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Empfehlungen 2025
Empfehlungen der zurückliegenden Jahre:
... Verso l'Interno ...
Christian FP Kram • Klavierwerke
Castigo 24103
1 CD • 67min • 2023
19.03.2025 • 10 10 10
Läuft die intellektuelle Auseinandersetzung mit formalen Fragen von musikalischen Formen und Proportionen zwangsläufig auf abstrakte, manchmal esoterische L'art pour l'art hinaus? Wer bislang diese Vorstellung hatte, darf sich mit dem Hören dieser CD mit Werken des Komponisten Christian FP Kram eines Besseren belehren lassen. Aber was heißt hier schon belehren? Die Stücke, alle während der letzten 20 Jahre entstanden, werden hier durch fünf hochmotivierte Interpreten mit einer Unmittelbarkeit zum Klingen gebracht, als würden sie gerade erst im Moment des Spielens kreiert. Einer Reise in die Tiefen des Klangraums eines mächtigen Konzertflügels und in die Essenz des musikalischen Ausdrucks steht somit nichts mehr im Wege. So will es ja auch der Titel dieses Albums: „...verso l'interno..." – nach innen gerichtet.
And Every Little Star
Music by Sammartini, Roman, Vivaldi and Fiorenza
arcantus arc 24054
1 CD • 51min • 2023
09.01.2025 • 10 10 10
Die dänische Flötistin Clara Guldberg Ravn hat schon mit Aufnahmen von Flötensonaten des dänischen Komponisten Morten Ræhs aufhorchen lassen. Jetzt hat sie eine weitere CD mit Flötenkonzerten aus dem Barock vorgelegt, in deren Booklet sie schreibt: „Ich hoffe, Sie haben Freude daran, unsere CD anzuhören.“ Und in der Tat: Es ist eine wahre Freude, diese CD anzuhören! Die Flötistin verwendet für jedes Konzert eine andere Blockflöte – alles ist sorgfältig dokumentiert im liebevoll gestalteten und kenntnisreich gehaltenen dreisprachigen Booklet. Die Abfolge der vier Konzerte (die im Booklet allerdings eine andere ist) ist nach dramaturgischen Grundsätzen gehalten: Die Dramatik steigert sich von Konzert zu Konzert. Clara Guldberg Ravn beherrscht ihr Instrument bzw. alle verwendeten Instrumente mühelos und meisterhaft, es sind keine Griffgeräusche, sie scheint nie zu atmen, alles scheint auf einem ewigen Luftstrom zu schweben.
Elfrida Andrée
Symphony No. 1 • Fritiof-Svit
cpo 555 589-2
1 CD • 63min • 2022
17.03.2025 • 10 10 10
Wenn es um komponierende Frauen geht, fällt auch dieser Name immer wieder: Elfrieda Andrée. Die schwedische Komponistin war nicht nur die erste Domorganistin überhaupt, sie kämpfte an mehreren Fronten für die Rechte der Frauen, erkämpfte nicht nur sich das Recht, einen solch renommierten Posten überhaupt bekleiden zu dürfen, sondern sorgte auch für andere berufliche Perspektiven ihres Geschlechts – etwa das Recht als Telegraphistinnen tätig sein zu dürfen. Mit den Vorurteilen der Männer hatte sie dabei immer zu kämpfen, wie sich aus vielen Rezensionen herauslesen lässt. Um so spannender ist es, wenn man sich nun selbst ein Urteil bilden kann, da viele neue Notenausgaben und CD-Aufnahmen das Bild der komponierenden Frau in der Musikgeschichte zu korrigieren trachten. Zu Recht!
L' Appel Du Cor
Hervé Joulain Horn • Fanny Azzuro Piano
TYXart TXA25203
1 CD • 68min • 2024
18.10.2025 • 10 10 10
Über das Horn gibt es unter Musikern viele Witze, die meist die Tatsache betreffen, dass dieses Instrument in Symphonien oft lange Pausen hat und dann, wenn es spielen muss, kiekst. Diese CD entzieht allen diesbezüglichen Witzen den realen Boden: Hervé Joulain ist ein weltbekannter und -geschätzter Hornist. Geboren 1966, war er schon in jungen Jahren Solo-Hornist beim Orchestre philharmonique de Radio France, dann beim Orchestre nationale de France und derzeit bei der Filarmonica Toscanini in Parma, hat am Conservatoire de Paris gelehrt, gibt nun Meisterkurse in aller Welt und hat bereits über 20 CDs aufgenommen.
L' Arte del Virtuoso Vol. 5
Baroque Meets Orient
caterva musica
MDG 626 2350-2
1 CD • 70min • 2024
04.05.2025 • 10 10 10
“Der erhabene Staat” nannte sich das osmanische Reich, das seit der Eroberung Konstantinopels 1453 auf der Weltbühne endgültig den Platz von Byzanz, dem ehemaligen oströmischen Reich, einnahm. Gegenpart im Westen waren das “Heilige Römische Reich Deutscher Nation”, die “allerchristlichen” Könige von Frankreich und die “katholischen” Könige von Spanien, um nur die wichtigsten Monarchien der römisch-katholischen Sphäre zu nennen. Im Gegensatz zu dieser Selbstinszenierung staatlicher Macht im mittelmeerischen Raum richtet diese CD ihr Augenmerk auf die musikalische Begegnung beider Kulturen, die nicht − wie die politischen Systeme − in Konfrontation zueinander standen, sondern fruchtbar aufeinander einwirkten.
BACH
Tim Allhoff
Berlin Classics 0303428BC
1 CD • 72min • 2024
01.04.2025 • 10 10 10
Hat man sich in der Vergangenheit mit der Karriere des deutschen Pianisten Tim Allhoff beschäftigt, so bringt man ihn – bei aller Wertschätzung – eigentlich eher nicht mit einem reinen Bach-Album in Verbindung. Und doch hat er genau dieses bei Berlin Classics herausgebracht und überzeugt mit jeder einzelnen Note. Allhoff, Jahrgang 1980, ist vor allem bekannt dafür, pianistischer Grenzgänger zu sein, der sich dem verbreiteten Schubladendenken in der Klassikszene verweigert und sich in seiner Musik – als Interpret, aber auch Komponist und Arrangeur – gerne zwischen den Genres aufhält. Mit der CD „Bach“ bringt er nach mehreren preisgekrönten Aufnahmen unter eigenem Namen sowie mit hochkarätigen Namen wie Nils Wülker, Fatma Said, dem Leonkoro Streichquartett und sogar Robbie Williams nun seine erste rein klassische Aufnahme heraus.
J.S. Bach
Works for lute Vol. II
Jadran Duncumb
Audax Records ADX11214
1 CD • 53min • 2024
07.03.2025 • 10 10 10
Obwohl Bach als ausübender Musiker eine Vielzahl Instrumente beherrschte, spielte er die Laute nicht. Dennoch hat er ein zwar kleines, aber exquisites Œuvre für das Instrument hinterlassen, und seine idiomatische Vertrautheit mit der Laute dürften nicht zuletzt Ratschläge des bedeutenden Lautenisten Silvius Leopold Weiss (1687-1750), mit dem Bach freundschaftlich verbunden war, befördert haben. So sind Bachs Kompositionen für Laute solo, von denen Jadran Duncumb hier seine zweite Einspielung vorlegt, als bedeutendes Beispiel spätbarocker Literatur für dieses empfindsame Instrument zu werten, bevor es im weiteren musikalischen Schaffen des 18. Jahrhunderts in eine gründliche Vergessenheit geriet – erst mit der historisch informierten Musikbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte die reiche Literatur für die Laute wieder eine angemessene Wertschätzung erreichen.
Johann Sebastian Bach
Die Kunst der Fuge
Il Gusto Barocco • Jörg Halubek
Berlin Classics 0303621BC
1 CD • 70min • 2024
03.09.2025 • 10 10 10
Bachs „Kunst der Fuge“ in einer Fassung für historische Streich- und Blasinstrumente, ergänzt durch Orgel und Cembalo, arrangiert und geleitet von Jörg Halubek – so macht das Ensemble „il Gusto Barocco“ das einzigartige Werk zum Hörvergnügen. Die Struktur der 18 Einzelnummern bis zum Choral „Wenn wir in höchsten Noethen“ wird durchschaubar, zugleich werden die Kanons und Fugen farbenfroh dargestellt.
Johann Sebastian Bach
Goldberg Variationen
Marcel Mok piano
Ars Produktion ARS 38 512
1 CD • 80min • 2024
20.08.2025 • 10 10 10
Wenn man bei Bachs Goldberg-Variationen die klaviertechnischen Schwierigkeiten hört, ist’s vorbei mit der Wirkung. Wenn man die Aufnahme mit dem deutsch-taiwanesischen Pianisten Marcel Mok hört, braucht man jedoch keine Sorgen zu haben: Er kann in dem Reigen der über 50 Aufnahmen dieses epochalen Klavierwerks bestehen und ein wichtiges Wort mitreden. Marcel Mok ist 1994 in Stuttgart geboren, hat unter anderem bei Bruno Canino in Italien studiert und in Paris am Conservatoire National Supérieur de Musique sowie an der Universität der Künste Berlin, wo er 2023 sein Konzertexamen mit Bestnote abgeschlossen hat. Diese CD ist seine Debut-CD: ein hörbares Ausrufezeichen!
Johann Sebastian Bach
Sonata BWV 1003 • Suite BWV 997 • Suite BWV 1006a
Stephen Marchionda guitar
MDG 903 2354-6
1 CD/SACD stereo/surround • 63min • 2024
26.03.2025 • 10 10 10
Geradezu liebevoll beschreibt der amerikanische Gitarrist Stephen Marchionda seine Gitarre, deren Bau, deren Gitarrenbauer und dessen Werkstatt in Spanien. Und genauso liebevoll klingt sein Spiel. Er hat drei Sonaten bzw. Partiten von Bach für Gitarre transkribiert, die ursprünglich für Violine und Laute bzw. ein Lautenwerck komponiert waren. Man muss hier nicht diskutieren, ob die E-Dur-Suite BWV 1006a ursprünglich für Violine oder Laute gedacht war oder ob man alles für eine Gitarre adaptieren „darf“: Bach hat selber viele seiner Werke für andere Instrumente arrangiert. Man kann es und man „darf“ es, wenn nichts von der ursprünglichen musikalischen Gestaltung verlorengeht. Marchionda, der schon höchst erfolgreich Klaviersonaten von Domenico Scarlatti für Gitarre arrangiert hat, macht es und er macht es glänzend.
Johann Sebastian Bach
Sonatas & Partitas for violin solo BWV 1001 - 1006
Coviello Classics COV 92405
2 CD • 2h 06min • 2019, 2020
12.02.2025 • 10 10 10
Die Sammlung „Sei Solo“ von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 1720 enthält je drei Sonaten und Partiten für Violine ohne Generalbass-Begleitung. Der 1961 in Freiburg geborene Geiger Christoph Timpe hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese einzigartigen Werke nach den Prinzipen der historischen Aufführungspraxis aufzunehmen. Der Klang seines Instruments, das von einem Anonymus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt, ist hell und klar, gestimmt auf einen niedrigeren Kammerton als heutige Geigen. Dass die Lautstärke verhältnismäßig gering ist, wird durch die Aufnahmetechnik ausgeglichen.
Bach Sans Bach
Marie Radauer-Plank
Audax Records ADX111216
1 CD • 57min • 2022, 2024
10.12.2025 • 10 10 10
Eine Bach-CD ohne Bach, dieses Kunststück muss man auch erst mal fertigbringen. Die Geigerin Marie Radauer-Plank hat das geschafft: „Bach sans Bach“ lautet der Titel ihrer CD, auf der sie Solo-Werke aufgenommen hat, die mehr oder weniger direkt mit der Musik Bachs in Verbindung stehen. Im Falle von Johann Paul von Westhoff ist das die direkte Bekanntschaft mit Bach, der Westhoffs Musik zweifellos gekannt hat – und natürlich umgekehrt. Westhoffs d-Moll Suite ist ein treffliches Beispiel für die Musik dieser Zeit, die auch für Bach eine Rolle gespielt haben dürfte.
Bach's Horns
Solomon's Knot
Prospero Classical PROSP0115
1 CD • 18min • 2023
26.09.2025 • 10 10 10
Die Formation Solomon’s Knot hat sich einen Namen als Garant für unkonventionelle neue Zugänge zu Alter Musik gemacht. So hält sie es auch auf ihrer neuesten CD: hier kombiniert man eine der Kurzmessen von Johann Sebastian Bach, nämlich jene in F-Dur (BWV 233.2) mit dem ersten Brandenburgischen Konzert (BWV 1046.2) und der Kantate „Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd“ (BWV 208.1). Verbindende rote Fäden gibt es gleich mehrere: zum einen hat Bach in allen diesen Werken alte Werke recycelt, zum anderen spielt in allen diesen Werken das Horn eine besondere Rolle, was auch in durchaus launiger Weise im Booklet thematisiert wird.
Elsa Barraine
Symphonies 1 & 2
cpo 555 704-2
1 CD • 62min • 2024
23.06.2025 • 10 10 10
Die 1910 geborene Elsa Barraine machte erstmals öffentlich auf sich aufmerksam, als sie 19-jährig den begehrten Rompreis gewann. In den 1930er Jahren festigte sie vor allem mit Orchesterwerken ihren Ruf als eines der herausragenden jungen Talente der französischen Musik. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den sie – als Jüdin, Kommunistin und Widerstandskämpferin gegen die deutsche Besatzung gleich mehrfach gefährdet – im Untergrund überstanden hatte, war sie als Professorin am Pariser Konservatorium, später als Inspekteurin der staatlichen Musiktheater im Dienste des Kulturministeriums weiterhin eine feste Größe im Musikleben Frankreichs, geriet jedoch künstlerisch zunehmend ins Abseits, da sie sich den avantgardistischen Moden verweigerte.
Ludwig van Beethoven
Bagatelles & Variations
cpo 555 564-2
1 CD • 77min • 2020, 2022
19.06.2025 • 10 10 10
Der 1955 in Köln geborene Pianist Michael Korstick legt mit seinem neuen Album ausgewählte Bagatellen und Variationen Beethovens vor. Dabei verzichtet er auf die bedeutendsten Werke des Meisters auf diesen Gebieten wie die Bagatellen op. 126 und die Eroica-Variationen op. 35 oder gar die Diabelli-Variationen op. 120. Dafür gewährt er großartige Einblicke in die Werkstatt des Komponisten, seine unbegrenzte Fantasie beim Aufspüren neuartiger melodischer, harmonischer, satztechnischer Möglichkeiten.
Ludwig van Beethoven
Complete Violin Sonatas
Lena Neudauer • Paul Rivinius
cpo 555 550-2
3 CD • 3h 50min • 2022
25.08.2025 • 10 9 10
Bekommt man als Rezensent eine Gesamtaufnahme der Sonaten für Klavier und Violine – um wenigstens einmal die vom Komponisten bevorzugte Rangfolge zu nennen – von Ludwig van Beethoven zur Besprechung auf den Schreibtisch, stellt man sich naturgemäß die Frage, ob noch eine Einspielung dieser Werke unbedingt vonnöten wäre und betrachtet diese mit einer gewissen Unlust. Wenn man dann allerdings bereits von den ersten Takten der Sonate op.12,1 gefesselt ist, ahnt man, dass hier Großes geschehen sein könnte. Wenn man dann unbedingt die nächsten beiden CDs hören will, weiß man, dass dem so ist und dass Lena Neudauer und Paul Rivinius ein Meisterstück glückte.
Ludwig van Beethoven
Sonaten für Klavier und Violine
Stefania Neonato, Fortepiano • Christine Busch, Violine
SWRmusic SWR19157CD
1 CD • 63min • 2024, 2022
30.04.2025 • 10 10 10
Etwas überrumpelnd-frisch, lebendig bis stürmisch und immer wie auf dem Sprung wirkt die Interpretation dreier Violin-Sonaten von Beethoven durch das Duo Stefania Neonato (Fortepiano) und Christine Busch (Violine) – wie ein Abbild des oft mürrisch-trotzigen Komponisten. Dieser Eindruck wird noch bestätigt durch die exzellente Tonregie, die beide Instrumente klanglich gleichwertig nach vorne stellt und den Raum – das Haus der Musik im Fruchtkasten in Stuttgart – unauffällig, aber durchaus wirkungsvoll mitschwingen lässt. Die anspringende Wirkung des Spiels der beiden Solistinnen wird noch durch die Wahl des Instruments verstärkt...
Ludwig van Beethoven
Theatre Music
cpo 555 754-2
4 CD • 4h 23min • 2018,2019, 2020
20.10.2025 • 10 10 10
Beethoven hat mit dem Musiktheater gerungen, sein „Fidelio“ ist nur ein Teil dieses Ringens. Verdienstvoll ist es deswegen, alle seine Theatermusiken einmal versammelt zu hören, aufgewertet durch Schauspieler, die die Haupt- oder Zwischentexte sprechen bzw. deklamieren. Da wird die Musik zur Rhetorik und die Rhetorik zur Sprachmusik.
Beyond Bach
Forgotten Treasures of the German Baroque
Astrid Knöchlein oboe & recorder
Ars Produktion ARS 38 670
1 CD • 78min • 2023
10.06.2025 • 10 10 10
Deutsche Barockmusik ohne Bach und Händel? Die Musikerin Astrid Knöchlein, die am Konservatorium Bern unterrichtet, macht’s möglich mit einer Auswahl von zwölf „vergessenen Schätzen“, Sonaten für Barockoboe oder Blockflöte mit Basso continuo. Fündig wurde die Interpretin beispielsweise in einer Brüsseler Bibliothek bei einem Sammelband aus dem Nachlass Friedrichs des Großen, der ja selbst ein begeisterter Flötist war. Weitere Entdeckungen gab es im Umfeld der Bach-Familie, und schließlich fand man in Georg Philipp Telemanns Sammlung „Der getreue Musikmeister“ eine interessante Blockflötensonate in C-Dur.
Beyond Horizons
Ethel Smyth • Amanda Maier • Edvard Grieg
Liv Migdal Violin • Mario Häring Piano
hänssler CLASSIC HC24015
1 CD • 71min • 2024
05.09.2025 • 10 10 10
Unter dem Motto „Beyond Horizons“ haben die in Herne geborene Geigerin Liv Migdal und der aus Hannover stammende Pianist Mario Häring ein interessantes Programm mit spätromantischer Kammermusik zusammengestellt. Der musikalische Horizont wird vor allem erweitert durch die Entdeckung der a-Moll-Violinsonate der englischen Komponistin Ethel Smyth und der sechs Stücke für Violine und Klavier der Schwedin Amanda Maier. Gut bekannt ist dagegen die zweite Violinsonate op. 13 des Norwegers Edvard Grieg. So international diese Werkauswahl auch wirkt, so eng ist jedoch die Verknüpfung der Komponisten: die Drei lernten sich in Leipzig kennen, der Musikstadt, die damals durch Robert und Clara Schumann, durch Lehrer wie Carl Reinecke und Engelbert Röntgen überregionalen Ruf gewann.
Blackbird & Ancestors
Beth Levin Live in Concert
Mozart • Tiessen • Schubert
Aldilà Records ARCD 026
1 CD • 78min • 2024
11.11.2025 • 10 10 10
Unter den Händen von Pianistinnen und Pianisten der jüngeren bis mittleren Generation werden Franz Schuberts späte Klaviersonaten derzeit gerne zum Schauplatz der Extreme ausgebaut: mit kaum mehr hörbaren Pian-Pianissimo-Werten einerseits und emotionalen Entgrenzungen andererseits. In diesem Kontext ist es eine willkommene und in Vielem erhellende Abwechslung, mit Beth Levin einer Meisterin klassischen, nicht: klassizistischen Schubert-Spiels zu begegnen. Levin, Jahrgang 1950, zu deren Lehrern Marian Filar, Rudolf Serkin und Dorothy Taubman gehörten, legt hier den Live-Mitschnitt einer offenkundig hochkonzentrierten Münchner Aufführung aus dem letzten Jahr vor.
Brahms & Gernsheim
Piano Quartets Vol. 3
Mariani Klavierquartett
Audax Records ADX11213
1 CD • 62min • 2024
30.05.2025 • 10 10 10
Vor nahezu vier Jahren hatte ich an dieser Stelle die Freude, die erste Folge der Gesamteinspielung der Klavierquartette von Johannes Brahms und Friedrich Gernsheim durch das Mariani Klavierquartett zu besprechen. Nun liegt mit der dritten Folge der Abschluss der Reihe vor. Kombinierte das Ensemble auf den ersten beiden CDs jeweils zwei in ihrer Grundstimmung verwandte Werke, so ergibt sich jetzt zwangsläufig ein von starken Kontrasten geprägtes Programm.
Johannes Brahms Sonatas op. 120 • Robert Schumann Märchenbilder op. 113
Christian Euler, viola • Paul Rivinius, piano
MDG 903 2353-6
1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2024
11.04.2025 • 10 10 10
Das Duo Bratsche/Klavier mit Christian Euler/Paul Rivinius hat schon einige CDs in dieser Besetzung veröffentlich – sehr groß ist das diesbezügliche Repertoire ja nicht. Diesmal also Spätromantik mit Brahms und Schumann. Brahms hat seine Klarinetten-Sonaten – Frucht einer letzten Aufwallung von Komponierlust – auch für die Bratsche vorgesehen, mit vernehmlichem Brummeln zwar, aber dann doch. Zusammen mit den original für Bratsche geschriebenen Märchenbildern op. 113 von Robert Schumann ergibt sich eine stimmige Gesamtkonzeption, hat doch Schumann dieses Werk komponiert, nachdem er Brahms kennengelernt hat.
Bruckner 3 Version 1877
Philharmonie Festiva • Gerd Schaller
Profil PH24040
1 CD • 54min • 2024
31.01.2025 • 10 10 10
Der 1965 in Bamberg geborene Dirigent Gerd Schaller hat sich in einem Groß-Projekt zum Ziel gesetzt, die Symphonien Bruckners in allen verfügbaren Fassungen einzuspielen. Als idealen Klangkörper gründete er dafür 2008 die „Phiharmonie Festiva“, ein Orchester, in dem ausgewählte Musiker aus verschiedenen deutschen Vereinigungen zusammenkommen. Die Symphonie Nr. 3 wurde im April 2024 im Regentenbau Bad Kissingen als Live-Aufnahme eingespielt, wofür diesmal die meist zu hörende Fassung von 1877 gewählt wurde.
Bruckner 8. Version 1890
Philharmonie Festiva • Gerd Schaller
hänssler PROFIL PH25006
1 CD • 70min • 2024
14.10.2025 • 10 10 10
Gerd Schaller hat sich mit seinem groß angelegten Projekt „BRUCKNER 2024“ zum Ziel gesetzt, alle Sinfonien Bruckners in allen verfügbaren Fassungen einzuspielen, und dies mit der 2008 von ihm gegründeten Philharmonie Festiva. Bisher liegen 20 Alben vor von dem Zyklus, der einmal etwa 30 Veröffentlichungen umfassen wird.
Paul Büttner
Symphony No. 2 • A Vision • Heroic Overture
cpo 555 482-2
1 CD • 73min • 2022
13.01.2025 • 10 10 10
Der Dresdner Komponist Paul Büttner (1870–1943) hatte längst eine Wiederentdeckung verdient. Seine optimistische 2. Symphonie von 1902 und die ungewöhnliche Auseinandersetzung mit den Traumata des Ersten Weltkriegs „Präludium, Fuge und Epilog. Eine Vision“ wurden von Jörg-Peter Weigle bestechend aufgenommen und machen Lust auf mehr.
Joan Cabanilles
Anna Pikulska
MDG 906 2367-6
1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2024
08.07.2025 • 9 9 9
Die Vielfalt der Orgellandschaften ist immer wieder erstaunlich. Ob nun England, Italien, Deutschland oder Spanien, das Grundprinzip der Orgel funktioniert überall gleich, doch hat die stilistische Vielfalt sehr unterschiedliche Ausprägungen entwickelt. So klingt die italienische Orgel anders als die iberische, die mit ihrem rauschenden Plena und mächtigen Horizontaltrompeten deutlich majestätischer und druckvoller als etwa die italienische daher kommt, die einen etwas kammermusikalischeren Eindruck macht.
Chopin
Sonatas 2 &3 • Ballade No. 1 • Berceuse • Nocturnes
Benjamin Grosvenor
Decca 487 0958
1 CD • 76min • 2024
22.07.2025 • 10 10 10
Der britische Pianist Benjamin Grosvenor kann bereits mit Mitte 30 auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Bereits mit 19 Jahren debütierte er bei den BBC Proms in einer ausverkauften Royal Albert Hall, seine Aufnahmen werden regelmäßig mit den wichtigsten Plattenpreisen ausgezeichnet und sowohl als Solist, Kammermusiker sowie in Recitals ist er weltweit auf den Bühnen zu Hause und spielt mit den großen Orchestern. Eine Besonderheit in seiner Karriere ist sicher auch, dass er bereits 2011 als jüngster britischer Musiker überhaupt und zugleich als erster britischer Pianist seit fast 60 Jahren einen Vertrag bei Decca Classics unterschrieb. Dieser Tatsacje ist auch seine neue Aufnahme zu verdanken, auf der er sich ganz der Musik von Frédéric Chopin widmet.
Le clavecin poétique
Tatjana Vorobjova
MDG 921 2360-6
1 CD/SACD stereo/surround • 77min • 2024
21.06.2025 • 10 10 10
Zu einer Tour auf die Gipfel der Musik für Cembalo des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts macht sich die international gepriesene Solistin Tatjana Vorobjova hier auf und darf sich dabei eines überaus wertvollen Originalcembalos bedienen: Es ist das im Colmarer Musée Unterlinden aufbewahrte „Colmar-Ruckers“, das auf seinem Resonanzboden die Jahreszahl „1624“ trägt und somit kürzlich 400 Jahre alt wurde. Dabei erweist sich die Interpretin ihrem außergewöhnlichen Instrument als absolut ebenbürtig und stellt ihre Stilsicherheit ebenso unter Beweis wie ihr feines Empfinden für die musikalische Tiefe der Cembalomusik zu der Zeit, als die Sololiteratur für Cembalo in höchster Blüte stand.
Codex Rost
1660 | 1680
Open Chamber Berlin
Querstand VKJK2405
1 CD • 55min • 2022
15.05.2025 • 10 10 10
Die betont seriöse Aufmachung mit Codex-Titel samt Jahreszahlen über Blumenbouquet führt ein wenig in die Irre: Nichts weniger ist diese Produktion des Ensembles „Open Chamber Berlin“ als eine trockene Erkundung des historischen Repertoires einer obskuren alten Musik-Handschrift. Stattdessen beginnt fröhlich ein gezupfter Bass zu summen, eine Harfe kommt hinzu, ein wunderbar silbriges barockes Hackbrett, später eine Orgel, und über dem Ostinato in Es-Dur entspinnt sich ein freies Improvisieren von Violine, Blockflöte, schließlich dem ganzen Ensemble.
Francesco Bartolomeo Conti
Il trionfo della Fama
NovoCanto & La Stagione Armonica • Accademia Bizantina • Ottavio Dantone
cpo 555 725-2
2 CD • 82min • 2024
02.10.2025 • 10 10 10
Wer seinerzeit am Wiener Hof mit Johann Joseph Fux mithalten wollte, musste nicht nur Glanz ausstrahlen, sondern auch theoretisch sattelfest sein; schließlich war Fux nicht nur ein angesehener Komponist, sondern auch ein höchst respektierter Pädagoge der Satztechnik, dessen Hauptwerk „Gradus ad Parnassum“ noch heute studiert wird. Sein Nachfolger wurde 1713 der um gut 20 Jahre jüngere Florentiner Francesco Bartolomeo Conti (1682 – 1732), der als Theorbist begonnen hatte, aber schon als junger Mann mit Bühnenwerken und Kantaten an die Öffentlichkeit trat und auch die Aufmerksamkeit Johann Sebastian Bachs auf sich zog, der seine Kantate Languet anima mea bearbeitete.
The Cosmos of Paul Ben-Haim
Orchestral & Chamber Music
cpo 555 621-2
2 CD • 2h 22min • 2023
17.02.2025 • 10 10 10
Der 1897 als Paul Frankenburger in München geborene Komponist hatte sich bereits vor der Emigration 1933 nach Palästina musikalisch zu seinen jüdischen Wurzeln bekannt. Doch erst dort – wo er sich auch in Ben-Haim umbenannte - lernte er, vor allem durch die jemenitische Sängerin Bracha Zephira, echte Volksmusik sephardischer Herkunft kennen, die dann zunehmend sein Werk bestimmen sollte. So gesehen ist der Titel des von der Geigerin Liv Migdal kuratierten neuen cpo Doppelalbums „The Cosmos of Paul Ben-Haim‟ etwas irreführend, denn die hier eingespielte Musik lässt den noch stark an Wagner und vor allem Mahler orientierten Stil des jungen Komponisten außer Acht.
Johann Nepomuk David
Symphonies 3 & 7
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Johannes Wildner
cpo 777 964-2
1 CD • 63min • 2014
22.12.2025 • 10 10 10
Zwar ist der österreichische Komponist Johann Nepomuk David (1895–1977) nie völlig vergessen gewesen: viele seiner Werke wurden zu seinen Lebzeiten für den Rundfunk aufgenommen, einiges seiner Orgel- und Chormusik ist auf Tonträger eingespielt worden, und als Lehrer etlicher Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum fällt sein Name ohnehin immer wieder. Auch etwa im Harenberg Konzertführer, erschienen 1996, erfährt David eine Würdigung nebst Vorstellung ausgewählter Werke, so etwa seiner acht Sinfonien – keine Selbstverständlichkeit angesichts einer Begrenzung auf 200 Komponisten. Umso erstaunlicher eigentlich, dass von diesen Sinfonien nur eine einzige jemals auf Tonträger erhältlich gewesen ist, bevor cpo vor nun auch schon wieder mehr als zehn Jahren die vorliegende, höchst verdienstvolle Serie begann, die – in langsamem Tempo fortschreitend – nun bei Folge 3 angelangt ist, diesmal mit den Sinfonien Nr. 3 & 7. Wie gewohnt leitet Johannes Wildner das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.
De Profundis
Works for Soprano and Organ by Bach, Reubke, Reger, Nono, Gubaidulina & Manneke
Gudrun Sidonie Otto Soprano • Andreas Liebig Organ
arcantus arc 25050
1 CD • 59min • 2023
29.08.2025 • 10 10 10
Die in der Schweiz lebende und nicht nur als Sängerin, sondern auch als Pfarrerin wirkende Sopranistin Gudrun Sidonie Otto hat bei mir mit gleich drei Publikationen im vergangenen Jahr den stärksten Eindruck hinterlassen. Neben dem ausgewählten Album hat sie in Zusammenarbeit mit dem Organisten Andreas Liebig auch ein tiefschürfendes Brahms-Dvořák-Programm („Nostalgia“) gestaltet sowie in der Edition der Werke von Johann Daniel Pucklitz einen herausragenden Part übernommen. Immer hat ihr Einsatz den Charakter einer vokalen Verkündigung.
Claude Debussy
CompleteWorks for Piano Duo • II
Genova & Dimitrov Piano Duo
OehmsClassics OC1741
1 CD • 75min • 2023
16.10.2025 • 9 10 10
Die erste Folge der Gesamtaufnahme aller Werke Claude Debussys für zwei Pianisten mit dem Genova & Dimitrov Piano Duo erntete zu Recht in allen Besprechungen höchstes Lob. Die Darbietungen der frühen und teils seltener gespielten Stücke darf man getrost als Referenzeinspielung einstufen. Vol. II enthält nun vor allem auch die beiden bekanntesten Kompositionen Debussys für Klavierduo, und da ist die Konkurrenz natürlich ungleich größer.
Christoph Demantius
Johannes-Passion
cpo 555 583-2
1 CD • 62min • 2022
20.04.2025 • 10 10 10
Die Lebensdaten von Christoph Demantius (1567-1643) sind von den Jahreszahlen her identisch mit denen Claudio Monteverdis, des großen Heroen des Übergangs von der Musik der Spätrenaissance zu der des Frühbarocks. Demantius geriet nach seinem Tod schnell in Vergessenheit, und auch heute ist seine Vertretung im Tonträgerkatalog nur auf ganz wenige Einspielungen beschränkt. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass er eine bedeutende Anzahl an Kompositionen hinterlassen hat, deren Qualität unter denen seiner Zeitgenossen herausragt und auch den Vergleich mit dem großen italienischen Komponisten der Epoche nicht scheuen muss.
Antonín Dvořák
Symphonic Poems
Sinfonieorchester Basel • Ivor Bolton
Prospero Classical PROSP0077
1 CD • 65min • 2021, 2022
15.08.2025 • 10 10 10
„Schöne Musik zu unschönem Text“ meinte einst der Musikkritiker Eduard Hanslick, nachdem er Dvořáks Sinfonische Dichtungen erstmals gehört hatte. Und tatsächlich verbreiten die vom Komponisten ausgewählten Erzählungen aus Karel Jaromir Erbens „Blumenstrauß tschechischer Volkssagen“ eine düstere, unheimliche Stimmung: Der Wassermann reißt seinem Kind den Kopf ab, die Mittagshexe entführt einer Mutter ihr Kind, und beim Goldenen Spinnrad ermordet die böse Stiefmutter die Königsbraut. Kein Wunder, dass Dvořáks späte Sinfonische Dichtungen, die 1896 innerhalb weniger Monate entstanden sind, zunächst auf Befremden stießen und bis heute nicht gerade häufig aufgeführt werden.
Echoes of Eternity
Schubert Brahms Martin
Milan siljanov, Nino Chokhonelidze
Prospero Classical PROSP0103
1 CD • 57min • 2022
26.02.2025 • 10 10 10
Der als Sohn persisch-mazedonischer Eltern in der Schweiz geborene Sänger Milan Siljanov wählte für sein neues Lieder-Album den ernsten Titel „Echoes of Eternity“, um auf den Sinngehalt seiner Lieder-Auswahl hinzuweisen: es geht um Leben und Tod, um die Hoffnung, dass es für den Menschen „eine Weiterführung in eine ferne Ewigkeit“ gibt. Schubert-Lieder wie Am Bach im Frühling oder Auf der Donau sind bei tieferer Betrachtung düster und traurig gestimmt, und dieser Eindruck steigert sich noch bei Gesängen wie Fahrt zum Hades oder Gruppe aus dem Tartarus. Doch es gelingt dem Interpreten, seinen warmen, wandlungsfähigen Bariton bei klarer Diktion so eindringlich und spannungsreich einzusetzen, dass begeisternde Musik entsteht. Die aus Tiflis stammende Pianistin Nino Chokhonelidze leistet mit variablem Anschlag und starkem Einfühlungsvermögen das ihre, um die Lieder anziehend zu gestalten.
Esquisses
Leonard Schultsz Horn • Jan Schultsz Piano
Ars Produktion ARS 38 694
1 CD • 56min • 2024, 2025
06.11.2025 • 10 9 10
Mit „Esquisses“ präsentiert sich der 2007 geborene Hornist Leonard Schultsz als außergewöhnliches Talent der Schweizer Musikszene. Sein Debütalbum zeigt eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite und verbindet Musik aus Romantik, Moderne und Gegenwart. Das klare künstlerische Konzept dreht sich um die Idee der musikalischen Skizze und weist über bloße Virtuosität weit hinaus.
FACE2FACE
Beethoven • Bartók
Amaryllis Quartett
Berlin Classics 0303654BC
1 CD • 77min • 2023
21.03.2025 • 10 10 10
Das Markenzeichen des Amaryllis-Quartetts (Gustav Frielinghaus, Lena Sandoz – Violine, Mareike Hefti. - Viola und Yves Sandoz – Violoncello.) besteht in der Programmierung von zumeist zwei Werken des klassisch-romantischen Repertoires mit einer Komposition moderneren Charakters. Dieses Prinzip war bereits bei seiner nach Farben benannter CD-Reihe prägend, deshalb wird es jetzt für eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette übernommen. Diese wird den Titel Face2Face tragen. Die erste CD dieser Serie beschert uns äußerst gelungene Einspielungen der Quartette op. 18,3 und op. 135 von Ludwig van Beethoven, und Bela Bartóks Sechstes Quartett.
Farrenc • Firsova • Bonis
Chamber Music
Ensemble Louise Farrenc
cpo 555 624-2
1 CD • 65min • 2021
26.05.2025 • 10 9 9
Das international besetzte Ensemble Louise Farrenc benennt sich nach einer Komponistin, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris große Erfolge feierte. Das Andenken an Louise Farrenc wird auch vom Label cpo hochgehalten, das anlässlich ihres 150. Todestages eine weitere Kammermusik-Produktion auf den Markt bringt. Louise Farrenc stammte aus einer Pariser Künstlerfamilie und war mit dem Flötisten und Musikverleger Aristide Farrenc verheiratet, der ihre Werke im Druck herausgab. Schon zu Lebzeiten fanden ihre Kompositionen eine breite Resonanz. 1842 wurde Farrenc vom Pariser Konservatorium angestellt – als weltweit erste Frau auf einer Musikprofessur.
César Franck • Charles-Marie Widor
Christian Schmitt • Bamberger Symphoniker • Fabien Gabel
cpo 555 632-2
1 CD • 62min • 2023
17.11.2025 • 10 10 10
César Franck hat leider nur eine Symphonie geschrieben, ein paar Symphonische Dichtungen, Oratorien und natürlich eine Menge Orgelwerke, derentwegen er vor allem in die Musikgeschichte eingegangen ist. Dass sein symphonisches Schaffen trotzdem einen vertieften Blick wert ist, zeigt sich immer wieder, nicht zuletzt weil gerade die stilistische Verbindung zu den Orgelwerken zu manch spannender Einsicht verhilft. Jetzt gibt es noch einen Grund mehr, sich diesem Schaffen zuzuwenden: der Komponist und Organist Zsigmond Szathmáry hat das Grande Pièce Symphonique, das die Initialzündung zur Entstehung der Gattung der Orgelsymphonie in Frankreich war, auf Anregung des Organisten Christian Schmitt für Orgel und Orchester eingerichtet.
Georg Österreich's Resurrected Treasures
North-German Cantatas Around 1700
Musica Gloria
Etcetera KTC 1819
1 CD • 76min • 2024
01.03.2025 • 10 10 10
Die größte Sammlung von Vokalmusik um 1700 in Mitteleuropa ist die von Georg Österreich (1664-1735). Bekannt ist sie aber unter dem Namen ihres Nachbesitzers Heinrich Bokemeyer (1679-1751). Bokemeyer wurde in Immensen geboren, studierte an der Universität Helmstedt Theologie, Literatur und Medizin, wonach er für seine Gelehrsamkeit berühmt wurde, wurde 1704 Kantor der Martinuskirche in Braunschweig, dann 1712-1717 in Husum, ab 1717 war er an der fürstlichen Schule in Wolfenbüttel tätig. Sein Lehrer war Georg Österreich, von dem er dessen Sammlung erwarb
German Romantic Organ Music
Mendelssohn, Reger, Reubke
Ben van Oosten
MDG 916 2377-6
1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2025
13.11.2025 • 10 10 10
Ben van Oosten spielt romantisches Repertoire an der größten, nun wieder originalgetreu restaurierten romantischen Orgel Deutschlands. Besser geht's nicht - und katholischer auch nicht. Zum niederknien!
Enrique Granados
Goyescas op. 11
Dina Stojilković
cpo 555 677-2
1 CD • 53min • 2023
23.01.2025 • 10 10 10
Die serbische Pianistin Dina Stojilković verfügt nicht nur über die Technik, sondern auch über das Gespür, um die höchst anspruchsvollen beiden Bücher der „Goyescas“ nachzuempfinden. Der typisch spanische Tonfall teilt sich ebenso mit wie der in Töne umgesetzte Bilderreichtum der „majos enamorados“ – der verliebten jungen Männer! Temperament und Gefühl sind die Markenzeichen dieser Einspielung.
Julius Otto Grimm
Symphony op. 19 • Second Suite in Canon Form op. 16
cpo 555 612-2
1 CD • 77min • 2021
10.07.2025 • 10 10 10
Eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten im Freundeskreis um Robert Schumann und Johannes Brahms war Julius Otto Grimm, der ab 1860 bis zu seinem Tode 1903 als Leiter des Musikvereins in Münster amtierte. Von seiner Lebensleistung zehrt die Stadt bis heute, denn ihr Ruf als überregional bedeutendes Musikzentrum geht wesentlich auf das Wirken Grimms zurück, der regelmäßig weltberühmte Solisten zu seinen Konzerten einlud und sich für die damals zeitgenössische Musik einsetzte. Die Einspielung der zwei bedeutendsten Orchesterkompositionen Grimms durch das Sinfonieorchester Münster unter seinem Generalmusikdirektor Golo Berg kann somit auch als eine Form des Dankes an den großen Vorgänger betrachtet werden.
Grosz
Piano Music • 1
Gottlieb Wallisch
Grand Piano GP927
1 CD • 73min • 2023
15.01.2025 • 10 10 10
Nach Archilochos und Isaiah Berlin kennt der Fuchs viele verschiedene Sachen, der Igel nur eine große. Dieser Einteilung der Künstler und Denker folgend, erscheint der Wiener Komponist Wilhelm Grosz, der, nachdem er vor den Nationalsozialisten hatte fliehen müssen, 1939 viel zu früh im amerikanischen Exil starb, als archetypischer „Fuchs“. Sein Schaffen erstreckt sich auf eine Vielzahl unterschiedlichster Gebiete und spiegelt die Vielseitigkeit seines Autors wieder, der mit einer musikwissenschaftlichen Arbeit über Mozarts Fugen promoviert wurde, als Pianist wie als Dirigent gleichermaßen erfolgreich war, und schließlich zur Ultraphon-Schallplattengesellschaft fand, für die er bis 1933 als Aufnahmeleiter arbeitete. Gleichermaßen traditionsbewusst wie aufgeschlossen für neue Möglichkeiten künstlerischer Aussage, war Grosz das Gegenteil eines weltabgewandten Künstlers, der im stillen Kämmerlein für sich allein und vielleicht noch einen Zirkel Eingeweihter schreibt.
Ground
Tamar Halperin
Neue Meister 0303805NM
1 CD • 43min • [2025]
05.08.2025 • 10 10 10
Tamar Halperin verarbeitet Musik von Bach bis Wollny auf ganz eigene Weise – sie mischt die Stile meisterhaft und bringt Cembalo, Klavier, Synthesizer, Wurlitzer-Orgel und Fender Rhodes zum Klingen. Eine faszinierende Klangwelt, die nur von ihrer unerschöpflichen Fantasie übertroffen wird.
Joseph Haas 1
Gerit Lense Klavier
Ars Produktion ARS 38 671
1 CD • 64min • 2001, 2003
21.02.2025 • 10 9 10
„Es gibt wohl in der Reger-Nachfolge kaum eine subtilere und dabei gemütswärmere Musik als diese“ – so schreibt Klaus Wolters in seinem meinungsfreudigen, manchmal durchaus kontroversen, aber stets anregenden Handbuch der Klavierliteratur zu zwei Händen über die Klavierwerke von Joseph Haas (1879–1960). Vor gut 20 Jahren hat sich die Pianistin Gerit Lense einiger dieser Werke angenommen; seinerzeit erschienen zwei CDs beim verdienstvollen, mittlerweile aber leider nicht mehr existenten Label Cavalli Records. Umso erfreulicher ist daher, dass mit dem vorliegenden Album die erste dieser beiden CDs bei Ars Produktion wiederveröffentlicht wird.
Handel's Chandos Anthems No 6 & No 10
Tears Are My Daily Food
Etcetera KTC 1858
1 CD • 55min • 2024
16.12.2025 • 10 10 10
Als Spion des Kurfürsten von Hannover kam Händel 1712 nach London, um auszuloten, was seinen Dienstherrn aus der im Vergleich mit dieser bedeutenden europäischen Hauptstadt spießigen deutschen Residenz erwartete, wenn er – wie sich abzeichnete – die britische Königswürde antreten würde. Der Komponist, in guter deutscher Tradition ausgebildet und mit allen italienischen Wassern gewaschen, fiel in London auf fruchtbaren Boden, wo die italienische Musik in hoher Gunst stand. Eine besondere Verbindung entstand zum Herzog von Chandos, für dessen Sonntagsgottesdienste Händel die Chandos Anthems schuf. Diese Werke trafen mit ihrer Würde ebenso wie mit ihrer Innigkeit perfekt den Geschmack des Herzogs, der sie als very noble bezeichnete. Noch heute nehmen sie unter den Werken Händels einen verdient hohen Platz ein.
Joseph Haydn
String Quartets Vol. 19
Leipziger Streichquartett
MDG 307 2349-2
1 CD • 71min • 2023
03.04.2025 • 10 10 10
Die Gesamteinspielung der Streichquartette Joseph Haydns durch das Leipziger Streichquartett nähert sich mit Volume 19 der Vollendung. Diesmal geht es um das frühe Opus 2, Werke, die eigentlich noch der Gattung „Divertimento“ zugerechnet wurden und allesamt fünfsätzig sind. Sie entstanden wahrscheinlich gegen Ende der 1750er Jahre für Karl Joseph von Fürnberg auf Schloss Weinzierl in Niederösterreich. Nur vier der insgesamt sechs Kompositionen des Opus 2 sind originale Streichquartette, die übrigen sind echte Divertimenti, nämlich Sextette mit zwei Hörnern.
Joseph Haydn
String Quartets Vol. 20
MDG 307 2366-2
1 CD • 65min • 2024
11.09.2025 • 10 10 10
Joseph Haydn hat über siebzig Streichquartette komponiert, wenn man die frühen Quartett-Divertimenti und die eigene Bearbeitung der Sieben Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 51 mitzählt. Das Leipziger Streichquartett (Stefan Arzberger und Tilman Büning, Violine; Ivo Bauer, Viola; Peter Bruns,Violoncello) hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Gipfel der Kammermusik zu erklimmen. Und mit der CD Nr. 20 ist das Ensemble fast bei der Vollendung dieser Aufgabe angekommen.
Haydn Piano Works
Sonatas • Variations • Capriccio
Schaghajegh Nosrati
CAvi-music 4867555
1 CD • 70min • 2023
25.07.2025 • 10 10 10
Wenn eine Virtuosa wie Schaghajegh Nosrati, die ihrer Diskographie bereits eine exzellente Einspielung von Charles-Valentin Alkans Concert pour piano seul hinzufügte, das zu den absolut schwierigsten Werken der Klavierliteratur zählt, sich bekannten und seltener gespielten Werken Joseph Haydns widmet, darf man gespannt sein, was geschieht. Wird es ein romantisierendes Al-Fresko vom Blatt, oder nutzt sie ihre anschlagstechnisch reichen Fähigkeiten zu differenzierter Darstellung? Sie entschied sich für Letzteres und legte eine Aufnahme vor, der man durchaus Referenzcharakter einräumen muss.
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Haydn's World
Heidelberger Sinfoniker, Johannes Klumpp
hänssler CLASSIC HC25052
1 CD • 46min • 2024, 2025
15.11.2025 • 10 10 10
Johannes Klumpp und die Heidelberger Sinfoniker haben ihre gefeierte Gesamtaufnahme aller Haydn-Symphonien abgeschlossen – sie haben aber bei weitem noch nicht genug von Haydn. Jetzt geht’s weiter mit Orchester-Musiken von Haydn sowie Musik aus der Haydn-Zeit bzw. aus dem Haydn-Umfeld. Die erste Folge umfasst eine Opern-Ouvertüre von Haydn sowie eins von seinen Notturni, dazu gesellt sich Musik von Giovanni Paisiello, der acht Jahre nach Haydn geboren und sieben Jahre nach Haydn gestorben ist, und von Adalbert Gyrowetz, der später geboren ist (1763) und bis 1850 gelebt hat. Alles ist im besten Sinne Unterhaltungsmusik und wohl beste ihrer Art in der damaligen Zeit.
Ferdinand Hiller
Symphony op. 67 »Es muß doch Frühling werden« • Symphony in F minor
cpo 555 625-2
1 CD • 61min • 2023
19.05.2025 • 10 10 10
Wer sich wegen Richard Wagner mit Franz Liszt und den Propagandisten der „Neudeutschen Schule“ anlegte, hatte hernach einen schweren Stand. Ferdinand Hiller fiel unter deren Verdikt und verschwand zu Beginn des 20. Jhds fast völlig aus dem Repertoire, was bedauerlich ist, da er - ähnlich wie Franz Lachner - eine Brücke vom späten Schubert zu Brahms und Bruckner bildet.
History of the Russian Piano Trio • 6
The Silver Age and Art Nouveau Era • Sergey Rachmaninov
The Brahms Trio
Naxos 8.574687
1 CD • 63min • 2021
12.07.2025 • 10 10 10
Zu den CD-Projekten, die ich in den vergangenen Jahren mit besonderem Interesse verfolgt habe, gehört die „Geschichte des russischen Klaviertrios“, die das Brahms-Trio für Naxos eingespielt hat, mit zunächst fünf CDs, die das russische Klaviertrio zur Zeit des Russischen Reichs nicht im Sinne einer Gesamteinspielung (dies wäre wohl schon in diesen frühen Jahren der russischen Musikgeschichte ein allzu expansives Vorhaben), wohl aber im Rahmen einer repräsentativen Anthologie vorgestellt haben. Mit der vorliegenden Neuerscheinung beginnt der zweite Teil, der gemäß Eigenbeschreibung dem Silbernen Zeitalter und der Ära des Art Nouveau gewidmet ist.
Bolko von Hochberg
String Quartets op. 22 & op. 27/1 | Piano Quartet op. 37
eda records EDA 052
1 CD • 79min • 2023
11.01.2025 • 9 10 10
Ähnlich wie der nur wenige Monate jüngere, lange überschätzte Heinrich von Herzogenberg (1843-1900), oder der 12 Jahre später geborene Heinrich XXIV. Prinz Reuss von Köstritz (1855-1910, nicht zu verwechseln mit dem derzeit wegen Revolutionsfantasien verhafteten gleichnamigen heutigen Prinzen), ist Hans Heinrich XXIV. Bolko Graf von Hochberg (1843-1926) einer jener Adligen, welche den hohen Stand der gelehrten Kompositionskunst konservativ-klassizistischer Couleur der Zeit zwischen Bruckner/Brahms und Mahler/Strauss im deutschsprachigen Raum belegen. Der gebürtige Schlesier studierte bei dem Kontrapunktpapst Friedrich Kiel in Berlin, gründete 1876 die Schlesischen Musikfeste und war von 1886 bis 1902 General-Intendant der Königlichen Schauspiele in Berlin, also auch der Preußischen Hofoper, wo er 1898 Richard Strauss als Hofkapellmeister engagierte.
Franz Anton Hoffmeister
Concerto for 2 Horns • 2 Symphonies
cpo 555 417-2
1 CD • 68min • 2020
03.03.2025 • 10 10 10
Johannes Moesus und sein Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim beweisen einmal mehr ihre Affinität zur deutsch-österreichischen Musik um 1800. Diesmal haben sie zwei Sinfonien und ein aberwitzig virtuoses Konzert für zwei Hörner von Franz Anton Hoffmeister aufs Programm gesetzt. Sie retten damit drei heitere, unbedingt hörenswerte und gute Laune stiftende Werke vor der Vergessenheit. Eine CD, die einem trübe Wintertage erhellen kann!
Kabalevsky 2nd & Schumann
Cello Concertos
Theodor Lyngstad
OUR Recordings 8.226926
1 CD • 53min • 2021
06.04.2025 • 10 10 10
Der norwegische Cellist Theodor Lyngstad, Jahrgang 1993, ist seit 2019 Solocellist beim Philharmonischen Orchester Kopenhagen (bzw. in aktueller Eigenbezeichnung Copenhagen Phil – hele Sjællands symfoniorkester). Mit dem vorliegenden Album gibt er sein CD-Debüt, sekundiert von „seinem“ Orchester unter der Leitung der finnischen Dirigentin Eva Ollikainen (derzeit Chefdirigentin des Isländischen Sinfonieorchesters). Vergleichsweise ungewöhnlich ist dabei die Kombination von Kabalewskis Cellokonzert Nr. 2 und Schumanns Cellokonzert, wobei Lyngstad selbst allerdings durchaus berechtigt auf eine Reihe von Parallelen zwischen den beiden Werken hinweist, speziell atmosphärischer Natur.
Walter Kaufmann
Orchestral Works / Orchesterwerke
Philharmonisches Orchester Regensburg, Stefan Veselka
MDG 901 2363-6
1 CD/SACD surround • 51min • 2024
17.09.2025 • 10 10 10
Als der junge Komponist und Musikethnologe Walter Kaufmann 1934 zu einer Forschungsreise nach Indien aufbrach, ahnte er – deutschsprachiger Böhme aus jüdischstämmiger Familie – noch nicht, dass sich dieser Aufenthalt infolge der politischen Ereignisse in Europa zu einem zwölfjährigen Exil auswachsen und er nicht wieder in seine Heimat zurückkehren sollte. Das künstlerische Schaffen Kaufmanns, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Dirigent in Kanada und als Universitätsprofessor in den USA wirkte, hat von den Jahren in Indien immens profitiert. Vergleichbar dem eine Generation älteren Engländer John Foulds, der nahezu zeitgleich auf dem Subkontinent eintraf und wie Kaufmann als Musikdirektor bei All India Radio wirkte, betrachtete er die Musik Indiens nicht als Fundgrube effektvoller Exotizismen, die man der hergebrachten abendländischen Konzertmusik überstreifen kann, sondern schuf auf ihrer Grundlage einen neuen folkloristischen Stil, ähnlich wie es Béla Bartók mit der Musik der ungarischen Landbevölkerung getan hatte.
Johann Ludwig Krebs
Six Sonatas for Organ
Christian Schmitt
cpo 777 888-2
1 CD • 55min • 2013
03.11.2025 • 10 10 10
Eine Orgel-CD zaubert einem beim Hören nicht unbedingt ein Lächeln ins Gesicht. Diese CD mit Orgel-Sonaten von Johann Ludwig Krebs schon. Wobei der Begriff „Orgel-Sonate“ hier eigentlich falsch ist, denn die Sonaten WV 832-837 sind eigentlich für Klavier oder Cembalo gedacht. Sie sind zwei- bis dreistimmig und hochformatig in zwei Systemen gedruckt, was den Verfasser des Booklets, den promovierten Musikjournalisten, Musikproduzenten und ehemaligen Musikdirektor der Ansbacher Bachwoche, Andreas Bomba, dazu brachte festzustellen, dass dies „einer Adaption auf die Orgel nicht widerspricht“. Der gefeierte Organist Christian Schmitt nahm dies zum Anlass, diese Sonaten auf einer Orgel einzuspielen.
György Kurtág
Complete Flute Music
Markus Brönnimann and friends
Tacet 281
1 CD • 52min • 2024
05.06.2025 • 10 10 10
Er ist der größte lebende Meister der Miniatur und ein Genie der Andeutung und Aussparung: György Kurtág – der am 19. Februar dieses Jahres hoffentlich 100 Jahre alt wird – hat der Flöte einige seiner tiefschürfendsten Gedanken anvertraut. Der Flötist Markus Brönnimann und seine Mitstreiter entlocken Kurtágs musikalischen Konzentraten im wahrsten Sinne des Wortes spielend auch ihre „allerkleinsten“ Geheimnisse.
Lines of Life
Schubert & Kurtág
Benjamin Appl
Alpha Classics 1145
1 CD • 68min • 2024
29.03.2025 • 10 10 10
György Kurtág feiert im Februar 2026 seinen 100. Geburtstag. Benjamin Appl präsentiert dessen größtenteils unbegleitete Hölderlin-Gesänge sowie weitere Lieder des grandiosen Miniaturisten mitreißend und mit kongenialem Einfühlungsvermögen. Passend dazu gibt es noch Schubert und Brahms, alles perfekt begleitet. Ein guter Startpunkt für eine Beschäftigung mit der Musik des Jubilars.
Longing
Webern | Bartók | Britten
Animato Quartet
Challenge Classics CC720035
1 CD • 68min • 2025
19.11.2025 • 10 10 10
Ein starkes Debütalbum des jungen niederländischen Animato-Quartetts, das unter dem Stichwort "Longing" die jeweils ersten Streichquartette Bartóks und Brittens präsentiert, ergänzt um Weberns frühen Langsamen Satz. Interpretationen, die von exzellenter Spielkultur, kluger Disposition der Spannungsbögen und bemerkenswerter Flexibilität zeugen.
Jean-Baptiste Lully: Idylle sur la Paix • Marc-Antoine Charpentier: La Fête de Rueil
Boston Early Music Festival
cpo 555 678-2
1 CD • 76min • 2024
07.07.2025 • 10 10 10
Der „Regensburger Stillstand” von 1684, der den Krieg Ludwigs XIV. gegen Kaiser Leopold I., den Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, und König Karl II. von Spanien beendete, regte französische Höflinge dazu an, ihren Kaiser Ludwig XIV. als Friedensfürst zu verherrlichen. So entstanden Lullys Idylle sur la Paix, initiiert vom Marquis de Seignelay auf seinem Landsitz in Sceaux bei Versailles, und Charpentiers La Fête de Rueil im Auftrag des Duc de Richelieu, einem Großneffen des bedeutenden Kardinals Richelieu.
Maria
Josquin in Leipzig
amarcord
Raumklang RK AP 10124
1 CD • 80min • 2021, 2022, 2023
08.06.2025 • 10 10 10
Josquin des Prez (ca. 1450-1521) galt schon seinen Zeitgenossen als der bedeutendste Komponist seiner Generation, und noch heute nimmt er diesen herausragenden Platz ein. Werke aus Josquins Feder fanden schon zu seinen Lebzeiten Eingang in Musikhandschriften der blühenden Messestadt Leipzig, die seit 1497 dank des Messeprivilegs Kaiser Maximilians I. dreimal jährlich eine internationale Handelsgesellschaft in ihren Mauern versammelte. Um 1500 entstand die Sammelhandschrift des Gelehrten Nicolaus Apel, und ein halbes Jahrhundert später, 1558, das bedeutende – heute in der Universitätsbibliothek Leipzig verwahrte – Manuskript Ms. Thomaskirche 49/50, in dem die berühmtesten Komponisten der Zeit vereint sind. So bedeutet diese CD eine Hommage des Ensembles amarcord an den überragenden Meister der Musik der Renaissance anhand der in Leipzig aufbewahrten Überlieferung seines Werks.
Claudio Monteverdi
Messa per Maria Salute
cpo 555 561-2
1 CD • 77min • 2022
14.04.2025 • 10 10 10
Claudio Monteverdis Sammlung mit Werken aus seiner Zeit als Kapellmeister an San Marco in Venedig, Selva morale e spirituale, von 1640/41 wurde bereits mehrfach mit den Feierlichkeiten zum Ende der Pest 1631 in Verbindung gebracht, bei der ein Drittel der Stadtbevölkerung umkam und die den Anlass zur Stiftung der Kirche Santa Maria della Salute gab. Da diese Sammlung ein virtuoses, konzertierendes Gloria sowie drei Fragmente eines Credos enthält, hat sich Roland Wilson entschlossen, anstatt die drei Fragmente – wie vom Komponisten oder Drucker vorgeschlagen – in die vierstimmige dort ebenfalls enthaltene Messe zu integrieren, die fehlenden Teile aus anderen Werken des Komponisten zu ergänzen.
Mozart
6 String Quintets
Spunicunifait
Alpha Classics ALPHA 137
3 CD • 2h 59min • 2023
11.10.2025 • 10 10 10
Das Ensemble „Spunicunifait“ hat das von Mozart erfundene Scherzwort gleichsam zum Programm gemacht: sämtliche sechs Streichquintette – vom frühen KV 174 aus dem Jahr 1777 bis zum späten KV 614 von 1791 – werden auf historischen Instrumenten fantasievoll und – wo angebracht – mit Humor präsentiert. So bilden die drei CDs eine Fundgrube klassischer Meisterschaft in hellhöriger Darstellung.
Mozart
»Posthorn - Serenade«
Mozarteumorchester Salzburg • Reinhard Goebel
Berlin Classics 0303022BC
1 CD • 46min • 2021
10.05.2025 • 10 10 10
Diesmal dirigiert Reinhard Goebel, Professor für historische Aufführungspraxis am Salzburger Mozarteum, das Mozarteum Orchester in der fortlaufenden Aufnahmen-Reihe des Labels Berlin Classics. Dem Hauptwerk, Mozarts Posthornserenade KV 320, werden dabei zwei Märsche voran und nach gestellt und eine Aufführungssituation imaginiert, die der Mozartforscher Manfred Hermann Schmid beschreibt: Am Ende des Sommersemesters der Benediktiner-Universität spielen Studenten – und vielleicht auch Hofmusiker – eine Serenade, die im Hof von Schloss Mirabell beginnt, dann wird – unter Abspielung der Märsche – die Salzach überquert und alles vor der Kollegienkirche wiederholt. Die Aufnahme mit dem Mozarteum Orchester bringt dies alles zu höchster Anschauung bzw. Anhörung: so heiter-fröhlich, so munter-rege, ja so fast hüpfend vor Freude agieren die Musiker, immer wie mit einem Lächeln auf den Lippen (obwohl das natürlich bei Bläsern nicht möglich ist…), so farbenfroh und so dynamisch lebendig blasen die Bläser – Mozart hat für diese hyperkomplexe Unterhaltungsmusik drei Bläserpaare vorgesehen, die, wie Thomas Schipperges im „Mozart-Handbuch“ schreibt, „ein konzertierendes Linienspiel von wechselnder Farbigkeit“ bilden.
Mozart
Piano Concerto K 491 • «Haffner» Symphony K 385
Ars Produktion 38 667
1 CD • 53min • 2024
02.02.2025 • 10 10 10
ier erklingt ein Mozart, über den nicht allzu viel gesagt, sondern der einfach gehört werden sollte: Alles klingt, ‚spricht‘ und leuchtet, reif und natürlich, überzeugend vom Ersten bis zum Letzen, symphonisch! So realisiert, erscheint die Musik weder ‚geglättet‘ noch unter- oder überspannt, nichtsdestoweniger hoch konzentriert, lebendig gerichtet. Nirgends wird das tiefernste Moll künstlich dionysisch aufgeladen. Schon nach den ersten Taktgruppen des Orchesters und hernach des Klaviereinsatzes – spannend gestaltet sind auch die Pausen! – ist man unter den Händen dieses Pianisten in die Formprozesse hineingezogen.
Mozart
Piano Sonatas K. 333 K. 457 K. 576 Fantasia K. 475
Christian Chamorel
Prospero Classical PROSP0122
1 CD • 60min • 2024
08.11.2025 • 10 10 10
Mozarts Klaviersonaten haben etwas Tiefgründiges, fast nicht Auszulotendes. Christian Chamorel holt die von ihm sorgfältig zusammengestellten Sonaten aus der reinen Beliebtheit und oft so gespielten Beliebigkeit und verleiht ihnen warme Lebendigkeit, Tiefsinn und doch auch reine Spielfreude. Mit Chamorel hört man allzu Bekanntes neu und aufregend.
Mozart
Violin Sonatas
Tibor Gyenge violin • Michael Schöch piano
MDG 903 2372-6
1 CD/SACD stereo/surround • 77min • 2025
29.10.2025 • 10 10 10
Mozarts Violinsonaten sind eigentlich Sonaten für Klavier mit begleitender Violine. Dies gilt insbesondere für die sechs Sonaten des sogenannten Opus I aus dem Jahr 1778 und für die sechs Sonaten des Opus II, die 1781 erschienen. Aus diesen Zyklen, die also der frühen und mittleren Schaffensperiode entstammen, haben der Pianist Michal Schöch und der Geiger Tibor Gyenge vier Werke gewählt, ergänzt durch die Variationen über „Hélas, j‘ai perdu mon amant“ von 1781
Mozart Symphonies IV
Nos. 4, 5, 6, 10 and 12
Folkwang Kammerorchester Essen • Johannes Klumpp
Genuin GEN 25909
1 CD • 67min • 2022
09.02.2025 • 10 10 10
Mozarts ganz frühe Symphonien werden im Konzertsaal kaum gespielt. Sie würden vielleicht öfters aufgeführt werden, würden sie so gespielt, wie es das Folkwang Kammerorchester Essen unter dem hochinspirierten Dirigat von Johannes Klumpp tut. Klumpp ist schon für seine (von Thomas Fey übernommene und dann fertiggestellte) Gesamtaufnahme der Haydn-Symphonien mit den Heidelberger Sinfonikern gefeiert worden. Das Feiern wird kein Ende nehmen, wenn die Gesamtaufnahme aller Mozart-Symphonien mit diesem Orchester abgeschlossen sein wird. Denn Klumpp begreift die frühen Mozart-Symphonien deutlich als dialogisch: „Kantabilität, ‚sprechender‘ Ton, ‚Theaterhaltung‘“ sowie „Analogien zu szenischen Formen“ schreibt Volker Scherliess im „Mozart-Handbuch“ allen Symphonien Mozarts zu und zitiert dabei E.T.A. Hoffmann, der die Symphonie schlechthin als „Oper der Instrumente“ charakterisiert.
Fabian Müller
String Quartets No. 2-4
Galatea Quartet
Ars Produktion ARS 38 675
1 CD • 57min • 2023, 2024
05.03.2025 • 10 10 10
Es ist höchst erfreulich, dass die Streichquartett-Literatur nach wie vor durch hervorragende Komponisten um neue Meisterwerke bereichert wird. Spontan fallen mir aus jüngerer Zeit das bislang einzige Quartett Al-Asr des genialen jungen Franzosen Benjamir Attahir oder das erst kürzlich uraufgeführte Quartett Nr. 8 des deutschen Altmeisters Roland Leistner-Mayer ein. Als echte Bereicherung des Repertoires dürfen auch die bislang vier Streichquartette des 1964 geborenen Schweizers Fabian Müller gelten, von denen die drei letzten auf dem vorliegenden Album des Galathea-Quartetts zu hören sind. (Das Streichquartett Nr. 1 wurde bereits 2008, als die nachfolgenden noch nicht existierten, vom Petersen-Quartett für Capriccio aufgenommen.)
Thomas Müntzer
Deutsche Evangelische Messe • Deutsches Kirchenamt
Amarcord
cpo 555 700-2
1 CD • 77min • 2024
16.06.2025 • 10 10 10
Thomas Müntzer (ca. 1489-1525) ist anscheinend gerade einmal 36 Jahre alt geworden – sein Geburtsjahr 1489 ist freilich historisch nicht gesichert. Anders als Martin Luther (1483-1546), der mit 62 Jahren ein für damalige Zeiten recht hohes Alter erreichte, starb Müntzer nicht nur jünger, sondern als Aufständischer der Bauernkriege darüber hinaus noch durch das Schwert des Scharfrichters. Dennoch teilte er manches mit dem großen, nur wenige Jahre älteren Reformator. Allerdings nicht Luthers Neigung für die Obrigkeit, wenn sie sich denn in der Religion auf seine Seite schlug. Müntzer hielt es jenseits der Glaubensfragen – in denen er durchaus auf Seiten Luthers stand – mit denen, die im 20. Jahrhundert „die Entrechteten“ genannt wurden. Das brachte ihn auf die Seite der gegen die staatliche Obrigkeit Krieg führenden Bauern, deren Erhebung Luther erzürnte und zu seiner energischen Ablehnung ihrer Berufung auf seinen Grundsatz von der „Freiheit eines Christenmenschen" führte.
Irina Muresanu plays Violeta Dinescu
Solo Violin Works
métier mex 77106
1 CD • 71min • 2022
13.08.2025 • 10 10 10
Rumänische Komponisten? Außer George Enescu und vielleicht noch Dinu Lipatti fallen einem da spontan kaum Namen ein, wobei letzterer heute eigentlich nur noch als Pianist in Erinnerung geblieben ist. Hätte das Label cpo 2013 nicht wenigstens die 4. Sinfonie (von insgesamt 24 Gattungsbeiträgen!) des siebenbürgisch-sächsischen Komponisten Wilhelm Georg Berger (1929–1993) eingespielt – übrigens eine hervorragende Aufnahme, die auch Bergers herrliches Violakonzert, gespielt von Nils Mönkemeyer, zu Gehör bringt, aber leider längst vergriffen ist –, so wüssten wir von diesem rumänischen Meister diskographisch rein gar nichts. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Bergers Zeitgenossen und Landsmann Anatol Vieru (1926–1998), der unter anderem sieben Sinfonien und acht Streichquartette schrieb.
Musik der Hansestädte Vol. 3
Musik aus dem alten Magdeburg
Europäisches Hanse-Ensemble • Manfred Cordes
cpo 555 710-2
1 CD • 69min • 2024
31.07.2025 • 10 10 10
Im Jahr 1524, nur sieben Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, führte Magdeburg die Reformation ein und gehört somit zu den frühen Bollwerken der evangelisch-lutherischen Konfession. Mit „Musik aus dem alten Magdeburg“ widmet Manfred Cordes den dritten Teil seiner Reise duch die „Musik der Hansestädte“ dieser Festung der Reformation. Als Vorreiter der neuen Konfession war Magdeburg auch eine blühende Stätte einer erneuerten lutherischen Kirchenmusik als klingende Predigt des Evangeliums. Luther und den Seinen lag es keinesfalls im Sinn, die eschatologische Bedeutung der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi zu leugnen, ihre Umdeutung bezog lediglich die Gemeinde in den liturgischen Mitvollzug ein.
Nordic Journey Volume XVIII
North Atlantic Voyage
James D. Hicks
Pro Organo 7316
2 CD • 13min • [P] 2024
09.03.2025 • 10 10 10
Folge 17 und kein Ende: der Organist James D. Hicks kann im Laufe seiner nordischen Orgelreise immer wieder mit neuen Entdeckungen aufwarten. Spannend ist das immer noch und hoffentlich noch sehr lange, denn diese Reihe sucht Ihresgleichen!
Nostalgia
Brahms - Chorale Preludes • Dvořák - Biblical Songs
Gudrun Sidonie Otto Sopran • Andreas Liebis Organ
arcantus arc 25051
1 CD • 52min • 2023
28.12.2025 • 10 10 10
Der Begriff „Nostalgie“ wird bei uns im landläufigen Sprachgebrauch als wehmütige Hinwendung zu vergangenen (und gerne verklärten) Zeiten verstanden und ist kaum mit religiösen Dingen konnotiert. Für die Sängerin Gudrun Sidonie Otto und den Organisten Andreas Liebig verbindet er sich dagegen mit der Frage: „Wo finden wir das Schöne, Wahre und Gute – auch im Angesicht des Todes?“ Die Bedrohungen der sogenannten „Corona-Pandemie“ und des weltweiten Rüstungswahnsinns haben sie gedrängt, darauf eine musikalisch-spirituelle Antwort zu geben. Mit der Verquickung der 11 Choralvorspiele op. posth. 122 von Johannes Brahms und der Biblischen Lieder op. 99 von Antonín Dvořák gelingen ihnen wie schon im vorher veröffentlichten Programm „De profundis“ tief schürfende, zu Herzen gehende Interpretationen.
Opium
Eckart Runge & Jacques Ammon
Berlin Classics 0303974BC
1 CD • 71min • 2025
25.11.2025 • 10 10 10
Einen Ausflug in die Musik der 1920er Jahre machen der Cellist Eckart Runge und sein Pianist Jacques Ammon auf ihrer neuen CD mit dem vielversprechenden Titel „Opium“. Mit Musik von George Gershwin, Kurt Weil, Hanns Eisler, Erich Wolfgang Korngold, Ernest Bloch, Paul Hindemith, Gustav Mahler, Maurice Ravel, Germaine Tailleferre, Erik Satie und Jacob Gade entführen die beiden Musiker nach Paris und Berlin, in die Cafés und Varietés der damaligen Zeit. Doch die CD trägt nicht umsonst den Untertitel „Licht und Schatten der 20er Jahre“, thematisieren Runge und Ammon doch neben dem Wirtschaftswunder auch die größer werdende Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot in den großen Städten.
Maria Theresia Paradis
Ragna Schirmer • Hofkapelle München • Rüdiger Lotter
Berlin Classics 0303740BC
1 CD • 69min • 2074
01.06.2025 • 10 10 10
Maria Theresia Paradis (1759-1824) war zu ihrer Zeit ein medizinisch-musikalisches Wunderkind: Obwohl sie mit drei Jahren erblindete, legte sie eine steile Karriere als Pianistin und Komponistin hin, lernte bei Antonio Salieri, Vincenzo Righini und Abbé Vogler, machte eine glanzvolle Tournee durch Europa mit Paris als Höhepunkt, wo sie mindestens zehnmal bei den berühmten Concerts spirituels auftrat und sogar zusammen mit Königin Marie Antoinette öffentlich sang. In Wien war sie mit Mozart und Haydn bekannt, die für sie Klavierkonzerte komponiert haben – Mozart sicher, Haydn vermutlich.
Perseus
Piano Works by Michael Ostrzyga
Christoph Schnackertz Piano
Spektral SRL4-24206
1 CD • 74min • 2025
24.10.2025 • 10 10 10
Der Titel dieser CD – Perseus – gibt schon einen Hinweis darauf, wo der Kölner Komponist Michael Ostrzyga nicht selten seine Inspiration findet: am Himmel. Bei Perseus handelt es sich um einen sogenannten Galaxiencluster, in dessen Zentrum sich ein schwarzes Loch befindet. Auch Titel wie IMPULSAR oder Far Side oft he Moon zeugen davon, das Ostrzyga hoch hinaus will, auch im übertragenen Sinne. Seine Werke zeichnen sich durch eine sehr individuelle Verbindung zwischen Konstruktion und Intuition aus. Zum einen beziehen sie ihren Kern oft aus dem Universum oder der Natur – wie etwa in den Zyklen Nordsee-Tagebuch I & II – zum anderen sind sie sehr durchdacht aber auch mit einer gehörigen Portion Intuition konstruiert und aus persönlichen Erlebnissen oder Begegnungen entstanden.
Oskar C. Posa
Lieder • Violin Sonata • String Quartet
voilà! V001
2 CD • 2h 26min • 2023
14.12.2025 • 10 10 10
Die wohl spektakulärste Wiederentdeckung des vergangenen Jahres war der österreichische Komponist und Dirigent Oskar C. Posa (1873-1951), der nicht nur in der Nazi-Zeit, sondern auch in den Nachkriegsjahren aus der Musikszene verbannt, ja als Künstler nachgerade ausgelöscht wurde. Der französische Musikwissenschaftler Olivier Lalane und das Label Voilà haben ihm mit einem gründlich ausgestatteten Doppel-Album eine glanzvolle Rehabilitation widerfahren lassen.
Max Reger
inspired by J.S.Bach
Michael Schöch, piano
MDG 904 2369-6
1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2025
07.10.2025 • 10 10 10
Der 1985 in Innsbruck geborene österreichische Pianist und Organist Michael Schöch hat für seine neue CD Werke von Max Reger (1873–1916) ausgewählt, die dessen Verehrung für Johann Sebastian Bach besonders eindrucksvoll spiegeln. Das einzige Originalwerk des Albums ist zugleich das bedeutendste: Variationen und Fuge über ein Thema von J. S. Bach op. 81. Als Thema hat Reger das Oboenvorspiel der Arie „Sein‘ Allmacht zu ergründen“ aus der Himmelfahrtskantate BWV 128 gewählt, und daraus ein monumentales Klavierwerk entwickelt. Michal Schöch ist den hohen technischen und klanglichen Anforderungen der halbstündigen Komposition nicht nur gewachsen, es gelingt ihm auch, die enormen Spannungen nachzuzeichnen und dem Sinn des Werkes auf den Grund zu gehen.
Ferdinand Ries
Symphonies Nos. 6 & 7
Ondine ODE 1476-2
1 CD • 63min • 2023
05.10.2025 • 10 10 10
Das verdienstvolle Projekt des finnischen Labels ondine, alle acht Symphonien von Ferdinand Ries (1784-1838) aufzunehmen, ist mit dieser CD vollendet. Diese Symphonien „bilden einen beeindruckenden Kanon, der zu dem Besten gehört, was die Zeitgenossen und unmittelbaren Nachfolger geschaffen haben“, urteilt Allan Badley im ausführlichen und kundigen zweisprachigen Booklet. Allan Badley ist Musikwissenschaftsprofessor an der Universität von Auckland und Herausgeber der Ries-Werke für Klavier und Orchester. Überhaupt ist die Ferdinand-Ries-Forschung englisch dominiert, weil Ries, der äußerst weltläufige Beethoven-Schüler und Komponist, in England Mitglied und dann gleich einer der Direktoren der Philharmonic Society war und auch eine Engländerin geheiratet hatte. Sechs seiner Symphonien entstanden für diese Musikgesellschaft.
Gioacchino Rossini
Petite messe solennelle
Rheinische Kantorei • Edzard Burchards
cpo 555 232-2
2 CD • 62min • 2016
01.09.2025 • 10 10 10
Aufnahmen von Rossinis „Petite messe solenelle“ gibt es viele, diese hier besticht durch die mühelose Leichtigkeit des Chorgesangs und durch den von Tobias Koch gespielten Érard-Flügel, dazu kommt die phänomenale Akustik der Klosterbasilika Knechtsteden. All dies gibt dem vielgespielten Werk ironische Frische und zugleich innigen Ernst.
Russian Music
The Koroliov Series Vol.XXVI
Nikolai K. Medtner Sergei Prokofiev Alexander Scriabin Piotr I. Tchaikovsky
Tacet 264
1 CD • 76min • 1992, 2021, 2022
01.08.2025 • 10 10 10
Das russische Klavierrepertoire wird oft auf die großen virtuosen Brocken – etwa von Mussorgski oder Prokofiev – reduziert. Oft genug gehen dabei Zwischentöne oder ungewöhnliches Repertoire unter. Auch unter einem einen anderen Aspekt ist diese Einspielung von Evgeni Koroliov hochinteressant. Seine mittlerweile 26. Einspielung in seiner eigenen Serie bei dem Label Tacet widmet sich Werken von Scriabin, Medtner, Tchaikovsky und Prokofiev: kleinen Charakterstücken und selten gespielten Werken, die oft im Schatten des großen Virtuosenrepertoires stehen.
Jacob Schuback
Brockes-Passion
cpo 555 705-2
2 CD • 2h 16min • 2024
31.03.2025 • 10 10 10
Erstaunlich, wie viele Komponisten und Literaten des deutschen Barocks einen juristischen Hintergrund hatten. Hierzu gehören J.H. Schein, J. Kuhnau, der neben dem Thomaskantorat noch eine Kanzlei betrieb, Telemann, C. Graupner sowie die Bach-Söhne Friedemann und Carl Philipp Emanuel. Eine echte Doppelung legt die Capella Cathedralis Fulda begleitet von L’Arpa festante unter der Leitung von Franz-Peter Huber nun mit der Brockes-Passion des Hamburgischen Senatssyndicus Jacob Schuback (1726-1784) in Ersteinspielung vor. Hauptberuflich war Schuback Jurist und als Diplomat Hamburgs Vertreter beim „Immerwährenden Reichstag“ in Regensburg. Sein Vater amtierte von 1754 – dem Entstehungsjahr der Komposition – bis 1782 als Bürgermeister der Stadt. Da der Textdichter Barthold Heinrich Brockes – ebenfalls Jurist und Diplomat – und Vater Schuback seit 1737 Senatorenkollegen waren, dürften Librettist und Komponist sich näher gekannt haben.
Sibelius Recordings
Leif Segerstam • Helsinki Philharmonic Orchestra
Ondine ODE 1500-2Q
15 CD • 16h 49min • 1994-2015
07.12.2025 • 10 10 10
Am 9. Oktober 2024 starb der große finnische Dirigent Leif Segerstam im Alter von 80 Jahren. Das ansonsten oft etwas inflationär benutzte Adjektiv "groß" hat bei Segerstam seine Berechtigung: Er war eine echte Renaissance-Figur, ein Tausendsassa im wahrsten Sinne des Wortes: In so gut wie allen Genres war er zuhause – in der Oper wie in der Sinfonik. Zu den Opernhäusern, an denen er zu Gast war, zählen die MET, die Scala, die Bayerische und die Wiener Staatsoper. Als Chefdirigent leitete er unter anderem das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, das Radio-Symphonieorchester Dänemark, vor allem aber – von 1995 bis 2007 – das Philharmonische Orchester Helsinki. Doch dazu später. Vorher sollte noch erwähnt werden, dass Segerstam neben all diesen Tätigkeiten auch noch Dirigieren am Konservatorium Helsinki unterrichtete. Und als sei dies nicht genug, meldete er sich auch als Komponist zu Wort – unter anderem mit nicht weniger als 371 (!) Sinfonien zu Wort; eine Gesamteinspielung ist noch nicht in Planung.
Sibelius
Symphony No. 5 • Two Serenades • Two Serious Melodies • Swanwhite
Ondine ODE 1468-2
1 CD • 77min • 2024
13.06.2025 • 10 10 10
Es war für ihn ein „Ringen mit Gott“: insgesamt drei Anläufe brauchte Jean Sibelius, um seine fünfte Symphonie fertigzustellen. 1915 war es endlich soweit, doch zufrieden war der Komponist nicht. Er knöpfte sich sein Geburtstagsstück, das der finnische Staat anlässlich seines 50. Geburtstags bei ihm bestellt hatte, noch einmal vor und revidierte es zuerst 1916, dann nochmal 1919 grundlegend. Diese Fassung erklang dann am 24. November 1919 unter seiner eigenen Leitung zum ersten Mal. „Jetzt ist sie gut“, stellte der als finnischer Nationalkomponist verehrte Sibelius nun endlich fest.
Spanienreise
Granados | Popp | Torroba
Jens-Uwe Popp
Ars Produktion ARS 38 689
1 CD • 16min • 2023
02.12.2025 • 10 10 10
Musikalische Reisen machen Sehnsuchtsorte lebendig – dafür ist Jens-Uwe Popps „Spanienreise“ ein leuchtendes Beispiel. Mit feinem Gespür für Klangfarben, Flamenco-Leidenschaft und mediterrane Melancholie führt der Gitarrist durch ein imaginäres Spanien, das zwischen Folklore, Klassik und Jazz seine ganze Vielfalt entfaltet.
Carl Stamitz
Concertos for Clarinet & Orchestra Vol. 3
Kurpfälzisches Kammerorchester • Paul Meyer
cpo 555 722-2
1 CD • 56min • 2024
27.10.2025 • 10 10 10
Dass in der Hochklassik nicht nur Mozart kompetent für die Klarinette komponierte, beweisen die für Joseph Beer geschaffenen Konzerte von Carl Stamitz. Absolute Genussmusik, wie geschaffen zur „Auffheiterung des Gemüths“ in dunklen Tagen. Zudem ungemein brillant und in charmanter Klarheit dargeboten.
Johann Franz Xaver Sterkel
Symphonies op. 11/2 & 11/ 3 • Piano Concerto op. 26/3
cpo 555 639-2
1 CD • 68min • 2023
17.07.2025 • 10 10 10
Nachdem sich Nataša Veljkovic und Johannes Moesus bereits höchst erfolgreich mit den Werken des Beethoven-Zeitgenossen Joseph Woelfel auseinandergesetzt haben, ergreifen sie jetzt das Panier des zu Lebzeiten als Pianist und Komponist ebenfalls hochgeachteten Priesters Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817), dessen frühe, um 1785 entstandene Sinfonien neben denen Gossecs und Haydns in Paris für Furore sorgten. Sein C-Dur-Klavierkonzert, entstand ebenfalls in diesen Jahren.
Jan Pieterszoon Sweelinck
Pseaumes de David
Weser-Renaissance • Manfred Cordes
cpo 555 526-2
1 CD • 78min • 2022
08.09.2025 • 10 10 10
Jan Pieterszoon Sweelingk (1562-1621) kam als Kind nach Amsterdam und amtierte dort – als Nachfolger seines Vaters – 44 Jahre lang als Organist an der Oude Kerk. „Die Bedeutung seiner Orgel- und Klavierstücke kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, stellt Viktor Lukas in seinem „Reclams Orgelführer“ lakonisch fest, vergisst aber nicht darauf hinzuweisen, dass Sweelinck auch auf vokalem Gebiet ausgezeichnete Werke hinterlassen und durch seine Schüler nachhaltigen Einfluss ausgeübt habe, unter anderem auf Samuel Scheidt in Deutschland. Interessant ist Sweelincks religiöse Zwitterstellung als Katholik im calvinistisch gewordenen Amsterdam und als Organist in einer Stadt, die eigentlich das Orgelspiel im Gottesdienst untersagt hatte.
A Swoosh of Dreams
Reinhard Schwarz-Schilling • Heinrich Kaminski
The Complete Songs
Aldilà Records ARCD 028
2 CD • 1h 30min • 2024
03.06.2025 • 10 10 10
Heinrich Kaminski und Reinhard Schwarz-Schilling, Lehrer und Schüler, zwei in ihrer Ästhetik und ihren Idealen eng verwandte Komponisten, werden auf diesem Doppelalbum anhand ihres Liedschaffens gemeinsam portraitiert. Gekoppelt mit klug ausgewählten kleineren Beigaben, überzeugt die Produktion nicht nur durch exzellente Darbietungen, sondern auch durch die Sorgfalt ihrer Präsentation.
Tabulatura Joannis de Lublin
Missa votiva de Beata Maria Virgine
Andrzej Szadejko
MDG 902 2336-6
1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2019
07.02.2025 • 10 10 10
Eine immense Forschungsarbeit ging diesem Album mit Musik aus der Tabulatur des Jan z Lublina oder Joannis de Lublin, eines polnischen Organisten und Kanonikers des frühen 16. Jahrhunderts, voraus. Der bedeutende Kodex entstand zwischen 1537 und 1548 und enthält auf 520 Seiten neben ein paar Dutzend Tänzen und weltlichen Liedern in mehreren Sprachen ein umfangreiches geistliches Repertoire, zu dem neben Hymnen und Antiphonen etwa drei Orgelmessen gehören. Allein die Entzifferung der schönen Handschrift, von der sich im Beiheft eine Abbildung findet, ist musikwissenschaftlich verdienstvoll.
Georg Philipp Telemann
Französischer Jahrgang 1714/1715
Complete Cantatas Vol. 5
cpo 555 440-2
2 CD • 2h 31min • 2023
15.09.2025 • 10 10 10
Die Ersteinspielung des kompletten „Französischen Jahrgangs“ von 1714/15 aus der Feder der Herren Erdmann Neumeister und Georg Philipp Telemann ist eine editorische Großtat. Felix Koch und seine Ensembles setzen die im australischen Canberra erscheinenden Notenausgaben mit Begeisterung und hoher stilistischer Kompetenz um. Auch das Anfang 25 erschienene Vorgänger-Volume lohnt sich unbedingt.
Georg Philipp Telemann
Kantaten – Französischer Jahrgang Vol. 4
Gutenberg Soloists • Neumeyer Consort • Felix Koch
cpo 555 439-2
2 CD • 2h 19min • 2023, 2022
05.02.2025 • 10 10 10
Mit Vol. 4 feiern Felix Koch, die Gutenberg Soloists sowie das Neumeyer Consort „Bergfest“ bei ihrer Mammutunternehmung, den kompletten 1713/14 in Eisenach und ein Jahr später in Frankfurt uraufgeführten „Französischen Jahrgang“ der Herren Georg Philipp Telemann und Erdmann Neumeister auf Tonträgern festzuhalten. Hierbei ermöglicht Nun komm der Heiden Heiland TWV 1:1175 den direkten Vergleich mit der Komposition desselben Textes in Bachs BWV 61.
Georg Philipp Telemann
Six Quatuors ou Trios 1733
cpo 555 427-2
1 CD • 63min • 2020
06.01.2025 • 10 10 10
Wer immer noch meint, barocke Musik sei bloße abstrakte Musik und keine „Programmmusik“, sollte sich auf dieser CD zuerst den Schluss anhören, insbesondere die Tracks 25-29: Diese fünf Sätze aus dem Stück mit dem nichtssagenden Titel Introduzione a tre aus Der getreue Musikmeister von Georg Philipp Telemann sind fünf Frauen-Porträts aus der Geschichte bzw. Mythologie, deren Wesen und Schicksal hier musikalisch geschildert wird: das Keifen von Xanthippe, der angeblich streitsüchtigen Ehefrau von Sokrates, das Klagen von Lukretia, die von Tarquinius vergewaltigt worden ist, das vielfältig-gescheite Wesen der griechischen Lyrikerin Corinna, die Wellen des Tibers, den die heroische Römerin Cloelia durchschwamm, und das Schwanken zwischen Verzweiflung und Trauer der von Aeneas verlassenen Dido.
Georg Philipp Telemann
VI Ouvertures à 4 ou 6
L'Orfeo Barockorchester • Carin van Heerden
cpo 555 519-2
1 CD • 81min • 2021
22.09.2025 • 10 10 10
Georg Philipp Telemann brachte 1736 seine VI Ouvertures à 4 ou à 6 im Selbstverlag heraus. Diese sechs Orchestersuiten bilden die jüngeren, besetzungstechnisch weniger anspruchsvollen Geschwister der drei großbesetzten virtuosen Ouvertüren der Tafelmusik, die eher für große Hofkapellen und die Collegia musica der bedeutenden Universitätsstädte geeignet waren. Nur ein einziges Exemplar dieses Drucks hat sich erhalten, was womöglich auf eine nur kleine Auflage zurückzuführen ist, da Telemann um diese Zeit auf Zinkplatten statt Kupfer umstieg, die leichter zu bearbeiten waren, sich jedoch schneller abnutzten. Allerdings existieren zusätzliche Abschriften aus dem Umfeld von Telemanns kollegialem Freund Christoph Graupner in Darmstadt.
Trio Karénine
Tchaikovsky
Mirare MIR784
1 CD • 74min • 2025
26.12.2025 • 10 10 10
2009 gegründet, hat sich das Pariser Trio Karénine mittlerweile nicht zuletzt durch eine Reihe ausgesprochen positiv besprochener CD-Einspielungen als hochkarätiges junges Ensemble etabliert. Namensgebend für das Trio ist natürlich Tolstois „Anna Karenina“, und insofern erscheint es nur zwangsläufig, dass sich die drei Musiker auf ihrem jüngsten Album nun auch musikalisch ins Russland des 19. Jahrhunderts begeben. Zentrum des Programms ist Tschaikowskis monumentales Klaviertrio a-moll op. 50 À la mémoire d’un grand artiste, umrahmt von zwei langsamen Sätzen aus Werken Tschaikowskis und Rimski-Korsakows.
Francesc Valls
Con afecto
Works from Mapa Armónico Práctico1742
MDG 923 2368-6
1 CD/SACD stereo/surround • 70min • 2024
22.11.2025 • 10 10 10
Der katalanische Komponist Francesc Valls ( ca. 1671 – 1747) wirkte vor allem in Barcelona als „maestro de capilla“. Seine Kompositionslehre „Mapa armónico práctico“, die 34 Kapitel umfasst, enthält zahlreiche Kompositionen, unter denen sich ausgereifte kleinere Werke für Sänger und Instrumentalisten befinden. Es ist überaus verdienstvoll, dass sich das 2015 von dem deutschen Dirigenten Gordon Safari gegründete Ensemble BachWerkVokal dieser praktisch unbekannten Barockmusik angenommen hat, erweitert durch meist kirchenmusikalische Stücke des Komponisten, die hier als Ersteinspielung vorliegen.
Antonio Vivaldi
Il Suono Ritrovato
Works with obbligato Organ
in Aures CD2501
1 CD • 70min • 2023, 2024
17.05.2025 • 10 10 10
Dass mich eine CD, die ausschließlich Antonio Vivaldi gewidmet ist, nicht zwingend begeistert, dürfte den Lesern bekannt sein. Desto schöner, dass jetzt eine Produktion auf meinen Schreibtisch gelangte, die mir höchste Freude bereitete. Wohl nur die Wenigsten werden wissen, dass Vivaldi gelegentlich eine obligate Orgel in seinen Concerti und Sonaten einsetzte. Wer uns dies ins Bewusstsein ruft, erwirbt sich allein schon durch das Aufzeigen dieser Facette Verdienste. Geschieht es auf die hier dokumentierte Weise muss höchstes Lob die Folge sein.
Wagner Liaisons!
Matthias Kirschnereit
Berlin Classics 0303973BC
1 CD • 69min • 2024
27.11.2025 • 10 10 10
Wenn Wagner verliebt war oder sich bei wichtigen Damen der Gesellschaft einschmeicheln wollte, griff er gelegentlich zur Klavierminiatur. Diese Kompositionen zeigen uns die lyrisch-humoristische Seite des häufig als Bombastiker Geschmähten. Tristan schließt sich den Meistersingern an. Matthias KirschnereIt kombiniert diese Kleinodien sehr sinnig mit weiteren Wagner-inspirierten Preziosen.
Hans Winterberg
Chamber Music Vol. 2
eda records EDA 053
1 CD • 70min • 2023, 2024
28.01.2025 • 10 10 10
Bei der Rezeption des deutschsprachigen Prager Juden Hans Winterberg (1901-1991), der nach kurzer Internierung in Theresienstadt 1945 seine zweite Lebenshälfte in Bayern verbrachte, hat sich in den letzten drei Jahren einiges getan. Insbesondere durch den unermüdlichen Einsatz von Winterbergs leiblichem Enkel Peter Kreitmeier und Frank Harders-Wuthenows – sowohl beim Musikverlag Boosey & Hawkes als auch als verantwortlicher Produzent bei eda records – werden viele Werke des Komponisten, nach seinem Tode lange unter Verschluss, nun in erstaunlichem Tempo als Notenmaterial und auf Aufnahmen zugänglich gemacht. Vor allem aber kommt es zunehmend wieder zu Aufführungen seiner Musik.
Hans Winterberg
complete piano sonatas
Jonathan Powell
eda records 054
1 CD • 78min • 2024
04.07.2025 • 10 10 10
Der kürzlich mit nur 56 Jahren verstorbene britische Pianist Jonathan Powell hat sich zuletzt ausgiebig der Klaviermusik des noch immer weit unterschätzten, aus Prag stammenden Hans Winterberg (1901–1991) gewidmet. Die virtuos-vielschichtige Aufnahme von dessen fünf Sonaten – die letzten drei als Ersteinspielung – bringt nun deren Relevanz für die Entwicklung der Gattung in Tschechien im 20. Jahrhundert endlich voll zur Geltung.
Les yeux clos
Takemitsu & Messiaen
Music for Piano Solo
Stradivarius STR 37304
1 CD • 68min • 2024
17.01.2025 • 10 10 10
Les Yeux clos“ – Mit geschlossenen Augen, so lautet der Titel dieser CD, der einem Klavierwerk von Toru Takemitsu entlehnt ist. Das könnte passender kaum sein, beschreibt es doch gleichzeitig die Hörhaltung, in der man diese CD am besten genießt: entspannt, in Ruhe, mit geschlossenen Augen und ganz auf das hörend, was da die Ohren umschmeichelt. Das tut diese Musik nämlich. Die Pianistin Sanna Vaarni hat Werke Takemitsus mit Werken von Olivier Messiaen kombiniert. Die Auszüge aus dem Zyklus 20 Regards sur l’enfant Jésus und Île de feu passen perfekt zu der ebenso demütigen wie sinnlichen Musik des japanischen Komponisten, der wie der Musik Messiaens etwas zutiefst Rituelles, Sakrales zu eigen ist.
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