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CD-Besprechung

DG 002894775329

1 CD • 61min • 2003

31.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit einem regelrechten Fünf-Stern-Programm stellt sich die Deutsche Grammophon-Gesellschaft der weltweit grassierenden Klassik-Flaute: Wiener Philharmoniker, Pierre Boulez, dazu drei Sänger von bedeutendem Renommée, und dies im Dienste Gustav Mahlers, der seine magnetische Wirkung nach wie vor ungebrochen beibehält – all das verleitet nicht nur zu hohen, sondern zu höchsten Erwartungen. Daß dieser Anspruch reichlich, wenn auch nicht völlig restlos, erfüllt wird, kann bei einer Versammlung so starker künstlerischer Potenzen nicht verwundern. Hervorzuheben ist der farbenreiche, plastische Klang der Aufnahme, alle instrumentalen Linien treten klar und leuchtend hervor. Das Orchester unter Pierre Boulez‘ straffer, bis ins kleinste präziser und dennoch mitfühlender Leitung vollbringt eine meisterhafte Darbietung. Thomas Quasthoffs Wiedergabe der Lieder eines fahrenden Gesellen berührt durch innigen Vortrag und edel-sonoren, deutlich artikulierenden Gesang. Daß Quasthoff nicht über den – bei Mahler extrem geforderten – weiten Atem verfügt, wie ihn einst der junge Fischer-Dieskau besaß, und daher die Gesangsbögen mitunter teilen muß, bedeutet keine wesentliche Einschränkung, eher die Tatsache, daß seine Stimme in der forte-Attacke (im dritten Lied) einiges von ihrer Ausgewogenheit verliert und einen trockenen, rauhen Klang annimmt. Andererseits ist erstaunlich, wie leicht sich sein tief gelagertes Organ der teilweise tenoralen Region dieser Lieder anzuschmiegen vermag: mit perfekter Verwendung der Kopfstimme. Insgesamt also eine imponierende, auch ergreifende Leistung.

Nicht ganz auf gleicher Höhe stehen die Gesangsvorträge der Solistinnen Urmana und von Otter, in beiden Fällen bleibt die Wortdeutlichkeit oftmals auf der Strecke. Violeta Urmana, die ihre Laufbahn im Altfach begonnen hat und nun bereits in der ersten Reihe der dramatischen Sopranistinnen (vor allem Wagner) steht, trägt die Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert mit schöner, ausgeglichener Stimme vor, aber auch mit einem deutlich merkbaren Defizit an innerer Beteiligung. An ausdrucksstarke Interpretationen, wie sie von Kathleen Ferrier, Jessye Norman oder Christa Ludwig bekannt sind, darf man da nicht denken. Auch Anne Sofie von Otter muß mit den Kindertotenliedern hinter großen Vorbildern zurückstehen. Sie vermag zwar den traurigen Zyklus mit großer Impulsivität auszufüllen, als Handicap erweist sich jedoch die spezielle Tonlage der Komposition, die für Kontraalt gesetzt ist. Das schlanke, noch immer mädchenhaft-helle Organ der Sängerin hat große Mühe, sich in den tiefen Lagen zu behaupten. Als Künstlerin von hohem Rang gelingt es ihr aber immer wieder, dieses Manko zu kaschieren. Somit bedeutet diese Aufnahme eine Gabe von hohem Wert, auf die kleinere Trübungen keinen ernstlichen Schatten werfen können.

Clemens Höslinger [31.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gustav Mahler
1Lieder eines fahrenden Gesellen
2Blicke mir nicht in die Lieder (F. Rückert)
3Ich atmet' einen linden Duft (F. Rückert)
4Liebst Du um Schönheit (F. Rückert)
5Ich bin der Welt abhanden gekommen (F. Rückert)
6Um Mitternacht (F. Rückert)
7Kindertotenlieder für Singstimme und Orchester

Interpreten der Einspielung

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