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CD-Besprechung

Marco Polo 8.225234

1 CD • 69min • 2000, 2001

23.10.2002

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Im Jahr 1912, ein Jahr vor der skandalträchtigen Premiere von Strawinskys Sacre, erlebte Paris die bejubelte Uraufführung eines Werkes, das fast dreißig Jahre lang in der Schublade gelegen hatte. Ernest Fanelli, seines Zeichens Schlagzeuger im Orchestre Colonne und als Komponist nach abgebrochenem Konservatoriumsstudium weitgehend Autodidakt, hatte seine Sinfonischen Bilder 1883-86 nach Théophile Gautiers Roman der Mumie komponiert, einem charakteristischen Zeugnis der im Frankreich des 19. Jahrhunderts herrschenden Ägypten-Begeisterung (ebenfalls von Gautier stammt der Text für eines der markantesten Werke des musikalischen Orientalismus, L.E.Reyers Sinfonie Le Sélam von 1850).

Fanellis in zwei Suiten gruppierte und mit suggestiven Überschriften versehene Orchesterbilder, die die Liebe einer jungen Ägypterin zu einem Hebräer sowie ein orgiastisches Fest im Palast des Pharao zum Inhalt haben, sind bemerkenswert, weil sie Stilelemente vorwegnehmen, die erst Jahrzehnte später bei Komponisten wie Debussy, Ravel, Schmitt, Respighi oder gar Bartók auftauchen. Der 23jährige erweist sich im Umgang mit Harmonik, Metrik und Instrumentation als phantasievoller Neuerer, der auch die traditionelle sinfonische Form zugunsten einer freien Entfaltung der Imagination aufbricht, freilich ohne dabei zu so zwingenden Resultaten zu gelangen wie Debussy. Nach dem Erfolg von 1912 (Fanelli hatte schon 18 Jahre zuvor resigniert das Komponieren einestellt) geriet das avantgardistische Werk schnell wieder in Vergessenheit.

Der Schweizer Adriano, Filmmusik-erfahrener Dirigent und unermüdlicher Sucher der verlorenen musikalischen Schätze, hat nun die "Mumie" wieder zutage gefördert und vermittelt so nicht nur eine Begegnung von historischem Interesse, sondern verhilft allen Freunden farbiger, exotisch angehauchter Orchestermusik zu einem reizvollen Hörerlebnis. Dies gilt auch für die um die selbe Zeit entstandene, gleichwohl weniger revolutionäre Rhapsodie nach original kambodschanischem Material von Bourgault-Ducoudray, die besonders durch ausgezeichnete Instrumentierung besticht.

Peter T. Köster † [23.10.2002]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernest Fanelli
1Tableaux symphoniques d'après Le Roman de la Momie (1883/1886 - Thèbes, Fêtes dans le palais du Pharaon)
Louis-Albert Bourgault-Ducoudray
2Rhapsodie cambodgienne (1882 - Introduction - Légende, Fête des Eaux)

Interpreten der Einspielung

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