Bella Furia
Rarely performed arias by Paisiello, Piccinni, Haydn, Mozart and Salieri
Shira Patchornik • CHAARTS chamber artists
Solo Musica SM 553
1 CD • 59min • 2025
13.02.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
In Tel Aviv und Leipzig ausgebildet, mit einigen Wettbewerbspreisen ausgezeichnet, ist die israelische Sopranistin Shira Patchornik (Jg. 1993) seit einigen Jahren auch an den großen deutschsprachigen Opernhäusern anzutreffen. Ihr erstes Solo-Album, gemeinsam mit dem jungen Schweizer Kammer-Ensemble CHAARTS herausgegeben, ist sozusagen als Visitenkarte der beteiligten Musiker zu verstehen, wobei das zweifellos interessante Programm nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Mangelhafte Präsentation
Denn: so verdienstvoll es grundsätzlich ist, wenig bekannte und unbekannte Arien in Archiven „auszugraben“ und wieder zugänglich zu machen, so bedenkenlos ist in diesem Fall die Art der Präsentation. Das beginnt schon bei der Trackliste, die zwar die singenden Personen und die Arienanfänge angibt, nicht aber die Titel der Opern, aus denen die Stücke stammen. Einen Abdruck der gesungenen Texte hat man sich erspart, es gibt auch keine Beschreibungen der Inhalte oder gar des Kontexts, in dem die Arien stehen. An welche Klientel wendet sich ein solches Album? Wem genügt es, eine Stimme zu genießen, ohne den Sinn des Gesungenen zu verstehen? Auch der erfahrene Rezensent ist da gehalten, selbst im Internet zu recherchieren, um wenigstens einige grundlegende Informationen zu erhalten.
Kecke Dienerinnen
In der Auswahl der Arien kommen wechselweise Dienerinnen und Herrinnen zu Wort. „Furien“, wie der Albumtitel nahelegt, sind sie alle nicht, schlimmstenfalls kleine Biester wie Serpina in La serva padrona, die hier in der Version von Giovanni Paisiello (1781) zu hören ist, der die Rolle deutlich lyrischer anlegt als Pergolesi. Auch Susanna in Le nozze di Figaro ist keine Furie, ganz im Gegenteil, wenn sie in Vorfreude auf die Vereinigung mit Figaro schwelgt. Anstelle der innigen „Rosenarie“ singt sie hier die für eine Wiener Aufführung (1787) nachkomponierte Ersatzarie „Al desio di chi t’adora“ mit virtuosem Schlussteil. Die Primadonna Adriana Ferrarese del Bene, die ein paar Jahre später die Rolle der Fiordiligi kreierte, soll sie verlangt haben.
Melancholische Edeldamen
Die drei adligen Damen, die sich in diesem Recital vernehmen lassen, erscheinen in ihrem Leiden an der Untreue des Gatten als nahe Verwandte der Figaro-Gräfin. Die Contessa in einer nicht deklarierten Oper von Niccolò Piccinni teilt sogar den Arienanfang mit dieser: „Dove sono i bei momenti“. Elegische Töne herrschen desgleichen bei der Marchesa in La buona figliuola vor, auch wenn sie „Furia di donna irrata“ heraufbeschwört. Einen Klagegesang, in dem leise Hoffnung aufflammt, stimmt die Contessa in Antonio Salieris La scuola de‘ gelosi an, da ihr Gatte mit der bürgerlichen Ernestina fremdgeht.
Überzeugende Umsetzung
Shira Patchornik, deren Stimme sich in einem Grenzbereich zwischen Soubrette und lyrischem Koloratursopran bewegt, besitzt die Beweglichkeit und Keckheit für die Dienerinnen, verfügt aber auch über den weiten Atem und die Wärme für die Kantilenen der edlen Damen. Ihre Stärke liegt im temperamentvollen Vortrag, der auf der Bühne seine Wirkung nicht verfehlen dürfte. Für die Zukunft ist von ihr sicher noch einiges zu erwarten. Sie wird hier geschmeidig sekundiert vom Kammer-Ensemble CHAARTS, das in einer originellen und klanglich reizvollen Kombination agiert – einem Streichquintett stehen neun Bläser gegenüber, eine Flöte und je zwei Oboen, Fagotte, Klarinetten und Hörner. Nur recht und billig, dass ihnen das Finale zugestanden wird: Mozarts als „Nannerl-Septett“ bekanntes sechsteiliges Divertimento D-Dur KV 251, 1776 zum 25. Namenstag der Base komponiert, in dem eine Oboe und zwei Hörner mit einem Streichquartett konzertieren. In beschwingtem Tempo und mit leichtfüßigem Spielwitz setzen die Musiker den Humor dieser Gelegenheitskomposition um.
Ekkehard Pluta [13.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Niccolò Vito Piccinni | ||
| 1 | Ah ceffaccio d'assassino (Arie der Livietta) | 00:03:55 |
| Joseph Haydn | ||
| 2 | Non S'innalza (Arie der Baronessa) | 00:02:49 |
| Niccolò Vito Piccinni | ||
| 3 | Dove sono i bei momenti (Arie der Contessa) | 00:04:45 |
| Wolfgang Amadeus Mozart | ||
| 4 | Al desio di chi t'adora (Arie der Susanna) | 00:07:06 |
| Antonio Salieri | ||
| 5 | Or ei con Ernestina ... Ah sia già (Arie der Contessa) | 00:08:12 |
| Giovanni Paisiello | ||
| 6 | Stizzoso, mio Stizzoso (Arie der Serpina) | 00:04:55 |
| Niccolò Vito Piccinni | ||
| 7 | Furie di donna irrata (Arie der Marcheza) | 00:05:29 |
| Wolfgang Amadeus Mozart | ||
| 8 | Divertimento D-Dur KV 251 (Nannerl-Septett) | 00:21:43 |
Interpreten der Einspielung
- Shira Patchornik (Sopran)
- Chaarts Chamber Artists (Ensemble)
