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CD-Besprechung

J.S. Bach

Cantatas Vol. 14

Challenge Classics CC72214

3 CD • 3h 25min • 2000, 2001

04.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Ton Koopmans Konzept ist inzwischen hinlänglich bekannt, und man wird in der vierzehnten Folge seiner Gesamteinspielung der Bach-Kantaten – wie in allen weiteren auch – keinen Kurswechsel mehr erwarten. Sein Chor besteht weiterhin aus 18 oder 19 Sängern, womit Koopman ganz klar Position gegen die von Joshua Rifkin aufgestellte und seit Andrew Parrotts einschlägigem Buch nicht mehr zu widerlegende These bezieht, daß Bach seine Vokalwerke in der Regel mit einem oder zwei Sängern pro Partie aufgeführt habe. Koopman hat sich (wie Masaaki Suzuki, sein Schüler und Konkurrent in Sachen Bach, auch) auf ewig festgelegt. Wer an Bachs Kantaten vor allem aus historischer Perspektive Interesse hat, wird sich daher freuen, dass das kanadische Label Atma jüngst eine SACD-Gesamtaufnahme in solistischer Besetzung angekündigt hat.

Die Stärken von Koopmans Konzept liegen zweifellos im Instrumentalen, das nicht nur als Begleitung aufgefasst wird, sondern ein starkes, oft virtuoses Eigenprofil erhält. So werden die vor allem die Solobeiträge von Oboen, Geige oder Violoncello piccolo zu Glanzlichtern dieser Aufnahme. Technisch ebenso gut disponiert wie das Orchester zeigt sich der Amsterdam Baroque Choir.

Hingegen scheint Koopman bei den Solisten immer noch auf der Suche zu sein, mit Ausnahme vom Bass, wo er in Klaus Mertens seit der ersten Folge einen vorzüglichen Partner hat, der den Predigtcharakter der Texte überzeugend in Klang umsetzen kann. Von den drei Tenören kann Christoph Prégardien interpretatorisch am meisten überzeugen (auch wenn Koopman ihm gelegentlich mit straffen Tempi arg im Nacken sitzt), während bei Paul Agnew die Aussprache, bei Jörg Dürmüller die Ausdruckshaltung problematisch bleibt. Die Besetzung der Altpartien mit Frauen ist grundsätzlich sinnvoll, da Frauen im Vergleich zu Kontratenören den organischeren Ersatz für Knabenalte bieten. Hier wie auch bei den Sopranen hat Koopman jeweils recht unterschiedliche Timbres ausgewählt, was allerdings weniger auf die speziellen Bedürfnisse der Solopartien zugeschnitten zu sein als vielmehr organisatorische Gründe gehabt zu haben scheint. Insgesamt hinterlassen die Arien hier den Eindruck, dass technische Souveränität und Klangästhetik den Musikern wichtiger sind als die Suche nach dem besonderen musikalischen oder gar theologischen Gehalt.

Kurzum: Im Westen (wie auch im Osten bei Masaaki Suzuki) nichts Neues. Stärken und Schwächen dieses Unternehmens (wie auch der japanischen Konkurrenzveranstaltung) sind vollständig ausdiskutiert und werden konsequent fortgesetzt. Ärgerlich ist wieder einmal die ungenaue Redaktion des Beiheftes, die aus der Altistin Annette Markert eine Sopranistin macht. Uneingeschränkten Respekt verdient, dass Koopman, nachdem ihm sein Exklusivvertrag von Erato/Warner gekündigt wurde, das Bach-Projekt auf eigenes finanzielles Risiko fortsetzt.

Dr. Matthias Hengelbrock [04.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Also hat Gott die Welt geliebt BWV 68 (Kantate)
2Bleib bei uns, denn es will Abend werden BWV 6 (Kantate)
3Wer mich liebet, der wird mein Wort halten BWV 74 (Kantate)
4Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort BWV 126 (Kantate)
5Ach wie flüchtig, ach wie nichtig BWV 26 (Kantate)
6Mit Fried und Freud ich fahr dahin BWV 125 (Kantate)
7Wo Gott der Herr nicht bei uns hält BWV 178 (Kantate)
8Sinfonia D-Dur BWV 1045 für Violine solo, 3 Trompeten, Pauken, 2 Oboen, Streicher und basso continuo (zu einer verschollenen Kantate)
9Ihr werdet weinen und heulen BWV 103 (Kantate)
10Am Abend aber desselbigen Sabbats BWV 42 (Kantate)
11Liebster Immanuel, Herzog der Frommen BWV 123 (Kantate)

Interpreten der Einspielung

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