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CD-Besprechung

Teldec 8573-85402-2

3 CD • 2h 39min • 2001

01.12.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Was Nikolaus Harnoncourt mit dieser Aufnahme leisten will, ist nichts weniger als eine radikale Neuentdeckung von Verdis Aida - eine Neuentdeckung durch gründliche Befreiung von verkrusteten Aufführungskonventionen, die das Werk zu jener bombastisch verkitschten Ägypten-Revue deformiert haben wie sie bis heute, ins Gigantische gesteigert, in der Arena von Verona als touristisches Massenspektakel vorgeführt und bejubelt wird. Stattdessen konzentrieren sich Harnoncourt - und die ihm minutiös folgenden Wiener Philharmoniker - auf orchestrale Feinarbeit, subtile Ausleuchtung dynamischer Nuancen und Schattierungen, instrumentale Transparenz, Differenzierung farblicher Valeurs, höchste rhythmische Präzision, wie sie bis heute kaum eine der mehreren Dutzend Aida-Einspielungen vorzuweisen hat. Vieles an der kammermusikalischen Ausdeutung der Partitur erinnert an Karajans singuläre Salzburger und dann auch von der DG publizierte Ring-Interpretation, die in ihrem filigranen, mikroskopisch detaillierten Musizieren bis heute einmalig geblieben ist.

Aber so faszinierend und ungewöhnlich der rein orchestrale Aspekt in beiden Fällen ausfällt, so problematisch zeigt sich die gesangliche Seite - ebenfalls in beiden Fällen. Denn der Einsatz von sehr leichtgewichtigen, kleinkalibrigen Stimmen zur Betonung und Herausarbeitung vor allem der - fraglos vorhandenen - zahlreichen leisen, lyrischen Momente bedeutet gleichzeitig einen Verzicht auf die denn doch auch zu berücksichtigenden dramatischen, extravertierten, auftrumpfenden Züge. Genauso unbefriedigend wie eine einseitige Überfrachtung der Partien durch stimmlich allzu schwer "gepanzerte" Heroinen und Helden à la Nilsson oder del Monaco ist die hier getroffene extrem gegenätzliche Wahl: da mögen Thomas Hampsons darstellerische Intelligenz und gesangliches Können dem sonst einseitig als augenrollend-grimassierend und als nur brüllenden "Bösewicht" vorgeführten Amonasro noch so menschliche, psychologisch nuancierte Züge abgewinnen - wenn die stimmlichen Kapazitäten für die heftigen Beschimpfungen des Äthiopien-Königs gegenüber seiner Tochter im Nil-Akt fehlen, dann fehlt eben auch ein wichtiger Aspekt dieser Partie. Wenn Cristina Gallardo-Domâs' lyrischer Sopran ausgerechnet Mängel in jenen Bereichen hören läßt, die eigentlich zu ihren Stärken gehören müßten - in den piano-Spitzentönen, in der Messa di voce -, dann stellt sich die Frage nach Sinn und Zweck dieser Besetzung. Wenn sich Matti Salminen inmitten dieses leichtgewichtigen stimmlichen Umfelds ausnimmt wie ein unförmiger, überdimensionaler erratischer Block, der sich mit jedem piano-Ton abquält und dem man anmerkt, daß er viel lieber losorgeln möchte - und könnte! -, dann versteht man diese Besetzung nicht. Einzig Olga Borodina gelingt es, sowohl den intimen, lyrischen Ton für das zwischen ihr, Aida und Radamès sich abspielende Personendrama zu treffen als auch zur großen dramatischen Geste auszuholen für ihren fulminanten Auftritt in der Gerichtsszene des vierten Akts. Und dies gelingt ihr keineswegs zufällig, denn sie ist das Mitglied dieser Besetzung, das über die reichste dynamische Skala gebietet. Borodinas Antipode ist Vincenzo La Scola - der einzige Italiener des Ensembles - als Radamès, der nur über einen viel zu leichten, in dieser Partie überforderten Durchschnittstenor verfügt und diese Defizite gestalterisch in keiner Weise zu kompensieren vermag.

Fazit: eine sehr begrüßenswerte Idee des Dirigenten, zu deren Umsetzung ihm aber die geeigneten vokalen Mitstreiter fehlen. Und damit eher ein Dokument für den derzeitigen Tiefstand des Verdi-Gesangs.

Kurt Malisch † [01.12.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giuseppe Verdi
1Aida (Oper in vier Akten)

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