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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Georgy Catoire & Ignaz Friedman

Piano Quintets

BIS 2314

1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2017

09.05.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Georges (bzw. Georgi) Catoire ist ein größtenteils vergessener Komponist, der den uneingeweihten Hörer schon damit überrascht, dass er Russe, nicht Franzose ist. Wären da nicht Marc-André Hamelin (der 1999 auf Hyperion eine CD mit Klaviermusik des ungefähren Rachmaninow-Zeitgenossen herausgebracht hat) und Anna Zassimova (die Pianistin, deren beim Verlag Ernst Kuhn veröffentlichte Doktorarbeit das Standardnachschlagewerk über den Komponisten ist), wäre er vielleicht schon ganz vergessen. Das wäre freilich sehr schade, denn dem nach zu urteilen, was von seinen wenigen Werken veröffentlicht ist, hat Catoire (von Tschaikowsky sehr geschätzt) viel zu bieten.

So auch in dem groß angelegten Klavierquintet (1914) welches hier in einer etwas breiten aber involvierenden direkten Interpretation – hervorragend gespielt und in referenzverdächtigem Klang aufgenommen – dargeboten wird. Bei seiner Premiere wurde es vom Kritiker Grigori Prokofjew als „edel und kraftvoll, aufrichtig und erlesen” und „sehr komplex“ beschrieben. Sein Kollege Leonid Sabanejew attestierte Catoire zum gleichen Anlass ebenfalls „aristokratische Noblesse und feine Erlesenheit, doch wenig Originalität“. Er entdeckt Einflüsse von Chopin, Schumann und Skrijabin, was schlüssig erscheint. Dann Catoire kann zwar durchaus russisch klingen – in seiner Symphonie, zum Beispiel. In der Kammermusik hingegen ist der Ton eher undefinierbar, oder international… vielleicht gar französisch (oder verleitet hier der Name „Catoire” die Einbildung zu dieser Annahme? Das Problem dieser Werke (das bezieht sich, zu einem etwas geringeren Grad, auch auf Iganz Friedmans Quintett) – insofern man es als Problem bezeichnen will – ist, dass sie zwar so schön und gut sind, dass man die Stücke definitiv (wieder-) entdecken muss (wozu diese CD die ideale Möglichkeit bietet), aber doch nicht so eingängig oder von solch bestechender Grazie, als dass sie dauerhaft Eingang ins Repertoire finden würden. Auch Sabanejew sieht das ähnlich: „Überhaupt findet man fast keine Mängel. Und denoch bleibt festzustellen, daß von diesem [hervorragenden, zuweilen sogar wirklich starkem Werk] das Gefühl der Belastung zurückbleibt, das seine Ursache im Fehlen wirklicher Originalität des Autors hat.“

Da ist das Quintett von dem eigentlich nur als Pianisten bekannten Ignaz Friedman schon eingänger. Wenn man das Dutzend Male gehört hat, kommt es einem fast bekannt vor. Und vor allem findet sich beim Habsburgerischen Polen Friedman Wiener Charme! Schwelgerisch fließt der langsame Satz, ein „Larghetto, con somma espressione“ in Form von Thema und sechs Variationen dahin, in dem besonders die Bratschistin Ellen Nisbeth ihr einfühlsames Können beweisen kann. Das wuchtig auf sein Ende zusteuernde Finale erinnert – zumindest in seinen massiven Momenten – an Brahms. Wobei sich auch hier immer wieder der Himmel lichtet um süß-seelige Sonne durscheinen zu lassen. Was steht man nun zu solcher Musik, die zu gut zum Vergessen ist aber nicht Brahms und Co. den Platz an der Kammermusiksonne streitig machen kann? Immer wieder und wieder wieder-entdecken! Am besten gleich hier.

Jens F. Laurson [09.05.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georgi Lvovich Catoire
1Klavierquintett g-Moll op. 28 00:24:21
Ignaz Friedman
4Klavierquintett c-Moll 00:36:58

Interpreten der Einspielung

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