Amalie's Cosmos
Anne-Sophie Bertrand
Pentatone classics PTC 5187 497
1 CD • 78min • 2025
08.04.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Die Auseinandersetzung mit der Musik von Komponistinnen hat in den letzten Jahren zum Glück stark zugenommen. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand widmet sich auf ihrer neuen CD „Amalie’s Cosmos“ jedoch einem ganz anderen Frauentyp. Denn hier handelt es sich nicht um eine Komponistin, sondern Amalie Beer gehörte zu den wichtigsten Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts in Berlin, hatte sie dort doch einen bedeutenden Salon. In den Salons trafen sich unter anderem Künstler, Gelehrte, aber auch Interessierte. Somit boten sie eine wichtige Möglichkeit des Austausches in einem kleinen Rahmen: Hier konnten Kompositionen ausprobiert werden, bevor sie der großen Öffentlichkeit präsentiert wurden. In der Semi-Öffentlichkeit des Salons konnten auch Frauen auftreten – in einer Zeit, in der dies noch nicht selbstverständlich war. Gastgeberinnen der Salons waren in der Regel Frauen, die ein besonderes Händchen dafür hatten oder bis heute haben, ein Netzwerk aufzubauen und Menschen unterschiedlicher Couleur zusammenzubringen. Zudem war es in dieser Zeit für Frauen auch nicht möglich, öffentlich als Konzertveranstalterin, Galeristin oder Literaturmäzenin aufzutreten – im Rahmen der Salons, die in der Regel in den eigenen vier Wänden stattfanden, konnten sie all diese Funktionen ausfüllen. Amalie Beer führte aber nicht nur einen der wichtigsten Berliner Salons, sondern war auch die Mutter des Komponisten Giacomo Meyerbeer, des Astronomen Wilhelm Beer und des Dichters Michael Beer.
Ausflug in den Salon von Amalie Beer
Zu den Besucherinnen und Besuchern ihres Salons, der neben dem Salon der Familie Mendelssohn der einzig große in Berlin war, gehörten unter anderem die Sängerin Angelica Catalani, Muzio Clementi, Johann Ladislaus Dussek, Alexander von Humboldt, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Niccolò Paganini, August Wilhelm Schlegel, Wilhelmine Schröder-Devrient, Henriette Sontag, Louis Spohr und Rahel Varnhagen. An dieser Liste sieht man, dass Männer und Frauen beide stark vertreten waren. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand lässt auf „Amalie’s Cosmos“ die Musik in diesem Salon wieder aufleben. So finden sich auf der CD Werke von Franz Liszt, Michael Glinka, Niccolò Paganini, Fanny Hensel, Louis Spohr, Carl Maria von Weber, Elias Parish Alvars, Pauline Viardot, Albert Zabel und Claude Debussy. Leider ist aufgrund des Booklets nicht immer direkt ersichtlich, bei welchen Werken es sich um Originalwerke für Harfe handelt, da auch Übertragungen vom Klavier nicht immer auf den ersten Blick als Arrangement gekennzeichnet sind. Die Arrangements für Harfe hat Bertrand überwiegend selbst geschrieben, zu den wenigen Originalwerken für Harfe solo gehört die Fantasie c-Moll von Louis Spohr. Mit ihrer Auswahl macht Bertrand tatsächlich den „Cosmos“ auf, denn so finden sich hier zahlreiche Namen, die auch bei Amalie Beer zu Gast waren, ebenso wie weitere Vertreter der Zeit. Es ist also durchaus möglich, dass diese Werke an einem Abend bei „Mama Beer“ erklangen, jedoch ganz ersichtlich wird es nicht, ob die Musik dort zu erleben war. Bertrand setzt die Werke gekonnt und virtuos um und hat eine gelungene Mischung zusammengestellt. Bei dem Konzept, das hochspannend ist, stellen sich natürlich noch einige Fragen, die vielleicht in einer weiteren Folge beantwortet werden können.
Verena Düren [08.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Liszt | ||
| 1 | Konzertetüde Nr. 3 Des-Dur S 144/3 (Un sospiro) | 00:06:12 |
| Mikhail Glinka | ||
| 2 | The Lark (aus: A Farewell to St. Petersburg) | 00:05:02 |
| Niccolò Paganini | ||
| 3 | Caprice E-Dur op. 1 Nr. 9 (La Caccia) | 00:03:49 |
| Nimrod Borenstein | ||
| 4 | Capriccio op. 107 | 00:03:03 |
| Fanny Mendelssohn-Hensel | ||
| 5 | Notturno g-Moll H 337 | 00:04:25 |
| Louis Spohr | ||
| 6 | Fantaisie c-Moll op. 35 | 00:08:03 |
| Carl Maria von Weber | ||
| 7 | Aufforderung zum Tanz op. 65 (Rondo brillant) | 00:08:01 |
| Elias Parish-Alvars | ||
| 8 | Nobil Signor | 00:03:46 |
| Pauline Viardot-Garcia | ||
| 9 | Sérénade | 00:03:57 |
| Albert Zabel | ||
| 10 | Fantaisie sur les mots de l'opéra Faust de Gounod op. 12 | 00:11:57 |
| Franz Liszt | ||
| 11 | Le Rossignol S 250 (Air Russe) | 00:04:39 |
| Claude Debussy | ||
| 12 | I. Pagodes (aus: Estampes) | 00:05:20 |
| 13 | II. La Soirée dans Grenade (aus: Estampes) | 00:05:24 |
| 14 | III. Jardins sous la pluie (aus: Estampes) | 00:04:35 |
Interpreten der Einspielung
- Anne-Sophie Bertrand (Harfe)
