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CD-Besprechung

Auch ich ein Davidsbündler

Werke von Schumann, Zdralek und Reubke

Dreyer Gaido 21137

1 CD • 75min • 2015, 2008

10.06.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Pianist Ernst Breidenbach, seit vielen Jahren insbesondere als Anwalt selten gespielten Repertoires (u.a. Karg-Elert, Gernsheim, Röntgen) hervorgetreten, legt auf seinem neuen Soloalbum ein Programm vor, das um Schumanns Davidsbündlertänze herum aufgebaut ist. Dabei liegt der Bezug zum titelgebenden Auch ich ein Davidsbündler von Marko Zdralek (Jg. 1973) auf der Hand, während der jung verstorbene Liszt-Schüler Julius Reubke (1834–1858) sicherlich eher mittelbar mit den Davidsbündlern in Verbindung zu bringen ist.

Lebhafte, kraftvolle Interpretationen

Breidenbach spielt einen insgesamt lebhaften, kraftvollen Schumann, und es sind gerade die schnellen, in der Urfassung Florestan zugeschriebenen Stücke wie Nr. 1, 3 oder 4 der Davidsbündlertänze, die unter Breidenbachs Händen gut geraten. Eine solide, kompetente Interpretation, die aber nicht in dem Maße Zwischentöne aushört wie dies in Referenzeinspielungen wie den Aufnahmen von Kempff oder Schiff geschieht. Speziell dort, wo die Musik poetischer wird, wo Subtilitäten etwa in Anschlag oder Rubato gefragt sind, spielt Breidenbach vergleichsweise geradlinig, etwa in Nr. 2, 7, 14 oder den fließenden Übergängen zwischen den letzten drei Stücken. Auch z.B. die „Ferne“ in Nr. 17 könnte delikater, mit mehr Geheimnis realisiert werden.

Reubkes Klaviersonate b-moll zählt zwar nicht zum Standardrepertoire, ist aber mittlerweile doch von einer ganzen Reihe von Pianisten auf CD eingespielt worden (etwa im Vergleich zu der von Liszt hochgeschätzten Sonate Felix Draesekes). Das Werk ist deutlich als Reaktion auf Liszts wenige Jahre zuvor entstandene Klaviersonate erkennbar: eine Art „Sprungthema“ zu Beginn, Rezitativabschnitte, die einsätzige Struktur mit lyrischem Andante in der Mitte (wobei Reubke dann als dritten Teil keine eigentliche Reprise folgen lässt, sondern aus dem thematischen Fundament der Sonate eher ein Quasi-Finale entwickelt), und überhaupt wird man immer wieder auf Passagen stoßen, deren Analoga in Liszts Sonate leicht auszumachen sind. Sicher ein Werk, das sich eng an sein Vorbild anlehnt, dies aber sehr gekonnt, effektvoll und immer wieder auch mit eigener Note (speziell für einen kaum 23-jährigen Komponisten), eine reizvolle Aufgabe für Pianisten, die allerdings leicht etwas massiv wirken kann. Breidenbachs Lesart ist wiederum kraftvoll-zupackend, was die Sonate abschnittsweise durchaus zulässt. Andererseits besitzt das Werk auch zahlreiche innige, dynamisch stark zurückgenommene, oft mit Vortragsanweisungen wie dolcissimo versehene Passagen, exemplarisch etwa Tempo primo (hier) ab 5:05. Was die Subtilität, die Delikatesse solcher Abschnitte anbelangt, lässt Breidenbachs Aufnahme Luft nach oben, übrigens bereits im Ausreizen des dynamischen Spielraums: von sempre ppp kann ab 5:05 nicht die Rede sein.

Schumanns Vorbild im Jahre 2003

Eine Novität auf CD ist Marko Zdraleks Auch ich ein Davidsbündler, ein Auftragswerk aus dem Jahre 2003. Hier wird aus zunächst vereinzelt wirkenden Tönen allmählich ein Zusammenhang geschaffen, der Nr. 2 aus den Davidsbündlertänzen in Erinnerung ruft; auffällig hierbei ein Klangbild, das sich insbesondere aus dem Gegenüber von verhältnismäßig hohen und tiefen Lagen speist. Im kontrastierenden Mittelteil greift Zdralek die triolische Bewegung des ersten von Schumanns Fantasiestücken op. 111 auf, um die Musik zu einem Kulminationspunkt zu führen. Atonale, insgesamt eher gemäßigt moderne Musik, die freilich an das im Titel beschworene Vorbild nicht heranreicht, denn an Poesie, Klangsinn, Fantasie und Einfallsreichtum ist Schumanns Werk (bei allen Unterschieden, die sich aus den mehr als 160 Jahren zwischen den beiden Stücken ergeben) Zdraleks letztlich eher blassem Opus deutlich überlegen.

Der Klang der CD ist tadellos, der Begleittext umfänglich, allerdings nicht immer ganz präzise, nicht nur dann, wenn Zdraleks Stück „die Anziehungskraft der Musik Schumanns und das Bekenntnis zu einer ideellen Gemeinschaft mit konkreten stilistischen Modellen“(?) amalgamieren soll. So bezieht sich der Kommentar zu Schumanns Davidsbündlertänzen auf die Erstfassung, während sich Breidenbach eher an der im Text nicht erwähnten Zweitfassung (allerdings unter Auslassung mancher Wiederholungen) orientiert. Auch die These, dass sich Reubkes Sonate von der Liszt’schen durch „die Reduzierung des Ausgangsmaterials auf wenige Bausteine“ unterscheidet, ist in dieser Form mindestens erklärungsbedürftig, denn bereits Liszts Sonate ist thematisch ausgesprochen dicht gearbeitet. Eine solide bis gute, wenn auch nicht überragende Neuveröffentlichung.

Holger Sambale [10.06.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Davidsbündlertänze op. 6 00:32:51
Marko Zdralek
19Auch ich ein Davidsbündler 00:13:45
Julius Reubke
20Klaviersonate b-Moll 00:30:56

Interpreten der Einspielung

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