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CD-Besprechung

Franz Reizenstein

Piano Concerto No. 2

Franz Reizenstein

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.08.19

Klassik Heute
Empfehlung

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1 CD • 67min • 2018

Der Hindemith-Schüler Franz Reizenstein hatte begonnen, als vielversprechendes Talent aus der zweiten Generation deutscher Neoklassizisten auf sich aufmerksam zu machen, als er 23-jährig 1934 von den Nationalsozialisten nach Großbritannien vertrieben wurde. In seiner neuen Heimat, wo er seine Studien bei Vaughan Williams fortgesetzt hatte, gelangte er durchaus zu Ansehen: Musiker wie Max Rostal und Adrian Boult setzten sich für ihn ein, und für Lyrita nahm er eine Platte mit eigenen Klavierwerken auf. Bekannt blieb er jedoch vor allem durch einen musikalischen Spaß, das für die Hoffnung Festivals arrangierte Concerto popolare, während sein eigentliches Schaffen nach seinem verhältnismäßig frühen Tod 1968 lange vernachlässigt wurde. Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass die Diskographie der Werke Reizensteins nun durch die Nürnberger Symphoniker unter der Leitung von Yaron Traub um eine schöne Aufnahme vermehrt worden ist.

Das Programm ist sehr gut zusammengestellt, denn die drei dargebotenen Werke, zwischen 1948 und 1961 entstanden, zeigen den Komponisten von verschiedenen Seiten, so dass sich dem Hörer ein umfassendes Bild der künstlerischen Persönlichkeit Reizensteins bietet. Dass Reizenstein von Hindemith Unterweisung im Tonsatz erhalten hat, verraten bereits die Quartenmotive, mit denen das Konzert und die Serenade beginnen. Die Harmonik des Lehrers ist für das Schaffen des Schülers von prägender Bedeutung gewesen, wie auch die gleichmäßige, auf Ausgewogenheit zielende Formung der Stücke seinen Einfluss verrät. Allerdings zeigt sich Reizenstein im Umgang mit dem Gelernten als ein eigener Kopf. Vor allem am weitgehenden Fehlen barockisierender Elemente zeigt sich das. Im Kopfsatz der Serenade demonstriert Reizenstein seine virtuosen Fertigkeiten in der Fugenkomposition, doch wird ihm der Kontrapunkt nie Selbstzweck. Nirgendwo in den vorliegenden Werken steigert er sich in jenen seinerzeit modischen Kontrapunktfanatismus hinein, der manchen anderen Vertreter dieser Stilrichtung in die papierene Sterilität getrieben hat.

Das Klavierkonzert Nr. 2 ist ein ernstes, leidenschaftliches Stück, eine Sturm-und-Drang-Musik mit neoklassizistischen Mitteln. Reizenstein behandelt Soloinstrument und Orchester in den drei Sätzen als ebenbürtige Partner bzw. Konkurrenten, die gleichermaßen Anteil an der motivischen Verarbeitung haben und kompositorisch eng miteinander verzahnt sind. Dem Solisten wird dabei auch reichlich Gelegenheit geboten, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen.

Mit dem Klavierkonzert teilt die Serenade für kleines Orchester die Haupttonalität: Beide Stücke sind „in F“ geschrieben. Während jedoch das Konzert stark zum Moll neigt, wird die Serenade von Dur-Klängen dominiert. Wer in diesem Werk Einflüsse der britischen Pastoral Music hört, hat womöglich nicht Unrecht. Das Stück ist die Bearbeitung eines Bläsernonetts, und an keiner Stelle verleugnet es seinen Ursprung. Das Orchester agiert hier durchaus als vergrößertes Kammermusikensemble und präsentiert in fünf knappen Sätzen eine Folge behaglicher Bilder. Nur dem Finale hat Reizenstein – meines Erachtens nicht notwendigerweise – ein größeres Gewicht zu geben versucht, indem er ihm eine Einleitung vorangestellt hat, die aus sämtlichen vorangegangenen Sätzen zitiert.

Am Schluss des Programms steht mit der Ouvertüre zu Rostands Cyrano de Bergerac ein symphonisches Charakterbild, in dem der Komponist offensichtlich danach strebt, die vielseitige Persönlichkeit des Titelhelden musikalisch adäquat wiederzugeben. Dies gelingt ihm ausgezeichnet:

Das Stück hat Kraft, Humor, Dramatik, und mit einem ausgesprochen unhindemithschen Thema zeichnet Reizenstein Cyranos leidenschaftliche Schwärmerei.

In Yaron Traub haben die Kompositionen Reizensteins einen fähigen Sachwalter gefunden, der mit den Nürnberger Symphonikern angemessene Darbietungen erarbeitet hat. Hier wird mit sicherem Gespür für die kontrapunktischen Strukturen und die formalen Verläufe der Stücke musiziert. Im Klavierkonzert fügt sich Oliver Triendl als Solist stimmig in dieses rundum überzeugende Gesamtbild ein. Wer mit Reizensteins Musik noch nicht vertraut ist, und eine Einführung wünscht, tut gut daran, sich diese CD zu beschaffen.

Norbert Florian Schuck [12.08.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Reizenstein Klavierkonzert F-Dur op. 37 Nr. 2 00:26:18
4 Serenade F-Dur op. 29a 00:27:52
9 Cyrano de Bergerac op. 28 (Ouvertüre) 00:12:32

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Oliver Triendl Klavier
Nürnberger Symphoniker Orchester
Yaron Traub Dirigent
 
555 245-2;0761203524525

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