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CD-Besprechung

Gottfried August Homilius: Johannespassion HoWV 1.4

Carus 2 CD 83.261

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 02.05.07

Carus 83.261

2 CD • 1h 59min • 2006

Es ist weithin bekannt, daß die repräsentativen Instrumente, vor allem die mit der Sphäre von Herrschaft konnotierten Trompeten und Hörner, während der Passionszeit in der protestantischen Kirchenmusik zu schweigen hatten – in den beiden bekanntesten Passionsoratorien nach Johannes und Matthäus von Johann Sebastian Bach sind denn auch nur Holzbläser besetzt. Der Hörer, der um diese Gepflogenheiten weiß, wird nicht wenig erstaunt sein, wenn er Gottfried August Homilius' Johannespassion kennenlernt, die Roderich Kreile mit dem Dresdner Kreuzchor und Barockorchester soeben in Ersteinspielung vorgelegt hat: Kurz vor dem Ende des ersten Teiles bricht der gesamte Aufführungsapparat in einen wahrhaft prachtvollen Chorals aus, dessen Gloria sei dir gesungen mit geradezu aufreizendem Hörnerschmettern ausgeschmückt ist. Dieser jubelnde Choral ist innerhalb des Passionsgeschehens so etwas wie ein auskomponierter Fremdkörper, und Kreile tut gut daran, das Befremdende nicht etwa herunterzuspielen, sondern vielmehr lustvoll auszukosten.

Auch unabhängig von diesen Auffälligkeiten jedoch ist die Passion Homilius' eine beachtliche Entdeckung. Homilius (1714–1785) hatte als Student unter Bach gesungen und zählte wohl auch zu dessen Schülerkreis; er wurde 1755 Kreuzkantor in Dresden, wo er bis zu seinem Tode wirkte. In weiten Teilen muß diese immerhin auch von Carl Philipp Emanuel Bach aufgeführte Passion den Vergleich mit Werken bekannterer Komponisten nicht scheuen; die Chöre erreichen zwar nicht die polyphone Monumentalität des Lehrers Bachs, aber namentlich die meist ausgreifenden Arien überzeugen durch die geschickte Kombination von Singstimme und kontrapunktischer Stimmführung.

Sängerisch und spielerisch ist die Ersteinspielung sehr gut gelungen; die Solisten, allen voran Jan Kobow als Evangelist und Tobias Berndt als Jesus, lassen junge, kräftige Stimmen hören, der sorgfältig einstudierte Dresdner Kreuzchor agiert sehr reaktionsschnell, das Barockorchester läßt angenehm scharfgerandete Streicher hören. Leider tut die durchgängig forsche Art Roderich Kreiles der Klangausbreitung oftmals Abbruch; offenkundig in dem Bestreben, Dramatik herzustellen, läßt Kreile etwa die Rezitative sehr knapp deklamieren, wobei die ariose Qualität mancher Stelle nicht ausgelotet wird, und auch manche rüde Abphrasierungen stören. Der energische Zugriff Kreiles, sein Hang zur kurzangebundenen Artikulation, paßt auch nicht zu allen Arien gleichermaßen; besonders die Lyrismen der Baßarie Nun kömmt die Stunde meines Leiden oder die Alt-Arie Wer kann den Rat der Liebe fassen leiden unter Kreiles Zackigkeit.

Dr. Michael B. Weiß [02.05.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.A. Homilius Johannespassion HoWV 1.4

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jana Reiner Sopran
Katja Fischer Sopran
Franz Vitzthum Countertenor
Jan Kobow Tenor
Tobias Berndt Bass
Clemens Heidrich Bass
Dresdner Kreuzchor Chor
Dresdner Barockorchester Orchester
Roderich Kreile Dirigent
 
83.261;4009350832619

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