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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach

Musikalisches Opfer BWV 1079

TYXart TXA19136

1 CD • 45min • 2017

18.08.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Bachs Musikalisches Opfer BWV 1079 ist, so schreibt Christoph Wolff in seiner Bach-Monografie, „ein musikalisches Selbstgespräch, das den Komponisten mit allen Facetten seines Könnens darstellt: als Claviergenie und Fugenmeister, Kapellmeister und Kammermusiker, Kontrapunktiker und Musikgelehrten.“ Auf Deutsch: Bach kann alles und zeigt hier alles, was er kann. Gleichzeitig ist dies eines seiner enigmatischsten Werke, ein Rätselwerk, das zu enträtseln für jede(n) Interpreten eine Herausforderung ist. An Interpretationen mangelt es nicht, alleine bei jpc findet man über zwanzig. Das von der Flötistin Kozue Sato aus Ingolstadt gegründete und international besetzte Ensemble Barockin‘ ist eine der aktuellsten.

Mühelose und auftrumpfende Virtuosität

Zuvor sei der Aufnahmeraum gerühmt: Der Kongregationssaal des ehemaligen Jesuitengymnasiums in Neuburg an der Donau ist ein herrlich direkt klingender Saal mit natürlichem Hall ohne langen Nachhall, der die Vorzüge des Ensembles aufs Vorzüglichste zur Geltung kommen lässt, insbesondere der ausgesprochen warme Klang der Traversflöte, von Kozue Sato mit mühelos sich anhörender Virtuosität gespielt, und das von Francis Jacob oft demonstrativ-auftrumpfend gespielte Cembalo.

Schon das erste Ricercar a 3 ist so deutlich und mit Nachdruck intoniert wie eine Aussage: „Jetzt kommt er, der alte Bach!“ Und dem Cembalisten ist die Interpretationsfreude am Aufzeigen der Fugenkomplexität, die „halsbrecherische kontrapunktische Akrobatik“, wie es im Booklet so schön heißt, im Schluss-Ricercar a 6 anzuhören.

Luzidität und Affektaufgeladenheit

Insgesamt herrscht eine Mischung von Luzidität und Affektaufgeladenheit im Spiel des Ensembles, das Bachs Stellung zwischen der barocken Tradition und der neuen Zeit der Empfindsamkeit – „der Tradition verpflichtet und dem neuen sich öffnend“ formuliert das Booklet – aufs Beste demonstriert. So bekommt zum Bespiel der Canon a 4 der beiden mit „Quaerendo invenietis“ („Suchet, so werdet ihr finden!“) einen aufwühlenden Rumor, und alles ist in redender Artikulation und gestischer Phrasierung gespielt, als wollten alle immer mit Bach dem zuhörenden König Friedrich dem Großen zurufen: „Hören Sie, Majestät, schon wieder habe ich Ihr geniales Thema aufs Geschickteste eingebaut und aufs Künstlichste und Kühnlichste verarbeitet!“

Affekt-Abwechslung

Besonders schön klingt die Flötensonate: Die Musiker betonen die häufige abrupte Affekt-Abwechslung, die Seufzer-Melodik, das Abrisshafte und Verrätselte, und gestalten den langsamen Mittelsatz, als hätten sie wieder Christoph Wolff gelesen, der diesen Satz „mit seiner gewundenen Melodik, seinen differenzierten Rhythmen, überraschenden und nuancierten Dynamik“ als Beispiel dafür rühmt, wie gut der alte Bach mit der „Sprache der Empfindsamkeit umzugehen wusste, ja sie darin zu übertreffen verstand.“

So macht das Anhören dieser CD großes Hör-Vergnügen und lädt gleichzeitig ein, den kontrapunktischen Verrätselungen genüsslich und detektivisch nachzuspüren.

Rainer W. Janka [18.08.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Das Musikalische Opfer BWV 1079 00:45:12

Interpreten der Einspielung

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