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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Richard Dubugnon

Klavieriana • Chamber Symphonies

BIS 2229

1 CD/SACD stereo/surround • 64min • 2019

09.08.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

In Deutschland noch nicht ganz so bekannt, aber international seit gut 20 Jahren viel gespielt und mittlerweile vielleicht der meistaufgeführte schweizerische Komponist seiner Generation, kann Richard Dubugnon (Jahrgang 1968) auf der neuen BIS-SACD mit drei Werken mittlerer (beethovenscher) Orchesterbesetzung überzeugen – den Kammersymphonien Nr. 1 & 2 sowie Klavieriana, einem ausgewachsenen Klavierkonzert, bei dem zusätzlich eine obligate Celesta solistisch fungiert. Die drei Kompositionen entstanden zwischen 2013 und 2017 und zeigen erneut das ganz außergewöhnliche Instrumentationstalent Dubugnons, der auf Tonträgern bislang überwiegend mit Kammermusik in Erscheinung getreten ist.

Intelligente Strukturen ohne Aufgabe der Tonalität

Um nicht wieder das Fass mit dem Schlagwort Postmoderne aufzumachen, nur so viel: Dubugnons Musik gibt die Tonalität nicht auf und arbeitet mit historischen Kompositionstechniken wie auch Anspielungen auf konkrete Werke. Trotzdem erkennt man die handwerkliche Vertrautheit mit vielen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Klanglich setzt der Schweizer vor allem die hohe Orchestrierungskunst französischer Meister wie Ravel oder Dutilleux fort. Mit dieser enormen Farbigkeit, die den Hörer sofort für sich einnimmt, und der eher deutschen Strenge bei der formalen Ausarbeitung gelingt Dubugnon eine angenehme Symbiose, in jedem Moment faszinierend und verständlich: dabei schon eine ganz eigene Handschrift. Die 1. Kammersymphonie knüpft an die Gattungsbeiträge Schönbergs und Schrekers an, bietet aber zudem für viele Spieler herausfordernde und natürlich dankbare Soloaufgaben – wie in der zentralen Violinkadenz. Die 2. Kammersymphonie ist dem hier aufspielenden Musikkollegium Winterthur gewidmet und durch die auf dem Cover abgebildete Glasmalerei in dessen Hauptsitz inspiriert, mit König David in der Mitte und dem Satz „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“. Folgerichtig daher das Zitat aus Bachs Motette Singet dem Herrn ein neues Lied und die ungewöhnliche viersätzige Form, wo auf zwei ruhige Chaconnes einmal eine rasante Fuge und schließlich ein quirliges Finale folgt.

Virtuoses, unmittelbar ansprechendes Klavierkonzert

Klavieriana spielt im Titel auf Schumanns Kreisleriana an; und die Celesta tritt quasi als Spiegel des Klaviers auf, eine Art „Geistersolist“, wie Dubugnon in seinem höchst informativen Booklettext vermerkt. Ansonsten bewegt sich das Stück in der gewohnt dreisätzigen Form des Virtuosenkonzerts - mit einer spektakulären Kadenz vor dem stark an Bernstein gemahnenden Finale mit seinen spanischen Rhythmen, Funk-Elementen und Rachmaninoff-Evokationen. Die japanische Pianistin Noriko Ogawa – die auf BIS u.a. die sechs Klavierkonzerte Alexander Tscherepnins eingespielt hat – agiert mit Feuer und Engagement, in jedem Detail sensibel wie zupackend. Das Winterthurer Orchester wird vom Violinstar Thomas Zehetmair präzise geleitet und lässt ebenso keine Wünsche offen. Der Spaß, den er und seine auch solistisch exzellenten Musiker dabei offensichtlich haben, vermittelt sich derart überzeugend, dass es die abermals nicht hoch genug zu lobende BIS-Aufnahmetechnik gar nicht bräuchte, um diese rundum gelungenen Einspielungen wärmstens zu empfehlen.

Martin Blaumeiser [09.08.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Dubugnon
1Chamber Symphony Nr. 1 op. 63 00:15:46
2Klavieriana op. 70 00:26:09
6Chamber Symphony Nr. 2 op. 77 00:21:26

Interpreten der Einspielung

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