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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Zala

Brahms • Liszt • Chopin • Petrovic-Vratchanska

Ars Produktion ARS38 753

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2017

23.02.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Zur vielstrapazierten Titulierung „Wunderkind“ hat die aus Slowenien kommende, gerade 15 Jahre junge Pianistin Zala Kravos ein eher distanziertes Verhältnis. Eigentlich sei doch jedes Kind ein Wunder für sich mit allen Talenten und Anlagen - es komme nur drauf an, diese zu wecken und zu fördern. Hier ist auf jeden Fall vieles richtig gemacht worden – anders wäre wohl das vorliegende, bestechende CD-Debüt der heute in Luxemburg lebenden Pianisten kaum denkbar.

Zala Kravos erste Aufnahme wirkt wie ein sehr persönliches Solo-Recital. Es folgt einer durchdachten Dramaturgie und dem Willen zur eigenständigen Botschaft, die niemandem etwas zu beweisen braucht. Fast drängt sich die Frage auf, was noch alles im späteren Leben kommen kann, wenn so viel jetzt schon erreicht ist.

Die Debut-CD dokumentiert Stücke, die ihr ans Herz gewachsen sind und mit denen sie groß geworden ist. Es geht um Balladen, speziell darum, das Erzählerische darin auch ohne Worte nachfühlbar zu machen. Das war das Anliegen von Johannes Brahms und Franz Liszt, und in diese Welt begibt sich diese junge Ausnahme-Interpretin mit aller Konsequenz. Dramatisch ist die Eröffnung mit Brahms erster Ballade Nr. 1. Zala Kravos weiß, die entsprechenden emotionalen Berg- und Talfahrten der blutrüstigen Geschichte über den König Edvard mit entsprechend selbstbewussten Crescendi einzuleiten und das dramaturgische Geflecht mit durchdachten Tempi- und Dynamikwechseln rhetorisch zu verdichten. Dass die 15jährige die Geschichten, die „hinter“ diesen Kompositionen stehen, auch lesend tief verinnerlicht hat, ist Ehrensache.

Stimmig und sensibel spannt sich der Bogen logisch über weitere, verblüffend vielgestaltige Brahms-Balladen, kommt zu einem regelrecht sinfonischen Höhepunkt in Franz Listzs fast viertelstündiger b-Moll-Ballade, die im Spiel von Zala Kravos frei von jedem aufgeblasenen Pathos ist.

Chopins Impromptus sind ein weiteres Zeugnis der Komponisten im 19.Jahrhundert, den formalen Bogen einer zusammenhängenden Sonatenform zugunsten unmittelbarer auf den emotionalen Punkt kommenden Format zu sprengen - im Fall Chopins aber ohne außermusikalische Programm-Ideen. Unter Zala Kravos Händen offenbart sich nicht so sehr der leidenschaftlich exaltierte, dafür der eher verspielte Chopin. Nach vielen fein ausgeloteten Nuancen von musikalischer Schwerelosigkeit, überwältigt die Rasanz, mit der Kravos sich dann ins Fantasie-Impromptu cis-Moll regelrecht hineinstürzt. Und auch hier steht wohl kaum das sportliche Kräftemessen im Vordergrund, dafür umso mehr eine selbstbewusst auftrumpfende Souveränität im Umgang mit selbst den komplexesten pianistischen Herausforderungen.

Zala Kravos hat in der luxemburgischen Komponistin Albena Petrovich-Vratchanksa eine Freundin und Mentorin gefunden – und sie hat der jungen Pianistin ein Stück persönlich auf den Leib geschrieben, welches gleichzeitig Anregung zur eigenen Fantasie ist. Dinge mit kreativem Wagemut auszugestalten, bedeutet mehr, als nur die Noten zu spielen. In diesem Sinne kennt das Stück Crystal Dream keine rigigen metrischen Fixierungen. Zala Kravos nimmt sich alle Freiheit, um das Postulat zu erfüllen, aus der Komposition wirklich ihr eigenes Stück zu machen und dies wie ein freies Klang-Rezitativ in bestem Sinne atmen zu lassen. Die Klangerzeugung geht hier über das reine Anschlagen der Tasten hinaus und Zala Kravos gehtmit aller Konsequenz zu Werke, um den Ton durch zusätzliche Überlagerungen geräuschhaft aufzuladen: Es ist die eigene Halskette, die hier auf den Saiten umher tänzelt und diese scheppernden Effekte hervorruft– verriet die junge Pianistin im Gespräch!

Stefan Pieper [23.02.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Ballade d-Moll op. 10 Nr. 1 (Edward-Ballade) 00:04:42
2Ballade D-Dur op. 10 Nr. 2 00:06:25
3Ballade h-Moll op. 10 Nr. 3 (Intermezzo) 00:04:09
4Ballade H-Dur op. 10 Nr. 4 00:08:40
Franz Liszt
5Ballade Nr. 2 h-Moll S 171 00:14:00
Frédéric Chopin
6Impromptu Nr. 1 As-Dur op. 29 00:04:03
7Impromptu Nr. 2 Fis-Dur op. 36 00:06:19
8Impromptu Nr. 3 Ges-Dur op. 51 00:05:47
9Impromptu Nr. 4 cis-Moll op. 66 (Fantaisie-Impromptu) 00:05:00
Albena Petrovic Vratchanska
10Crystal Dream 00:05:25

Interpreten der Einspielung

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