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CD-Besprechung

Jaromír Weinberger

Wallenstein

Jaromír Weinberger

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 22.01.18

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2 CD • 2h 11min • 2012

Schillers Dramen von Die Räuber bis Die Braut von Messina waren im 19. Jahrhundert vor allem (aber nicht nur) bei italienischen Komponisten als Inspirationsquelle sehr beliebt, einige wurden gleich mehrfach vertont. Nur um die historische Wallenstein-Trilogie haben die Maestri einen großen Bogen gemacht, denn dieses dialoggesättigte Polit-Drama enthält nur geringes Opernpotential, sieht man einmal vom Prolog (Wallensteins Lager) ab, den Francesco Maria Piave und Giuseppe Verdi für den 3. Akt von La forza del destino in nuce annektierten.

Jaromir Weinberger, dem mit Schwanda, der Dudelsackpfeifer (1927) ein Welterfolg gelungen war, zeigte mit seiner Wallenstein-Adaption einigen Wagemut. Dass sie, am 18. November 1937 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt, nur 4 Aufführungen erlebte, sagt nichts über das Gelingen, sondern nur über die politische Situation aus. Hitler stand schon ante portas und der jüdische Komponist war zur Emigration gezwungen. Nach dem Krieg war seine Oper vergessen und erst 2009 kam es im thüringischen Gera zu einer szenischen Wiederbelebung, die zwar Beachtung fand, aber keine Folgen hatte. Drei Jahre später brachte der ORF das Werk in konzertanter Form zur Aufführung. Der Mitschnitt, jetzt auf CD veröffentlicht, macht das verdrängte Stück einem breiteren Publikum zugänglich und kann zur Rehabilitierung beitragen.

Der Versuch, die zwei lange Abende füllende Trilogie auf sechs Szenen von insgesamt 130 Minuten Länge zu konzentrieren, ohne die wesentlichen Momente und Umschlagpunkte der Handlung zu unterschlagen, ist ein dramaturgischer Husarenritt, zu dem man dem Librettisten Miloš Kareš nur gratulieren kann. Und Max Brod hat in der deutschen Übertragung dafür gesorgt, dass viele Original-Schiller-Zitate in die Oper hinübergerettet werden.

Weinberger hat getan, was in seinen Kräften stand, um diesen Literatur-Digest zu musikalischem Leben zu erwecken, und dabei aus vielen musikalischen Töpfen geschöpft. Im ersten Bild in Wallensteins Lager kommt der schon aus Schwanda bekannte böhmische Volkston durch, die Liebesgeschichte zwischen Max und Thekla, im 3. Bild zusammengefaßt, geht melodisch in die Vollen und gemahnt an Lehárs Tauber-Operetten (Giuditta hatte ein Jahr zuvor am selben Ort Premiere), einige Chöre und Märsche beschwören die Atmosphäre des 30jährigen Kriegs und prägen sich dem Ohr ein. Die eigentliche politische Handlung – Wallensteins Monologe, seine dialogischen Auseinandersetzungen mit Verbündeten und nicht rechtzeitig erkannten Gegnern – werden, wohl notgedrungen, in einem spröden Konversationston abgehandelt. All seine Kunst legt Weinberger hier in das illustrierende Orchester und behauptet sich dabei als ernst zu nehmender Zeitgenosse von Strauss und Schreker.

Diese Könnerschaft wird im Spiel des ORF-Symphonieorchesters Wien unter dem souverän agierenden, Übertreibungen vermeidenden Dirigenten Cornelius Meister ins richtige Licht gerückt. Die Sängerbesetzung ist adäquat und in einigen Positionen mehr als das. Der noch relativ jung klingende Bariton Roman Trekel hat als Wallenstein die Hauptlast zu schultern und bringt als erfahrener Liedinterpret Sprache und Gesang zu einer vorbildlichen Synthese. Sein Fachkollege Ralf Lukas ist ihm in der weniger dankbaren Rolle des Octavio Piccolomini ein zumindest stimmlich satisfaktionsfähiger Partner. Die Sopranistin Martina Welschenbach in der sehr hoch liegenden Partie der Thekla und der mitunter etwas forcierende Tenor Daniel Kirch als Max behaupten sich in ihren anstrengenden Grenzpartien insgesamt gut. Dagmar Schellenberger gibt die Gräfin Terzky als strenge Gouvernante. In diesem personenreichen Stück müssen einige Sänger mehrere Rollen übernehmen, der Tenor Dietmar Kerschbaum gleich deren vier, was er Respekt gebietend bewältigt.

Ein Repertoirestück wird dieser Wallenstein sicher nicht, aber er lohnt die Mühe einer szenischen Einstudierung.

Ekkehard Pluta [22.01.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Weinberger Wallenstein (Musikalische Tragödie in sechs Bildern)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Roman Trekel Wallenstein zu Friedland, kaiserlicher Generalissimus - Bariton
Martina Welschenbach Thekla, Prinzessin zu Friedland, Wallensteins Tochter - Sopran
Ralf Lukas Octavio Piccolomini, Generalleutnant - Bariton
Daniel Kirch Max Piccolomini, Octavios Sohn, Oberst im Pappenheimischen Kürassierregiment - T
Dagmar Schellenberger Gräfin Terzky - Sopran
Roman Sadnik Graf Terzky, Wallensteins Schwager, Chef mehrerer Regimente - Tenor
Edwing Tenias Illo, Feldmarschall, Wallensteins Vertrauter - Bariton
Georg Lehner Butler, Chef eines Dragonerregiments - Bariton
Benno Schollum Wrangel, schwedischer Oberst - Bariton
Dietmar Kerschbaum Graf Questenberg, kaiserlicher Gesandter - Tenor
Oliver Ringelhahn Gordon, Kommandant von Eger - Tenor
Nina Berten Marketenderin - Sopran
Claudia Goebl Ein junges Mädchen - Sopran
Wiener Singakademie Chor
ORF Radio-Symphonieorchester Wien Orchester
Cornelius Meister Dirigent
 
777 963-2;0761203796328

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