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CD-Besprechung

Beethoven Zimmermann Brahms

Duo Maiss You

TYXart TXA21165

1 CD • 75min • 2021

12.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Es gehört zu den Markenzeichen des Duos Maiss You, dass Burkhard Maiß – an der Seite der Pianistin Ji-Yeoun You – in aller Regel sowohl auf der Violine als auch auf der Viola zu hören ist, und so kombiniert auch seine dritte CD, erneut bei TYXart erschienen, zwei Violinsonaten, nämlich Beethovens große Kreutzersonate und Bernd Alois Zimmermanns relativ frühe Violinsonate, mit der zweiten von Brahms’ Sonaten op. 120 (in der Fassung für Viola).

Expressive Lesart der Kreutzersonate

„Wild und ungezähmt“ ist im (von den Interpreten selbst verfassten) Beiheft der Abschnitt zur Kreutzersonate überschrieben, und in der Tat reizen Maiß und You die Kontraste, die gerade dem ersten Satz innewohnen, voll aus und liefern eine sehr expressive, wuchtige und energiegeladene Lesart, ohne dabei die Ruhepole (Adagioeinschübe) zu überspielen und auch ohne bei aller Kraft, die diese Musik auszeichnet, den Blick für Differenzierungen, für das Vorbereiten von Steigerungsbögen und die entsprechende Disposition und Abstufung u.a. der Dynamik zu vergessen. Dabei orientiert sich das Duo eng am Notentext und realisiert etliche Details etwa in Artikulation und Phrasierung sehr präzise, lässt sich aber gleichzeitig Freiräume z.B. in Form von klug eingesetztem Rubato. Die beiden Partner ist exzellent aufeinander eingespielt und können so die dialogische Struktur dieser Sonate, die eben für zwei gleichberechtigte Instrumente geschrieben ist, erstklassig zur Geltung bringen. Eine ausgezeichnete Interpretation also, die sich auch im Vergleich zur (natürlich enormen) Konkurrenz sehr gut behaupten kann. Sicher wird man hier und da andere Einspielungen finden, die in manchen Details unerreicht bleiben (so etwa die Subtilität und Nuancierungskunst des Duos Grumiaux / Haskil im zweiten Satz), dass aber die Darbietung von Maiß und You insgesamt vortrefflich gelungen ist, steht außer Frage.

Vorzügliches Plädoyer für Bernd Alois Zimmermanns Sonate

Besondere Beachtung verdient die Einspielung von Bernd Alois Zimmermanns Sonate von 1950 (nicht zu verwechseln mit seiner Sonate für Violine solo, die ein Jahr später entstand). In der Tat ist dieses Werk im Duktus, in der Ausdruckshaltung Beethovens Kreutzersonate gar nicht einmal unähnlich, ein energiegeladenes, wildes Stück Musik, hoch expressive Musik an der Grenze der Tonalität (die zwar sehr frei gehandhabt wird, doch atonal ist die Sonate eigentlich nicht). Stilistisch greift die Sonate eine Reihe von Einflüssen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf wie Expressionismus, Neoklassizismus (vgl. 1. Satz ab 2:15), und die perkussive Rhythmik des Finales lässt auch an Bartók denken. In der Mitte steht eine dunkel getönte, unruhig tastende Fantasie. Oft ist dieses Werk bislang noch nicht eingespielt worden; im Duo Maiss You hat es vorzügliche Advokaten gefunden, die die Schroffheiten, den Ausdruckswillen dieser Musik trefflich zur Geltung bringen.

Brahms’ Spätwerk als Kontrast

Von dieser Perspektive aus gesehen ist Brahms’ Es-Dur-Violasonate auf dieser CD das Werk, dessen Atmosphärik sich von den beiden anderen Sonaten deutlich abhebt; wie so typisch für Brahms’ Spätwerk liegen hier gelassene Abgeklärtheit, süße, herbstliche Schwere, Melancholie und auch Bitterkeit nahe beieinander, und manchmal schwingt auf geheimnisvolle Weise alles davon gleichzeitig in der Musik mit. Diese Ambivalenz arbeitet das Duo Maiss You exzellent heraus und beweist damit gleichzeitig seine große Wandlungsfähigkeit. Speziell hervorheben möchte ich die Variationen des Finalsatzes, die die beiden Musiker sehr charaktervoll zu realisieren verstehen, man betrachte etwa die allerletzte Variation, bei der die beiden Musiker zunächst sehr schön das leise Zögern, den sanften Trost des Più tranquillo herausarbeiten, um aber zugleich bereits von hier aus einen großen Bogen hin zur – ja aus der gleichen motivischen Substanz erbauten – Affirmation der Schlusstakte zu spannen. Der Klang der CD ist tadellos, das Beiheft interessant zu lesen, insbesondere die Kontextualisierung und das Aufzeigen gewisser Verbindungen und Parallelen zwischen den Werken auf diesem Programm. Eine vorzügliche Neuerscheinung also.

Holger Sambale [12.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Sonate Nr. 9 A-Dur op. 47 für Violine und Klavier (Kreutzer-Sonate) 00:39:15
Bernd-Alois Zimmermann
4Sonate für Violine und Klavier 00:14:11
Johannes Brahms
7Sonate Es-Dur op. 120 Nr. 2 00:21:14

Interpreten der Einspielung

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