. 00:08:31
Johann Sebastian Bach
12Toccata G-Dur BWV 916 00:01:59

Interpreten der Einspielung

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