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Besprechung CD

Bernardo Pasquini

L'Idalma overo Chi la dura la vince

cpo 555 501-2

3 CD • 3h 10min • 2021

26.09.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Lindoro, ein barocker Don Juan, der Liebe nur als kurzzeitigen Genuss betrachtet („Ich will lieben, aber um zu genießen“; singt er), hat einmal Irene geliebt, sie aber dann verlassen und Idalma geheiratet, die ihn aber schnell langweilt. Irene hat währenddessen Lindoros Freund Celio geheiratet. Lindoro will wieder zurück zu Irene. Das gibt viel Raum für Liebeswirren und -intrigen, Streitgespräche, Gefühlsverwechslungen, heimliche Fluchtpläne, Tränenflüsse und Ohnmachtsanfälle, ja sogar Mordversuche – und Gelegenheit zu unzähligen komponierten echten oder vorgeblichen Liebesschwüren, Klage-Arien, Tränenflüssen und Racherasereien. Am Ende finden sich die Paare, auch weil Idalma standhaft bleibt („In einem Meer der Unbeständigkeit will ich ein Fels der Treue sein“ singt sie) und dem Werben von Almiro, Irenes Bruder, nicht nachgibt. All dies findet man in der über dreistündigen Barockoper L' Idalma overo Chi la dura la vince (zu Deutsch: „Der, der aushält, gewinnt zuletzt“) von Bernardo Pasquini (1637-1710).

Höhepunkt der barocken Commedia per musica

Pasquini stand über vierzig Jahre im Dienst der römischen Fürstenfamilie Borghese. In dieser Zeit hat er sich als einer der meistgeschätzten römischen Komponisten etabliert. Das Booklet gibt darüber ausgiebig Auskunft. Pasquini komponierte mehr als 14 Opern, ca. 70 Kantaten, zahlreiche Oratorien und auch viele Werke für Tastenmusik, vor allem Toccaten, Suiten, Partiten und Variationen. Die hier vorliegende Oper kann „als absoluter Höhepunkt des Genres der Commedia per musica…vielleicht des gesamten Musiktheaters jener Zeit betrachtet werden.“ So schwärmt das Booklet. Viel Lob also.

Beim Hören der drei CDs hat man, wenn man den italienischen Text auf Deutsch verfolgt, viel Spaß und das Verlangen, die Oper auch zu sehen, was bei den Innsbrucker Festwochen 2021 möglich gewesen ist. Die Aufnahme entstand dort. Bilder aus dieser Inszenierung schmücken reichhaltig das Booklet und geben zumindest einen Eindruck von der kostümüppigen szenischen Umsetzung.

Agile und spielfreudige Stimmen

Eigentliche Arien gibt es wenige, meist nur ausgedehnte, sich ins Ariose auswachsende Rezitative. Die Solisten haben alle sehr bewegliche, agile, spielfreudige und schnell anspringende Stimmen. Sie kommen gut mit der italienischen Sprache zurecht, einige hätten sich aber mehr auf die Konsonanten konzentrieren sollen, sie quasi als Sprungbrett für die Vokale verwenden sollen. Am besten tut das Anita Rosati als Page Dorillo. Ihr quicklebendiger Sopran ist einfach sonnenscheinhaft, wenn sie als kleine Genussphilosophin auftritt, gibt es einen Temperamentsschub. Ihr Gegenpart, der Diener Pantana, antwortet immer etwas bassig derb und kriegt vom Orchester oft das lärmende Schlagzeug dazu geliefert. Rocco Cavalluzzi gestaltet seinen Part sehr lebendig, in einer längeren Canzone warnt er deutlich-drastisch alle Mädchen vor den Liebesstürmen der Männer (CD 3, Track 10).

Rupert Charlesworth ist der donjuaneske Lindoro mit einem etwas metallenen Tenor, als Celindo führt Juan Sancho einen hellen, weichsüßen und immer schwärmerischen Tenor ins Feld, der Bariton von Morgan Pearse ist so edel-viril wie seine Rolle als Almiro. Arianna Venditelli macht mit ihrem sehr fraulich klingenden und koloratursicheren Sopran klar, dass sie die Titelrolle hat, Margherita Maria Sala mit ihrem dramatischen Alt, dass sie als Irene die Handlung vorantreibt. Sehr empfindungsvoll wird ihre Stimme bei der langen Klage- bzw. Todeswunsch-Arie kurz vor dem Opern-Ende (CD 3, Track 4 und 7)

Sinnlich-schön spielende Barockgitarren

Der Dirigent Alessandro De Marchi, der diese Oper aus dem Jahre 1680 mit ediert hat, sorgt für Feuer, Liebesglut und zornige Wut bei den Solisten und für viel Glanz bei den Streichern (nur selten greifen die Blockflöten ein), vor allem aber die meisterhaft gespielten Barockgitarren und die Theorben produzieren eine große Klangfarbenpalette, spielen sinnlich-schön, abwechslungsreich und charaktervoll – was wichtig ist bei den schier endlosen Rezitativen.

Dass die Aufnahme Produkt einer Theaterinszenierung ist, hört man daran, dass die Stimmen oft verschieden weit vom Orchester stehen, also das Orchester oft stark im Vordergrund ist. Vor allem Juan Sancho scheint sich immer etwas weit weg von den Mikrofonen zu befinden, das schmälert etwas seine Wirkung.]

Rainer W. Janka [26.09.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bernardo Pasquini
1L' Idalma overo Chi la dura la vince

Interpreten der Einspielung

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