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CD-Besprechung

BIS 1454

1 CD • 68min • 2003

23.08.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn allein die Begegnung mit einer künstlerisch gelungenen Produktion etwas grundsätzlich erfreuliches ist, so gibt es dazu doch immer noch die Steigerung: Jene Veröffentlichungen nämlich, die über sich selbst dergestalt hinausragen, daß sie einen schon beim Anhören motivieren, sich wieder mal ausführlicher mit vernachlässigter Materie, einem schlafenden Interessengebiet oder gar etwas auseinanderzusetzen, mit dem man sich „schon immer mal“ beschäftigen wollte.

Die hier vorliegenden Quartettkompositionen von Ottorino Respighi gehören zu dieser besonders vergnüglichen und erbaulichen Kategorie. Sie befördert einen sogleich ins echte fin de siècle, verführt dazu, wieder mal ein wenig Dante Gabriel Rosetti zu goutieren, etwas bei Oscar Wilde zu stöbern und sich zu fragen, warum Arnold Schönbergs pessimistischer „Augustin“ zwar die luft von andern planeten spürte, sich davon aber nicht wirklich hat anstecken lassen – so daß sein Opus 10 zwar „bedeutend“, „interessant“ und „wegweisend“ genannt wird, gewiß aber nicht so unmittelbar erwärmend wirkt wie das zur selben Zeit entstandene, hier vorliegende d-Moll-Quartett des fünf Jahre jüngeren Italieners oder gar dessen kammermusikalisches Poem Il tramonto für Mezzosopran und vier Streicher (oder Streichorchester), mit dem die neue BIS-CD beginnt. Diese dritte Vertonung einer italienischen Shelley-Übersetzung steht den Schönheiten der beiden orchesterbegleiteten Geschwister La sensitiva und Aretusa, die cpo kürzlich herausgebracht hat, in nichts nach, ist natürlicherweise noch weitaus filigraner geschrieben und läßt einen in der aktuellen Interpretation förmlich dahinschmelzen.

Was nun freilich kein Wunder ist, denn Stella Doufexis geht den subtilen Nuancen der Komposition mit einer oft schier unbeschreiblichen Sensibilität nach und setzt zarteste Akzente in die schwerelosen Texturen, die nichts von den schwarzen Wolken über Europa erkennen lassen – vermutlich, weil der Verfasser des Werkes davon überzeugt war, daß die Kunst zur Aufgabe hat, „diese Welt der Unvollkommenheiten durch den Schein des Vollkommenen zu durchleuchten, und durch die Ahnung einer höheren und besseren Wirklichkeit, die über diesem Leben liegt, zu erheben,“ wie das Philipp Spitta seinerzeit formulierte.

Das hört man auch in dem rund zehn Jahre später geschaffenen Quartetto dorico, das nun denselben Weg beschreitet wie etwa das Concerto gregoriano für Violine und Orchester oder das Klavierkonzert in modo misolidico: Der Ton ist handfester, zuversichtlicher, ganz ohne zahlenmystische Spekulation oder welterlöserische Geste auf ein unerschütterliches Fundament gestellt – unmittelbar packend, straff und doch weiträumig entworfen, kurzum ein bedeutendes Stück Musik, das nun noch einmal über sich selbst hinausweist und dazu motiviert, sich mal wieder mit Ottorino Respighi zu beschäftigen. Nein, nicht mit seinem „römischen Getöse“, sondern vielleicht mit Belphegor, der Toccata für Klavier und Orchester, der Kantate La Primavera und ähnlich delikaten Dingen, die eigentlich noch gar nicht recht entdeckt sind. Womit die hier präsentierte Produktion nun also endgültig die Bestnote für Interpretation verdient hat.

Rasmus van Rijn [23.08.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ottorino Respighi
1Il tramonto für Mezzosopran und Streichquartett
2Streichquartett d-Moll
3Quartetto Dorico

Interpreten der Einspielung

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