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CD-Besprechung

... into the night

Works by Chopin, Liszt, Beethoven, Debussy and Brahms

... into the night

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 22.01.19

Genuin GEN 19637

1 CD • 68min • 2018

Schon der Titel dieser CD „…into the night“ zeigt, wie privat, subjektiv, intim diese Zusammenstellung von meist romantischen Klavierstücken ist. „Für mich ist die Nacht der Beginn unendlicher Möglichkeiten.“, bekennt die koreanisch-kanadische Pianistin Jennifer Lim im Booklet. Diese „unendlichen Möglichkeiten“ erweisen sich in ihrem Spiel aber doch als endlich. Nicht technisch, da ist Jennifer Lim tadellos, wie besonders Beethovens Mondscheinsonate zeigt, sondern stilistisch.

Ein Vergleich der Spielzeiten mit Pianisten-Kollegen lässt erkennen, was Jennifer Lim will: In fast allen Chopin’schen Nocturnes ist sie oft um fast eine Minute langsamer als ihre Interpreten-Kollegen, z.B. Adam Harasiewicz, Daniel Barenboim oder Artur Rubinstein. Und man hört es: Langsam, bedächtig und bedenkend spielt sie jeden Ton der Nocturnes, als wollte sie jede Note einzeln zeigen, sie sinnt jedem einzelnen Ton nach, so dass sich z. B. im Es-Dur-Nocturne op. 9 Nr. 2 kein Klanggespinst ergibt, sondern nur einzeln gespielte Töne. Jennifer Lim demonstriert, wie ergriffen sie vom Träumerischen der gespielten Musik ist, nicht aber, wie ergreifend die Musik ist.

Im direkten Vergleich etwa mit Artur Rubinstein im D-Dur-Nocturne op. 27 Nr. 2 stört man sich am etwas harten Anschlag der Pianistin und an dem gewollten, gemachten Träumen, wohingegen Rubinsteins fließendes und oft unheimlich bewegungsdrohendes, keinen Halt gebendes Spiel den Traum hören lässt; während Lim jeden Ton der Verzierungen in Takt 52 ausziseliert, macht Rubinstein draus ein dämonisch be- und verzauberndes Irrlichtern.

Im die CD abschließenden Andante espressivo aus Brahms‘ Klaviersonate Nr. 3 op. 5 verliert sich Jennifer Lim so ins Träumen, dass dieser Satz gar nicht aufzuhören scheint. Dagegen träumt sie sich in Liszts Liebestraum empathisch hinein, glückt ihr gläsern-schön die Versunkenheit in Debussys Clair de la lune – vielleicht weil Debussys Musik objektiver ist? Das Klangbild ist fürs Träumen zu direkt, das Mikrofon scheint mitten im Klavier zu stecken und nimmt nicht den Raumklang mit. Das Schönste und Poetischste aber ist der Booklet-Text von Ki-Hyuk Lee, der eine Nacht mit der am Klavier träumenden Jennifer Lim in deren scheinbar verwunschenen Londoner Haus beschreibt: „Wir sind alle Kinder der Nacht.“

Rainer W. Janka [22.01.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Chopin Nocturne Es-Dur op. 9 Nr. 2 00:05:15
2 F. Liszt Liebestraum Nr. 3 As-Dur op. 62 S 541 00:04:49
3 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 00:15:29
6 F. Chopin Nocturne Nr. 8 Des-Dur op. 27 Nr. 2 00:07:19
7 Nocturne cis-Moll op. posth. Browne 49 00:04:41
8 C. Debussy III. Clair de lune aus Suite bergamasque L 75 00:05:37
9 F. Chopin Nocturne H-Dur op. 62 Nr. 1 00:10:19
10 J. Brahms 2. Satz Andante espressivo aus Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5 00:14:39

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jennifer Lim Klavier
 
GEN 19637;4260036256376

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