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CD/SACD stereo-Besprechung

SI! Sonatas.

Leticia Gómez-Tagle Piano Works

Ars Produktion ARS 38 270

1 CD/SACD stereo • 65min • 2018

13.02.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine große Interpretation zeigt immer den Menschen, der hinter der Musik steht. Das ist im Spiel der mexikanischen Pianistin Leticia Gómez-Tagle hör- und spürbar. In Mexiko geboren, lebt sie heute in Wien, erfuhr hier u.a. auch durch den legendären Paul-Badura Skoda künstlerische Anregungen. Geblieben ist ihr nach eigenem Bekunden eine typisch lateinamerikanische Haltung von Lebensbejahung – auch wenn es mal schwierig wird. In kurzer Zeit hat Leticia Gómez-Tagle mehrere Alben auf dem Ars Lable in einer systematisch anmutenden Serie heraus gebracht. Ihre jüngste Veröffentlichung widmet sich nun der Sonatenform – hier aus der Feder von Chopin, Liszt und schließlich, sozusagen als „Kontrapunkt” im wörtlichen Sinne, Domenico Scarlatti. Das gemeinsame Merkmal der Schicksalstonart h-Moll war hier alles andere als zufällig.

Leticia Gómez-Tagles vitale Spielkultur, ihre sorgsam dosierte Klangfinesse und exakte Detailschärfe gepaart mit einer höchst intuitiven Emotionalität sind niemals eitler Selbstzweck, geht es doch darum, zu erforschen, worum es den Schöpfern dieser Musik ging und letztlich darum, was sich auch in einer traditionellen Form wie der Sonate Grenzenloses, Persönliches und Zukunftsweisendes sagen lässt.

Mit geschmeidiger Seelenwärme durchdringt das Spiel der Mexikanerin die Emotionen im Allegro-Satz der Chopin-Sonate. Alles an Verspieltheit und raffinierter Tastenkunst lebt im bewegten, äußerst „pianistisch” gesetzten Scherzo. Im riesigen, zehnminütigen Largo zeichnet dieses Spiel den weiten, theatralischen Bogen, der aus der Langsamkeit so viel Entwicklung kreiert. Schließlich tobt sich Leticia Gómez-Tagle zum Finale im vielgestaltig-expressiven Kosmos aus.

Sich mit einem Giganten messen, sich die elementaren Energien zu eigen machen und gestärkt gerade aus dem Schwierigen hervor gehen – eine solche tiefe, vorbehaltlose Auseinandersetzung pflegt ihr Spiel mit den drei kolossalen Sätzen aus Franz Listzs h-Moll-Sonate. Und diese Interpretin ist in jdem Moment unerschrocken genug und mit allen denkbaren pianistischen Mitteln ausgestattet, dieses Abenteuer an den Hörer weiter zu geben.

Das verblüffendste ist der letzte Programmpunkt auf diesem Tonträger: Einmal durch den kolossalen romantischen Spielfluss in Fahrt gekommen, verbietet sich in diesem Moment ein allzu puristischer, historisierender Blickwinkel auf Scarlattis h-Moll-Sonate. Stattdessen spielt Leticia Gómez-Tagle diesen kompakten Einsätzer aus ihrer eigenen Subjektivität und aus dem Heute heraus: Sehr breit werden melodischen Bögen modelliert, sehr vielschichtig dosiert ihr Spiel raffinierte dynamische Wirkungen. Warum nicht einer Musik im Heute mit allen dafür zur Verfügung stehenden stehenden Mitteln umso mehr Relevanz verleihen? Dies scheint die Frage hier zu sein, die man sich als aufmerksamer Hörer selbst beantworten darf. Man darf sich freuen, auch künftig noch viele musikalische Statements von dieser Ausnahme-Pianistin zu hören!

Stefan Pieper [13.02.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58 00:27:52
Franz Liszt
5Klaviersonate h-Moll S 178 00:30:43
Domenico Scarlatti
8Klaviersonate h-Moll K 87 00:06:09

Interpreten der Einspielung

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