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CD-Besprechung

Human Rights

Kendlinger

K21 2828

1 CD • 42min • 2021

10.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Ich bin Autodidakt in der fünften Generation“, erklärte der Dirigent und Komponist Matthias Georg Kendlinger unlängst in einem Interview mit Barbara Schulz, weder das eine noch das andere habe er jemals auf akademischem Wege gelernt (obwohl in einer früheren Biographie von einem Lehrjahr bei Leopold Hager die Rede ist). In seinem Metier ein notorischer „Querdenker“, ist er ausgezogen, die Schönheit der Musik zu retten und die Welt besser zu machen. Dem Musikbetrieb hat er die kalte Schulter gezeigt und sich systematisch ein kleines Paralleluniversum aufgebaut. Schon vor 20 Jahren hat er in Lemberg (Lviv) ein eigenes Orchester gegründet, dessen Name K&K Philharmoniker auf die gemeinsame österreichisch-ukrainische Vergangenheit anspielt, und ist mit ihm vor allem mit Johann Strauß-Programmen international erfolgreich unterwegs. Seit 2017 gibt es in der gleichen Stadt auch ein Festival, das der Aufführung seiner Werke vorbehalten ist, und für die Vermarktung sorgt neben hoher Internet-Präsenz das eigene Label K21 (Klassische Musik des 21. Jahrhunderts). „Zeitgenössische melodiöse Klassik“ ist sein Ziel, und dass ihn die Fachkritik zumindest als Komponisten weitgehend ignoriert, schert ihn, der ein „einfacher Tiroler Bauernbub“ geblieben ist, nicht im mindesten.

Bekenntnismusik

Seine 3. Sinfonie, 2018 in Lemberg uraufgeführt und im vergangenen Sommer aufgezeichnet, trägt wie die beiden vorauf gegangenen („Manipulation“, „Die Österreichisch-Ukrainische“) einen programmatischen Titel: „Menschenrechte“. Die werden seiner Meinung nach weltweit „mit Füßen getreten“ (und ernsthaft widersprechen wird ihm da wohl niemand). In fünf Sätzen wird das Thema abgehandelt, die ersten beiden sind rein orchestral mit wechselnden Tempo-Angaben (wobei der Marschcharakter vorherrscht) und Bezeichnungen wie „breiter Aufschrei“, „Tanz trist“, „nachdenklich“, „gewichtig“. Die letzten drei sind vokal angelegt und transportieren auf ein selbst gedichtetes Libretto die Message: „Wo, wo, wo…wo bleibt das Menschenrecht, Recht?“ Hämmernde, sich ständig wiederholende Slogans, vom Chor verkündet und von drei Gesangssolisten spezifiziert.

Nach Kendlingers eigenen Angaben changiert seine streng tonale Musik zwischen klassischer Musik und Filmmusik. Und das ist durchaus zutreffend. Man kann sich eine Wiedergabe dieser Symphonie in Verbindung mit Video-Produktionen zur Verdeutlichung des Inhalts durchaus vorstellen. In dem dieser Audio-Version zugrunde liegenden Live-Konzert in Lemberg, das auf Kendlingers Seite bei youtube zu besichtigen ist, wurde darauf allerdings verzichtet. Kendlingers Tonsprache ist, wenn man es positiv ausdrücken will, „unverkopft“: eingängig im Melodischen, geradlinig im Rhythmischen und so einfach wie möglich im Harmonischen. Entsprechend dem Text werden melodische und rhythmische Grundfiguren dem Hörer regelrecht eingehämmert. Der Marsch für Frieden, Freiheit und Menschenrechte hat über weite Strecken einen militanten Charakter.

Engagierte Umsetzung

Die Wiedergabe durch Kendlingers K&K Philharmoniker, die hier nicht vom Meister selbst, sondern von dem jüngeren ukrainischen Maestro Taras Lenko geleitet werden, wird dem intendierten Ernst und der Gewichtigkeit der Partitur durchaus gerecht, ohne der Gefahr von Schwerfälligkeit und hohlem Pathos zu erliegen, die Musik „pulsiert“. Und der Ukrainische Nationalchor Lemberg unter Vasyl Yatsyniak, dem die vokale Hauptlast der Symphonie anvertraut ist, imponiert durch entsprechende Klangpracht und das Bemühen um eine klare Diktion des deutschen Textes. Die Solostimmen sind in den Chor eingebettet und scheinen auch von der Message des Werks durchdrungen: der noch immer klangschöne Tenor des mexikanischen Stars Ramón Vargas ebenso wie der anmutige lyrische Koloratursopran Anna Shumarina und der dramatische Bariton Stepan Drobit, der in der Oper mit Partien wie Telramund, Nabucco und Scarpia im Einsatz ist.

Ekkehard Pluta [10.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Matthias Georg Kendlinger
1Sinfonie Nr. 3 es-Moll op. 10 (Menschenrechte) 00:41:42

Interpreten der Einspielung

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