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Besprechung CD

Trifolium

Al mio caro Amico...

Lindoro NL-3070

1 CD • 57min • 2023

16.05.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dass Mozart und Haydn sich bei ihren Streichquartett-Kompositionen gegenseitig inspirierten und beflügelten, dass hier Meister von Meister lernten, weiß man. Trotzdem will das spanische Streichquartett mit dem hübschen Titel „Trifolium“, also: Kleeblatt, dies nachdrücklich mit dieser CD demonstrieren und stellt Mozarts KV 387 (aus der Haydn gewidmeten Quartett-Reihe) gegen Haydns op. 74/2: geistvolles Zusammenwirken von Fuge und Sonatensatzform, „Musik aus Musik, filtrierte Kunst (Alfred Einstein), gegen schon sinfonisch-gedachtes Quartettspiel. Dabei gelingt es dem spanischen „Kleeblatt“, den Spruch des Mozart-Biografen Einstein hörbar zu machen: „Mozarts Themen haben in sich, aus denen Haydns wird sich etwas entwickeln.“

Der Hörer sitzt zwischen den Spielern

Zuerst sei etwas über die Tonregie gesagt, weil sie sich beim Hören sofort aufdrängt: Der Klang ist so direkt, dass man das Gefühl hat, direkt vor, besser gesagt zwischen den Spielern zu sitzen, weil der Stereo-Effekt das so vermittelt. Das führt auch dazu, dass man das Atmen der Spieler hört sowie das Setzen der Finger auf die Saiten. Gleichzeitig hat der Tonregisseur allem viel Raumklang mitgegeben – vor allem die sonoren Cello-Töne hallen hörbar nach.

Hellsichtig klar, aber nicht kantabel genug

Das Spiel des „Kleeblatts“ ist kraftvoll, immer rhythmisch gespannt und gleichzeitig federnd. Die Akzente bei Mozart sind deutlich ausgespielt, im Minuetto halten die Musiker durch das Markieren der widerborstigen Synkopen den Rhythmus schön im Schweben – aber sie überbetonen nicht das Bizarre, sondern binden es durchaus spannungsvoll ein. Das Finale, diese Mischung aus Galantheit und Gelehrtheit, klingt hellsichtig klar, nicht bloß „verspielt“, sondern sehr ernst: Sie machen klar, dass die Polyphonie hier wie ein Brennspiegel fungiert, der alle musikalische Ideen einfängt, entzündet und wieder ausstrahlt. Das Spiel wirkt mental befeuert, manchmal wie ein Spiel wie mit angehaltenem Atem ob der unfassbaren Komponier-Kunst Mozarts. Dafür fehlt dem Andante cantabile ein wenig das „cantabile“ – gerade, weil es in diesem langsamen Satz an keiner Stelle eine „Melodie“ gibt, nur dekoriert-verbrämte Dreiklangsbrechungen und Skalenabstiege. Fast angstvoll sind die Leerstellen, d.h. die Pausen. Betont ist – auch durch die Tonregie – die Rolle des grundlegenden Cellos im Gesamtklang.

Das kraftvolle Spiel des Quartetts ist genau richtig im sinfonisch-orchestralen Impetus des Haydn-Quartetts mit seinen fast triumphierenden Trillern und den raumgreifenden Uniosono-Stellen. Der Variationssatz ist zart und kostbar ausgespielt, vor allem die zweite Variation in Moll, das fast zwanghaft zum Dur strebt. Im Finale rumort’s gehörig orchestral.

Rainer W. Janka [16.05.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Streichquartett Nr. 14 G-Dur KV 387 00:35:01
Joseph Haydn
5Streichquartett F-Dur op. 74 Nr. 2 Hob. III:73 00:21:39

Interpreten der Einspielung

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