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CD-Besprechung

Hector Berlioz: Béatrice et Bénédict op. 27

LSO Live 2 CD LSO 0004 CD

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 27.08.02

LSO Live LSO 0004 CD

2 CD • 84min • 2000

Das merkwürdige, fast anachronistisch anmutende Spätwerk (Béatrice et Bénédict kam 1862 in Baden-Baden zur ersten Aufführung) mutet fast wie ein Fremdkörper im Schaffen Hector Berlioz' an. Auf der Opernbühne konnte sich die heitere Shakespeare-Oper (sehr frei nach Viel Lärm um Nichts) nur selten behaupten. Zu extravagant ist die dramatische Struktur, zu hinderlich das Nebeneinander von gesprochenen Passagen und überdimensionalen Vokalstücken. Nur einige Nummern der Partitur, wie das bizarre Loblied auf den Wein von Syrakus (für Baritonsolo und Chor) haben einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Eine Annäherung an das interessante, eigenwillige Stück erfolgt daher am günstigsten über die Tonkonserve, wobei in diesem Fall die ungünstige Spieldauer von über knapp 80 Minuten die beiden CD-Scheiben kaum ausreichend füllen kann.

Die Neuaufnahme verzichtet auf die gesprochenen Dialoge und bringt einzig die musikalischen Teile des Werks, die im Stil der opera buffa aus klar abgegrenzten Nummern bestehen. Unter der Leitung von Colin Davis, ausgewiesen als kompetenter Berlioz-Dirigent, kommt eine Wiedergabe zustande, die höchste Ansprüche zufriedenstellt. Das London Symphony Orchestra läßt alle Klangeffekte leuchtend hervortreten, verleiht aber auch den elegischen Momenten Tiefe und verklärende Stimmung. Die anspruchsvolle Partie der Béatrice (sie ist mit einer monumentalen, ungeheuer schwierigen Arie „gesegnet“) wird von der gebürtigen Albanerin Enkelejda Shkosa bravourös bewältigt. Mit dieser jungen Mezzosopranistin wächst ein eminentes Talent heran, das sich schon auf großen Opernbühnen bewährt hat. Auch Susan Gritton als Hero (sie hat ebenfalls ein brillantes Gesangsstück zu absolvieren) und die übrigen Solisten bieten eindrucksvolle Leistungen. Einzig der Chor mit seinen roh herausplatzenden Stimmen steht nicht auf der Höhe der übrigen Mitwirkenden.

Die Aufnahme erscheint auf dem eigenen Label des London Symphony Orchestra (LSO), das sich auf Life-Wiedergaben spezialisiert. Die Zeitangaben der einzelnen Nummern sind nicht in allen Fällen korrekt.

Clemens Höslinger [27.08.2002]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Berlioz Béatrice et Bénédict op. 27

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Enkelejda Shkosa Béatrice - Mezzosopran
Kenneth Tarver Bénédict - Tenor
Susan Gritton Hero - Sopran
Sara Mingardo Ursula - Mezzosopran
Laurent Naouri Claudio - Bariton
David Wilson-Johnson Somarone - Baß
Dean Robinson Don Pedro - Baß
London Symphony Chorus Chor
London Symphony Orchestra Orchester
Sir Colin Davis Dirigent
 
LSO 0004 CD;5030820017471

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