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CD-Besprechung

Milan Mihajlović

Orchestral Works

cpo 555 296-2

1 CD • 63min • 2018

01.06.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der Belgrader Komponist Milan Mihajlović (Jahrgang 1945) ist vielleicht der wichtigste musikalische Repräsentant der serbischen Postmoderne. In Belgrad ausgebildet, blieb er seiner Heimatstadt weitgehend treu und bekleidete als Lehrer für Musiktheorie und Komposition dort und zeitweise in Novi Sad sämtliche Positionen bis zur Professur. Auf zahlreichen, internationalen Musikfestivals wurde die Musik des Serben regelmäßig aufgeführt. Vieles klingt weniger neo-romantisch als bei anderen Zeitgenossen. Auch wenn die Harmonik auf den Hörer moderat, beinahe tonal wirkt, bedient sie sich hier elaborierterer Mittel: Oft ist Oktatonik im Spiel, insbesondere der Skrjabin-Modus (identisch mit Messiaens Modus 2), womit sich Mihajlović theoretisch sehr intensiv auseinandergesetzt hat.

Eine CD vorwiegend mit Musik für Streichorchester

Von den fünf Werken der cpo-Produktion, 2018 in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur entstanden, sind vier nur für Streichorchester – zum Teil mit Soloinstrumenten – besetzt. Schon in den beiden Stücken aus den späten 1980ern – Bagatellen für Violine, Streicher und Cembalo und der Elegie – wird Mihajlovićs Vorliebe für Ostinato-Strukturen deutlich, über denen sich dann oft sehr expressive Melodik entfalten darf. Man fragt sich, ob manches, was die Solovioline in den Bagatellen vorträgt, von serbischer Volksmusik abgeleitet ist oder derlei Bezüge nur kunstvoll andeutet. Das Cembalo wirkt hier bei Mihajlovićs immer konsistenten Intervallkonstellationen gleichzeitig strukturbildend, wie auch als Schlagzeug. Höhepunkt des Programms ist allerdings klar die einzige Komposition für normal besetztes Sinfonieorchester: Memento (1993), eine eindrückliche Hommage an den Komponistenkollegen Vasilije Mokranjac (1923-84), die auch Zitate aus dessen Musik beinhaltet. Hier überzeugt Mihajlović durch feinste Instrumentationskunst – man höre nur die geschickten Klangmischungen mit der Celesta – und ausdrucksmäßigen Tiefgang, unheimlich und berührend, auch wenn man die Zitate nicht erkennt.

Aktuellere Kompositionen mit kleinen Rätseln

Neueren Datums sind Melancholie (2014), für Oboe, Streicher und Klavier sowie Fa-Mi (Ly) für Streicher & Klavier (2013). Während sich Melancholie von Beginn an auf die absteigende Terz g-b konzentriert, die dann auch im Solo der Oboe dominiert und zu spannungsvollen Momenten führt, die durchaus an den dritten Tristan-Aufzug erinnern, baut Fa-Mi (Ly) ganz auf das namensgebende Intervall f-e. Man hört die sukzessive Steigerung eines immer manischer werdenden Ostinatomotivs. Warum das Ganze dann aber kurz vor dem verhaltenen Ende unvermittelt ausgerechnet in ein apotheotisches Zitat aus der A-Dur-Violinsonate von César Franck mündet, das freilich gleiches Intervallmaterial besitzt, erschließt sich dem Rezensenten nicht wirklich und wirkt so reichlich aufgesetzt.

Die Darbietung des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) unter dem erfahrenen Howard Griffiths ist gediegen; gerade die Harmonik wird spürbar nachgelebt und wirkt so völlig verständlich. Besonders bei Memento gelingt eine perfekte Balance. Lediglich einige hohen Streicherpassagen könnte man noch präziser anbieten. Die hinzugezogenen Solisten spielen mit Hingabe, wobei sich die technischen Herausforderungen dieser Musik im Rahmen halten. Die Aufnahme ist tadellos durchsichtig; nur das Booklet liest sich wie Werbung einer Agenturwebsite. Da bleibt cpo diesmal unter dem sonst üblichen, geschätzten Niveau.

Martin Blaumeiser [01.06.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Milan Mihajlović
1Bagateles für Violine, Cembalo und Streicherensemble 00:18:34
5Melancholy für Oboe, Klavier und Streicherensemble 00:11:08
6Fa-mi(ly) für Klavier und Streicherensemble 00:08:08
7Elegy for strings 00:08:47
8Memento für Orchester 00:16:10

Interpreten der Einspielung

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