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CD-Besprechung

Joseph Wölfl

Three Piano Concertos

cpo 555 149-2

1 CD • 71min • 2016

28.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wie ungerecht die deutsche Musikgeschichtsschreibung mit der Mozart-Schule umging, belegt diese zweite Folge, die cpo den Klavierkonzerten des Salzburger Michael-Haydn- und Leopold-Mozart-Eleven Josef Wölfl (1773-1812) widmet. Erreichte Wölfl doch im Jahre 1799 bei einem Klavier- und Improvisationswettstreit mit dem drei Jahre älteren Beethoven ein klares Unentschieden, bei dem es eher eine Geschmacksfrage war, ob man dem „unheimlich düsteren Charakter“ Beethovens und dessen Sinn für Pathos oder der Eleganz und Klarheit Wölfls stärker zugeneigt war. Pianistisch und in der handwerklichen Verarbeitung des Materials waren jedenfalls – laut Ignaz von Seyfried – keinerlei Qualitätsunterschiede spürbar.

Verachtet mir die „Kleinmeister“ nicht!

Zumeist wird derjenige als „Kleinmeister“ apostrophiert, der sich der Kompositionsmodelle seiner Lehrer weiterhin bedient. Dies ist bei reisenden Virtuosen jedoch beinah Voraussetzung, denn sie wollten zunächst einmal ihr Publikum unterhalten und waren dadurch fast gezwungen, sich eines bereits etablierten Stils zu bedienen. Bei ihnen liegt der Schwerpunkt im Erfinden neuer und Übersteigern bekannter Spieltechniken und Klangeffekte. Deshalb ist vieles, was wir bei Chopin und Liszt bewundern, gar nicht so originell, sondern bereits von der vorherigen Generation (Hummel, Eberl, Dussek, Field, Czerny – und eben auch Wölfl) entwickelt worden.

Wölfls Klavierkonzerte orientieren sich am späten Mozart, sind jedoch spieltechnisch in ihren häufig weitgriffigen Passagen deutlich anspruchsvoller. Typisch ist hier das F-Dur-Konzert op. 32. Der Kopfsatz nutzt das Themenmodell der „Baumeister-Arie“ aus der Entführung. Der Mittelsatz entwickelt Fioritüren, wie wir sie aus den Nocturnes Chopins kennen. Das Variationen-Finale basiert auf einer simplen Volkstanz-Melodie, die – um den Witz im Sinne Haydns auf die Spitze zu treiben – zuerst als Fagott-Solo gebracht wird.

Beeindruckend nuancierte Pianistik

Nataša Veljkovi realisiert den Klavierpart mit Phantasie, klanglich leuchtend und in allergrößter Klarheit. Sie verfügt über die Technik, die es ermöglicht, zwischen Portato, Leggiero, Halbstaccato, Leggierissimo und Staccato noch weitere Nuancen zu realisieren und damit Motive immer wieder neu zu beleuchten. Das ist analytische Intelligenz, gepaart mit größter Eleganz und Achtsamkeit. Dies ermöglicht ihr, Wiederholungen einen vollkommen anderen Charakter zu verleihen. Dass eine solche Ausnahmepartnerin das Orchester und den Dirigenten mitreißt, dürfte nicht verwundern. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Johannes Moesus, der ganz offensichtlich ein Faible für die Musik dieser Epoche hat, erweist sich denn auch als ein exzellenter Partner auf Augenhöhe. Großes Lob für die liebevoll realisierten Bläsersoli.

Die Klangtechnik bildet das Geschehen optimal ab. Der ungemein einsichtsvolle Begleittext von Bert Hagels, einem der absoluten Kenner und Liebhaber dieser Epoche, würde die Produktion glatt um einen Punkt aufwerten, hätte diese nicht ohnehin bereits die volle Punktzahl verdient.

Fazit: Nataša Veljkovič verfügt über eine Musikalität und Technik, die man manchem aktuell von den Medien hochgeschriebenen Pianisten wünschen möchte. Deshalb sollte sich jeder Klavierinteressierte diese Aufnahme besorgen. Die Werke selbst sind keinesfalls uninteressanter als die ersten beiden Beethoven-Konzerte und stehen stilistisch in deren Nähe. Klare Empfehlung für eine Einspielung, die mit ihrer guten Laune Licht in dunkle Zeiten bringt!

Thomas Baack [28.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Wölfl
1Klavierkonzert Nr. 2 E-Dur op. 26 00:34:13
4Concerto da Camera Es-Dur WoO 97 für Klavier, Flöte und Streicherensemble 00:14:39
7Klavierkonzert Nr. 3 F-Dur op. 32 00:21:36

Interpreten der Einspielung

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